Österreichs schönste Themenstraßen

Österreich ist ein kleines Land, aber überaus reich an landschaftlichen Schönheiten. Die Auswahl fällt da oft schwer. Eine wunderbare Orientierung angesichts dieser Vielfalt sind die österreichischen Themenstraßen. Wir haben Österreichs schönste Themenstraßen für Sie zusammengestellt – von der Weinstraßen bis zur Romantikstraße zwischen Salzburg und Wien.

 


Die Märchenschlossstraße in Niederösterreich

Vom Zauber des Erzählens

Es gibt Landschaften, bei denen man sich so recht weiß, ob man sich in einer Märchenwelt oder in der Wirklichkeit befindet. Im mystischen Waldviertel oder in der romantischen Wachau liegen diese Welten oft sehr nah beieinander. Vor allem, wenn man eines der vielen Märchenschlösser besucht.

Die Märchen der Gebrüder Grimm, von Hans Christian Andersen oder Wilhelm Busch, die wir als Kinder gehört haben, begleiten uns ein ganzes Leben. Diesen alten und bedeutungsvollen Geschichten wieder zu begegnen, hat sich die Märchenschlossstraße in Niederösterreich zur Aufgabe gemacht. Auf rund 277 Kilometern führt diese Erlebnisstraße durch eine Landschaft, deren dichte Wälder, Hochmoore und bizarre Steinformationen Gegenstand so mancher Sage sind. Von Perchtoldsdorf bei Wien über die Donaulandschaft der Wachau bis ins nördliche Waldviertel führen die elf Märchenwelten der Märchenschlossstraße.

Einer dieser zauberhaften Schauplätze ist Schloss Rosenau. Mit seiner barock verspielten Turmfassade, den geschwungenen Toren und seinen bemoosten Statuen könnte es genauso gut als Dornröschens Domizil durchgehen. Im Schloss selbst, zwischen Seidenkissen, Duftölen und flackernden Teelichter, wird man regelrecht entführt – etwa im Märchenhaus, wo man die Welt aus der Perspektive von Zwergen und Riesen kennenlernen oder Grimms Märchen wieder begegnen kann. Das Puppenhaus mit seinen vielen farbenprächtigen Kostümpuppen aus dem indischen Raum steht dieser wunderlichen Verführung um nichts nach.

Schloss Rosenau
Photo by giborn_134

Wildromantisch geht es auf der Burgruine Aggstein zu. Hoch über der Donau auf einem Felsen gelegen, war diese Burg über Jahrhunderte der Sitz von Raubrittern. Die seit dem Jahr 2004 vorbildlich revitalisierte Burg mit ihren drei hintereinander liegenden Burgtoren gibt den Besuchern einen anschaulichen Einblick in das Leben des Mittelalters. In die Welt der Sagen entführen zwei Kellerräume unter dem Rittersaal, wo in der Nibelungenausstellung mit liebevoll gestalteten Holzfiguren das wechselhafte Schicksal von Siegfried, Kriemhild und Hagen erzählt wird. 16 lebensecht gestaltete Szenen aus der Nibelungen-Sage entführen in eine Zeit, als auch auf Burg Aggstein so manch ritterlicher Kampf ausgetragen wurde.

An ganz offizieller Stelle, nämlich im Rathaus von Gföhl, wartet ein Märchenhain mit einer historischen fränkischen Rauchküche, in der sich Teufel und Hexen tummeln. Unter ihnen die schöne assyrische Hexe Lilithu und seltsame Zwerge, die in eine Grotte und Kristallwelt locken. Handfester geht es in Gföhl während der Sommermonate zu, wenn Winnetou und Old Shatterhand bei den Karl-May-Spielen am sagenumwobenen Silbersee, der in einer beeindruckenden Freiluftarena angelegt ist, gegen jede Menge Schurken und Banditen kämpfen.

