Österreichs Dirndl-Designer – ein Überblick

Österreichische Dirndl gelten nun vor allem bei der jungen, urbanen Zielgruppe als heiß begehrt. Und Feste mit „trachtigem“ Einschlag sind die Stars unter den Szene-Events. Dazu haben auch Österreichs Dirndl- und Trachtendesigner ihren Beitrag geleistet.

Die bekanntesten Dirndl- und Tracht-Designer im Überblick

Lena Hoschek

„Im Dirndl schaut jede Frau fantastisch aus“, sagt Lena Hoschek – und die muss es wissen. Die österreichische Designerin, die unter anderem bei Vivienne Westwood lernte, ist der Sprung zur internationalen Karriere geglückt. Und nicht nur Popstar Katy Perry ist verrückt nach Lena Hoscheks Entwürfen, ihre Modelle verkaufen sich von Berlin bis Dubai, von Paris bis Wien. Mit einer Mischung aus 50er-Jahre-Stil, Folklore-Elementen und Austro-Chic huldigt ihre Kollektion der Weiblichkeit. „Kurvige Frauen freuen sich, dass meine Stücke ihre Figur zur Geltung bringen. Und sehr dünne Frauen lieben sie, weil sie darin endlich Kurven haben“, sagt Hoschek.

Wenn Lena Hoschek Dirndlmode entwirft, hat das nichts mehr zu tun mit dem Leinenblusen-Landhaus-Chic vergangener Jahrzehnte. Dirndl und Lederhosen boomen wie lange nicht. Das mag, in Zeiten der Globalisierung, an einer Sehnsucht nach den regionalen Wurzeln liegen, aber auch an der fortschreitenden Uniformität der Mode. Wie kann man sich da noch als Individualist absetzen? Eigentlich nur mit Tracht, meint Design-Kollegin Susanne Bisovsky: „Ich finde es ehrlich verwegen, mit einem Dirndl durch Wien zu marschieren, denn das ist das einzige Kleidungsstück, mit dem man momentan in der Stadt noch auffallen kann.“

Susanne Bisovsky

Susanne Bisovsky, die Tracht auf völlig neue Weise interpretiert, ist eine der treibenden Kräfte des Alpenmode-Comebacks. Die Dirndl-Designerin des Landes entwirft nicht nur ungewöhnliche Kleider, die oft an herrschaftlich anmutende Roben erinnern, sie konnte sogar Stars der New Yorker Modeszene wie Kathleen Madden begeistern. Ihren ungewöhnlichen Umgang mit Trachten machte Bisovsky gleich zu Beginn ihrer Karriere klar: Auf Flohmärkten kaufte sie Dirndlteile, Spenzer und Mieder, goss diese dann in einer von ihr entwickelten Technik in Latex ab, setzte sie neu zusammen, ergänzte sie mit selbstbedruckten Teilen und gab so den Dirndln eine völlig neue Aussagekraft.

Eleganter geht es Carolin Sinemus an, die ebenfalls zur neuen Generation der Trachten-Designer zählt. Die gebürtige Deutsche und Wahlsteirerin, die 2004 das Label Sisi Wasabi gründete, entwirft für den Salzburger Traditionshersteller Gössl exklusive Stücke aus Kaschmir, Seide und Co. Sie verpasst Trachtenstoffen Couture-Schnitte und lässt auch schon mal Lampassen, die traditionellen grünen Streifen an den Hosenbeinen, auf Capes wandern.

Die Ploom Kollektion

Aufsehen erregend im wahrsten Sinne des Wortes sind auch die Kreationen der Designerin Tanja Pflaum. Mit ihrem Label Ploom orientiert sie sich am Zeitgeist und verbindet tradiertes textiles Handwerk mit den aktuellen Modeströmungen. Dabei gelingt ihr erstaunlich gut der Spagat zwischen traditionellem und jung-modernem Design. Die Ploom Kollektion besticht vor allem durch urbane Eleganz und extravagante Farbkombinationen.

Unterschied zwischen Dirndl und echter Volkstracht

Was man heute unter einem Dirndl versteht, sollte übrigens nicht mit den regionalen Volkstrachten verwechselt werden. Eine echte Tracht weist bestimmte Merkmale auf, anhand derer man sie ganz genau einer Region und dem sozialen Status des Trägers zuordnen kann. Das heute bekannte Dirndl wurde zwar durch regionale Trachten geprägt, hat aber keinen bestimmten regionalen Bezug. Der Siegeszug der Dirndlkleider begann etwa um 1870. Da wurde das früher als Arbeitsgewand des weiblichen Gesindes eingesetzte Kleidungsstück mit Schürze (gegen den Schmutz) und Bluse von der Oberschicht übernommen und auf den Landsitzen der Aristokraten zum Sommertrend erhoben.

Dirndl Grundlsee © Österreich Werbung, Fotograf: Peter Burgstaller

Tostmann-Dirndl

Ein Dirndl setzt sich zusammen aus Leibl, Rock, Bluse und Schürze. Und wie viele unzählige Kombinationen davon möglich sind, das weiß keine besser als die Grande Dame der alpinen Trachtenmode – Gexi Tostmann. Ihre Mutter Marlene gründete 1949 in Seewalchen im Salzkammergut – ausgerüstet mit einem Handwebstuhl und einer Nähmaschine – die Dirndl-Dynastie. Ein Tostmann-Dirndl ist sozusagen der Rolls Royce unter den Schürzenkleidern: ein Klassiker, zeitlos, in Handarbeit gefertigt. Gexi Tostmann, die promovierte Völkerkundlerin, polierte schon in den 1980ern mit interkulturellen Modeschauen das angestaubte Image der Tracht auf. Heute beliefert die kleine Manufaktur mit ihren 100 Mitarbeiterinnen Kundinnen in der ganzen Welt. Darunter auch immer mehr junge Menschen.

Bestes Beispiel: Der jährliche Almdudler-Trachtenpärchenball im Wiener Rathaus, der Szene-Stars, Prominente und Party-Volk nach Wien lockt. Dresscode des schrägen Balls: ausschließlich Dirndl oder Lederhose! Der Ball ist jedes Jahr schon Monate vor dem Termin ausgebucht und hebt die Grenzen zwischen Mode und Tradition auf. Wie sagte da schon die britische Star-Designerin Vivienne Westwood vor Jahren treffend über das Dirndl: „Würde jede Dame ein solches Kleid tragen, gäbe es keine Hässlichkeit mehr.“

Trachtenpärchenball (c) Almdudler


Bezugsquellen für Dirndl und Tracht

 


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