„Der Kaiser und die Jagd“ in den Sälen der Hofjagd- und Rüstkammer

Kunsthistorisches Museum, Burgring 5, 1010 Wien. www.khm.at

Die kaiserlichen Jagdwaffen befinden sich in den Ausstellungsräumenim Corps de Logis der Neuen Burg. Dieser glanzvolle Rahmen bietet einen würdigen Platz für mehr als 90 Objekte der kaiserlichen Jagd des Spätmittelalters und  der Renaissance. Im Zentrum Saals befindet sich eine Goldene Voliere für die kostbaren Falken- und Habichthauben und die dazu gehörenden reich bestickten Falkenluder. Wien besitzt die größte Sammlung an höfischer Ausrüstung für die Falkenjagd. Die Falkenjagd stellte den bedeutendsten Bereich im höfischen Festleben des späten Mittelalters und der Renaissance dar.

Falkenhaube. Oberitalienisch zwischen 1494 und 1508. Geschenk des Kaiser Maximilian I (1459-1519) an seine zweite Gattin Bianca Maria Sforza (1472-1510). © Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Es verwundert daher nicht, dass Kaiser Maximilian I. seiner zweiten Gemahlin Bianca Maria Sforza vergoldete Falkenhäubchen verehrte. Das Falkenhäubchen diente dazu, den Vogel seiner Sicht zu berauben und ihn so zu zwingen, still auf der Faust des Falkners zu sitzen. Das dazugehörige Federspiel, ein Polster mit Schnüren und Vogelschwingen, sollte den vom Falkenhäubchen befreiten Vogel zurückzuholen, wenn er die Beute verfehlt hatte. Ein großer Teil dieser Sammlung wird im Jagdsaal präsentiert.

Die Jagd war ein bedeutender Zweig der höfischen Kultur. Im Laufe des Mittelalters entwickelte sie sich zum Sport des Adels, zum Fest und zur höfischen Zeremonie. Durch die Jahrhunderte des späten Mittelalters und der Neuzeit blieb fast das gesamte Jagdwesen Vorrecht der hohen und höchsten Schichten im Staate. Kaiser und Landesherrn besaßen eigene Jagdkammern, deren reicher und vielfältiger Bestand nicht nur den praktischen Bedürfnissen des Sportes diente, sondern durch die Kostbarkeit des Werkstoffes und die

künstlerische Vollendung seiner Verarbeitung auch den hohen Anforderungen und Verpflichtungen höfischer Repräsentation entsprachen. Nach dem Tode des jeweiligen Herrschers wurden dessen Jagdwaffen als Erinnerungsstücke innerhalb der Familie über die Generationen hinweg weitergegeben.

Die habsburgischen Kaiser waren fast ausnahmslos begeisterte Jäger. Man jagte jedoch nicht nur mit Greifvögeln andere Vögel und Hasen, sondern in Form von Hetzjagden auch Bären, Wildschweine sowie Hirsche. Zur Zeit Kaiser Maximilians I. wurde ein eigener Schwerttypus entwickelt, das Jagdschwert, das vor allem dazu diente, das von den Hunden gestellte oder bereits verwundete Wild zu töten. Neben den Jagdschwertern wurden auch kunstvoll geschmückte Jagdarmbrüste verwendet.

Diese waren eine hervorragende Jagdwaffen, denn ihr Schuss war fast geräuschlos und vertrieb deshalb das scheue Wild nicht aus der Nähe des Jägers. Die meisten Armbrüste hoher Qualität hatten seit dem 15. Jahrhundert Stahlbögen. Als leichte Waffe gegen Vögel verwendete man sogenannte Schnepper oder Balester, leichte Armbrüste, die mit einem eingeflochtenen Kugelsack in der Mitte der Sehne kleine Kugeln verschießen konnten. All diese Waffen der herrschaftlichen Jäger entsprachen der besten Qualität und wurden auf höchstem künstlerischem Niveau verziert. Diese technisch aufwändigen Gebrauchsgeräte bieten ein Bild des Kaiserlichen Jagbetriebes vor mehr als 400 Jahren.

Jagdarmbrust des Kaiser Maximilian I. (1459-1519). Zwischen 1508 und 1515. Spanien und Innsbruck. © Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer


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