Der ewige Kampf des Guten gegen das Böse ist auch Gegenstand vieler Erzählungen, die alljährlich im Mai beim Märchen-Erzählfest „Fabelhaft“ an acht Orten im Niederösterreich – darunter die Schlösser Schallaburg und Mailberg – zum Besten gegeben werden. Österreichs bekanntester Märchenerzähler, Folke Tegethoff, widmet dieses Festival der Kunst des Erzählens und des Zuhörens. Und sobald die eingeladenen weltbesten Vortragenden „Es war einmal …“ in den Mund nehmen, herrscht im Auditorium gespannte Aufmerksamkeit. Wie zu Kinderzeiten …

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Die Waldviertler Textilstraße

Auf der Waldviertler Textilstraße erfährt man, wie hart das Leben der Textilarbeiter in früheren Jahrhunderten war und wie fantasievoll hier nach wie vor mit Stoffen umgegangen wird – und was das Wort „obandlt“ bedeutet.

Die Geschichte des Waldviertels ist seit jeher eng mit der Textilindustrie verwoben. Den alten Formen der Textilerzeugung begegnet man hier auf Schritt und Tritt – in Bauernstuben und auf Marktplätzen, in alten Fabriken und Weberzeilen, in Haus-, Gassen- und Flurnamen, in Erzählungen und Erinnerungen. 40 Stationen auf der Waldviertler Textilstraße laden zu Ausflügen und Entdeckungsreisen in Geschichte und Gegenwart der Textilregion Waldviertel ein.

Drei Textilmuseen

Das Herzstück der Textilstraße bilden die drei Textilmuseen in Weitra, Groß Siegharts und Waidhofen/Thaya. Sie präsentieren anschaulich Zeugnisse aus der Industriegeschichte und Arbeitswelt der Waldviertler Textilindustrie. So diente das Textilmuseum in Weitra als Weberei der renommierten k. u. k. Modewarenfabrik Hackl & Söhne, die einstmals mehr als 500 Arbeiter/innen beschäftigte. Das lange, weiße Industriegebäude aus dem Fin de Siècle fällt vor allem durch das pagodenartige Dach des Herrenhauses auf. Heute beherbergt die ehemalige Fabrik eine Vielzahl von alten Stoffdruckmodeln, Textilentwürfen und Webstühlen für Dekorstoffe sowie original erhaltene Stoffkollektionen, die die traditionelle Waldviertler Trachtenerzeugung dokumentieren.

Doch das Textilgewerbe ist im oberen Waldviertel nicht nur Geschichte. In Weitra kreiert Elfi Maisetschläger zeitgemäße Trachtenmode, die von ihrem Studium der alten Literatur und durch Spaziergänge in der Natur inspiriert ist. Im selben Ort befindet sich die Zwirnknopferzeugung von Maria Fiedler, die die einzige ihrer Art in Österreich ist. Der Zwirnknopf, der traditionellerweise vor allem bei Bettwäsche und Trachten verwendet wird, besteht aus einem Aluminium-Ring und reiner Baumwolle und hat gegenüber einem Knopf aus Plastik den Vorteil, quasi ewig zu halten und sich leicht vernähen und bügeln zu lassen. Dass auch Papier zum Textilgewerbe gehört, zeigt die Papiermühle Mörzinger, wo noch handgeschöpftes Büttenpapier hergestellt wird. Besucher können hier selbst ihr stilvolles, schneeweißes Briefpapier herstellen. Für Freunde von schillernden Farben empfiehlt sich ein Besuch in der Frottierfabrik Framsohn in Heidenreichstein, wo man mithilfe eines eigenen Farbsystems Frottee-Bademäntel und Handtücher in seiner individuellen Lieblingsfarbe zusammenstellen kann. Die ökologisch nachhaltige Herstellung – alle Stoffe werden im besonders weichen Urgesteinswasser gefärbt – kann auch mit der weltweit ersten Frottiertrachtenserie aufwarten.

Lebhaft ging es wohl in der ehemaligen Bandweberei in Groß-Siegharts zu. Daher nennt man sie heute auch das „Lebende Textilmuseum“. Angesichts der Webstühle in der kleinen Rauchkuchl mit einer einzigen Feuerstelle, um die mindestens ein Dutzend Menschen arbeiteten, wird klar, unter welch harten Arbeitsbedingungen die Bandweber noch vor hundert Jahren arbeiteten. Alle 20 Minuten mussten sie geistesgegenwärtig die 32 Spulen der Bandwebstühle austauschen, 56 mal 15 Meter Band in einer Schicht weben, ohne dass die Mechanik klemmte, und waren dann am Ende des Tages „obandlt“ – fix und fertig.

