Mehr als ein Badesee: die Wörthersee-Architektur

Zahlreiche noch heute erhaltene Bauwerke bezeugen, dass der Szene-See Österreichs bereits Ende des neunzehnten Jahrhunderts bevorzugter Rückzugsort von Künstlern und Großbürgern auf der Flucht vor der sommerlichen Hitze der Stadt war. Angereizt durch die Eröffnung der k. u. k. Südbahn im Jahr 1864 entwickelte sich zunächst Pörtschach zum eleganten Kur- und Badeort. Wiener Industrielle rivalisierten mit ortsansässigen Unternehmern in der Errichtung von Parkanlagen, Villen, Bootshäusern, Restaurants und Sportstätten.

Steg zum Bootshaus in Pörtschach am Wörthersee. © Österreich Werbung, Fotograf: Peter Burgstaller

Steg zum Bootshaus in Pörtschach am Wörthersee. © Österreich Werbung, Fotograf: Peter Burgstaller

Für kulturinteressierte Urlauber bietet sich die Gelegenheit, eine Zeitreise zum Ursprung der Sommerfrische-Architektur zu unternehmen. Eine übersichtliche Faltkarte zeigt die historische und moderne Gebäude rund um den Wörthersee mit Standorten und Basisinformationen. Die Karte ist in den Tourismusinformationsstellen rund um den See gratis zu beziehen.

 

Ein besonderes Juwel stellt das vom tschechischen Architekten Josef Fuchs geplante Werzer Bad dar, benannt nach dem Kärntner Bauherrn Semmelrock-Werzer, fertiggestellt 1895. Auch heute noch bilden die filigranen Holzbauten mit ihren weißgestrichenen Balken den perfekten Rahmen für ein Sonnenbad mit Seeblick. Die Villa Venezia mit ihrer an die italienische Renaissance gemahnenden, romantisch-historistischen Architektur, die benachbarte Villa Seewarte, deren bemerkenswerter polygonaler Turm sofort ins Auge sticht, sowie die prächtige Villa Seeblick sind weitere Beispiele für den eher urbanen Stil dieses Architekten des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts.

Das geschlossenste Villenensemble stellen die ebenfalls von Fuchs geplante Villa Wörth und die Villen Miralago und Seehort des Wiener Architekten Carl Langhammer dar. Der Blick von der großzügigen Freitreppe der Miralago zum See und dem Badehaus mit seinem verspielten achteckigen Pavillonaufbau lässt den Hotelgast den ganzen Charme vergangener Epochen spüren.

Stärker der lokalen Tradition verhaftet muten die von Franz Baumgartner geplanten Gebäude an. Bei einem Cocktail oder italienischen Spezialitäten auf der Terrasse der Bar Anna W. (ehemals Etablissement Weizer) in Pörtschach lassen sich die Ziergiebel, Erker und Bogenfenster in Ruhe aus der Nähe betrachten. Ganz im regionalen Stil sind die Villen Almrausch und Edelweiß mit ihren steilen Schopfdächern und holzverkleideten Giebeln errichtet. Letztere weist auch das für Baumgartner typische Erdgeschoss aus Bruchsteinmauerwerk auf, das sich ebenso bei seinem wohl schönsten Werk, der Villa Karrer, errichtet 1926, findet. Ungeachtet der gotisch anmutenden Spitzbogen der Bootseinfahrten des direkt am Wasser stehenden Hauses wirkt seine schlichte, symmetrische Anlage mit den großen Terrassendächern auch auf den heutigen Betrachter noch zeitgemäß.

Als besonders stilprägend für die Wörthersee-Architektur wird das 1909 fertiggestellte Hotel Kointsch in Velden angesehen. Hier zeigt sich Baumgartners breitgefächertes architektonisches Vokabular besonders augenfällig. Jugendstil, Regionalromantik und englischer Landhausstil werden zu einer Einheit verwoben, deren Charme gekonnt zwischen Repräsentation und Gemütlichkeit changiert.

Nach einem Blick zum schräg gegenüberliegenden imposanten Hotel Carinthia mit seiner in Türmchen und Gaupen aufgelösten Dachzone, einem späteren Werk Baumgartners, führen einige Schritte den See entlang zum Schlosshotel Velden. Erbaut zwischen 1539 und 1613 vom Freiherrn Bartholomäus Khevenhüller, wurden im Lauf seiner Geschichte Teile durch einen Brand vernichtet, wieder aufgebaut und alles wiederholt renoviert und umgebaut – auch hier hatte der inzwischen gut bekannte Herr Baumgartner seinen Stift im Spiel –, bis es seine jetzige Form fand. Der in den Jahren 2004 – 2007 erfolgte Zubau durch die Wiener Architekten Jabornegg & Palffy fasst das heterogene Ensemble durch einen elegant schwebenden U-förmigen Rahmenbau in Beton und Glas zusammen und lässt das Schloss durch diesen Kontrast höchst wirkungsvoll als Solitär erstrahlen.

Ein kurzer Spaziergang zur an der Nordbucht gelegenen Marina, dann erscheint in leicht erhöhter Lage über dem See die durch eine prachtvolle Freitreppe mit dem Ufer verbundene, in barockisierendem Stil errichtete Villa Helene. Kaiser Franz- Josef ließ sie angeblich für seine langjährige Geliebte Katharina Schratt um 1890 erbauen.

Eine Vielzahl der genannten und einige weitere Bauten dienen auch heute noch der stilvollen Beherbergung erholungssuchender Gäste. Viele andere, nicht weniger sehenswerte Objekte befinden sich in Privatbesitz. Diese lassen sich am besten im Zuge einer Bootsfahrt erforschen. Rund um den See stehen Ruder- und Motorboote zur Vermietung, die neben der Entdeckung der architektonischen Schönheiten zwischendurch auch die Möglichkeit zu einem erfrischenden Sprung in den See bieten. Für größere Gruppen lohnt sich das Chartern eines Ausflugsbootes der Wörthersee-Schifffahrt. Unter den sachkundigen Erläuterungen lässt man bei einem Glas Prosecco entspannt den Blick über die zierlichen hölzernen Badepavillons und Bootshäuser schweifen und erkennt ein weiteres Spezifikum der Architektur am See: Die Hauptfassade der meisten Villen ist nicht etwa zu den erschließenden Straßen, sondern vielmehr zum See gerichtet, und entfaltet ihren ganzen Zauber nur aus dieser Perspektive.

Auf der Terrasse des zum Schlosshotel Velden gehörenden Restaurants Seespitz, einer eleganten, mit Holzlamellen verkleideten Box, deren Glasfassade sich zum See hin öffnet, lässt sich das Panorama zum Abschluss noch einmal genießen.

ww.woerthersee-architektur.at
www.poertschach.at
www.annaw.at
Wörthersee-Schifffahrt: www.wörtherseeschifffahrt.at

Villa Schnür, Woerthersee-Architektur © Österreich Werbung, Fotograf: Gredl

 


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