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Die Mühlviertler Weberstraße

Obwohl die goldenen Zeiten des Weberhandwerks schon lange vorbei sind, im Mühlviertel ist diese Tradition noch überall präsent. Bei einer Reise auf der Mühlviertler Weberstraße folgt man dem Weg der Naturfaser Flachs– vom Anbau bis zur industriellen Verarbeitung von eleganten, feinen Leinenstoffen.

Jahrhundertelang wurde im Mühlviertel Flachs angebaut. Die daraus verarbeiteten Leinenstoffe und Webprodukte wurden ab dem 17. Jahrhundert in alle Welt exportiert. Der Niedergang der Webindustrie erfolgte erst im 20. Jahrhundert – zuerst durch den Bau des gigantischen Moldau-Staudamms auf der tschechischen Seite des Böhmerwaldes, der das Klima im Mühlviertel veränderte und dadurch den Flachs nicht mehr so gut gedeihen ließ. Dann kam die billige Textilkonkurrenz aus Fernost, die vielen Webereien, die ganze Orte im Mühlviertel ernährten, den Garaus machte. Doch es gibt sie noch – die kleinen, feinen Familienbetriebe, die wunderschöne Unikate aus Leinen herstellen.

In Haslach, dem einstigen Zentrum der Leinenweberei, begegnet einem die glorreiche Vergangenheit auch heute noch auf Schritt und Tritt. Am eindrucksvollsten im Webereimuseum, das auf zwei Stockwerken die Verarbeitung des Flachses und die Technik des Webens veranschaulicht. Staunende Besucher erfahren hier, dass vom Flachsanbau bis zum fertigen Leinenstoff ein Jahr vergeht und dafür nicht weniger als 64 Verarbeitungsschritte notwendig sind: vom Trocknen, Riffeln, Brechen des Flachses über das Ausziehen der Fäden, dem Spinnen und schließlich dem Weben, Bleichen und Pressen des edlen Stoffes. Wer „Kette“ und „Schuss“ bis zu diesem Zeitpunkt eher für martialische Ausdrücke gehalten hat, wird angesichts der alten Webmaschinen eines Besseren belehrt, bedeuten in der Webersprache doch „Kette“ die senkrecht gewobenen Fäden, während der „Schuss“ die waagrecht verlaufenden Fäden bezeichnet, die von der Webschützen-Spindel blitzschnell – wie ein Schuss eben – in den Stoff laufen.

Das Webereimuseum

Bei einem Besuch des Webereimuseums sollte man eine Führung mit Josef Eckerstorfer nicht versäumen. Ursprünglich Postler, lernte „der Sepp“ als Spätberufener das Weben und pflegt und wartet seither die historischen Webmaschinen, darunter einige mehr als 150 Jahre alte Jacquard-Webmaschinen, die als Erste mit Lochkartentechnik funktionierten. Seit er Kustor des Museums ist, webt Sepp Eckerstorfer auch selbst – und er lässt jeden interessierten Laien selbst Hand an den Webstuhl anlegen, um sein eigenes Stück herzustellen.

Auch wenn die hellblau leuchtenden Flachsfelder im Mühlviertel weitgehend verschwunden sind, in den bis heute bestehenden Webereien erlebt man nach wie vor die zeitlose Schönheit der Leinenproduktion. Etwa bei der Firma Leitner in Ulrichsberg, wo Haute Couture, Decken, Pölster und Tischwäsche in originärem Design hergestellt werden. Selbiges gilt für die Firma Vieböck in Helfenberg, wo auch die betriebsame Produktionshalle mit acht Webmaschinen besucht werden kann. „Unser Gebäude hat Charakter“, sagt Geschäftsführer Johann Kobler, der mit Stolz darauf verweist, dass seine Leinen-Manufaktur bereits seit 1832 besteht. Ganz heutig sind die feinen Leinenstoffe im Verkaufsraum – vom Bademantel bis zum farbenprächtigen Dirndl in modernem Design lassen sich die Kollektionen anfühlen, probieren und erstehen.

Und wer im Juli im Mühlviertel weilt, sollte keinesfalls den berühmten Webermarkt in Haslach versäumen, denn dann verwandeln tausende Besucher und Aussteller aus aller Welt die verwinkelten Gassen des beschaulichen Orts in ein kunterbuntes Potpourri aus feinen Stoffen.

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Die Mühlviertler Gotikstraße

Das Mühlviertel hat seine mystischen Seiten. Hügel, die oft nebelverhangen sind, und tief eingeschnittene, dicht bewaldete Täler prägen das Geheimnisvolle dieser Landschaft. In den Dörfern dominieren gotische Kirchen mit Schätzen spätmittelalterlicher sakraler Kunst – die sich auf der Mühlviertler Gotikstraße entdecken lassen.

Das Mühlviertel, die nördlichste Region Oberösterreichs, die an Bayern und Südböhmen grenzt, hat viele alte Geschichten und ewige Wahrheiten zu erzählen – von Märtyrern, Heiligen, Verfolgten, Leidenden und Erlösten … Insgesamt 30 Bauwerke auf der Mühlviertler Gotikstraße legen darüber Zeugnis ab. Bei einigen sakralen Meisterwerken muss der kunstsinnige Besucher mitunter zwar den Mesner herausläuten, aber die Kirchenpforten öffnen sich für jeden – ob für Pilger oder Kunstinteressierte. Schließlich sind die Mühlviertler auf ihr gotisches Erbe stolz und geben, gewürzt mit kleinen Geschichten, gerne Auskunft darüber.

Anderswo in Österreich fielen viele gotische Kunstwerke den Türkenkriegen zum Opfer. Oder sie wurden im Zuge der Barockisierung im Laufe des 17. und 18. Jahrhundert schlichtweg weggeworfen oder verbrannt. Zu jener Zeit sah man doch tatsächlich die strenge Formensprache der Gotik als eine Geschmacksverirrung der Kunstgeschichte an und überzog viele Kirchen mit der opulenten Ästhetik des Barock. Anders im Mühlviertel. Hier hat man sich offensichtlich schon immer auf das gute Alte besonnen und das kulturelle Erbe gehegt und gepflegt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der weltberühmte Flügelaltar von Kefermarkt. Dieses Juwel der Mühlviertler Gotikstraße ist eines der herausragendsten Beispiele spätgotischer Holzschnitzkunst. Dabei ist der Künstler der dreiteiligen Altarskulptur bis heute unbekannt! Der aus Lindenholz gefertigte Flügelaltar zeigt in der Mitte die drei Heiligen Petrus, Wolfgang (dem die Kirche geweiht ist) und Christophorus, dessen auf den Stock gestützte Haltung besonders ergreifend wirkt. Seit mehr als 500 Jahren befindet sich der Altar unter dem Netzrippengewölbe der Kefermarkter Pfarrkirche. Reformation, Kriege und Unruhen konnten ihm nichts anhaben – einzig der Holzwurm hat seine Existenz ernstlich bedroht. Es ist dem Dichter Adalbert Stifter in seiner Funktion als Landeskonservator von Oberösterreich zu verdanken, dass der bereits stark mitgenommene Altar in den Jahren 1852–55 restauriert und so der Nachwelt erhalten werden konnte.

Flügelaltar von Kefermarkt
Photo by Herbert_Alg

Ähnliches gilt für viele andere Kunstschätze im Mühlviertel: Kirchen, Kapellen und Flügelaltäre im gesamten Mühlviertler Kernland zeugen vom ausgeprägten Kunstsinn und von der tiefen Frömmigkeit seiner Bewohner. Besonders beeindruckende Bauten sind das imposante Kreuzrippengewölbe der Pfarrkirche von Gutau, die Pfarrkirche von Pabneukirchen mit ihrem romanischen Baucharakter oder die ausschließlich aus Granitsteinen erbaute Dorfkapelle von Wienau. Aber nicht nur Kirchen liegen auf der Gotikstraße. Die „Hauptstadt“ des Mühlviertels, Freistadt, ist ein einzigartiges Ensemble spätgotischer Baukunst. Die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Befestigungsanlage, die fürstliche Burg mit ihrem profilierten gotischen Turm sowie stattliche Bürgerhäuser und wehrhafte Türme lassen bei einem Rundgang die Zeit stillstehen – und erzählen den Besuchern manch mystische Geschichte aus dem Mittelalter.

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Die Mühlviertler Museumsstraße

Im Mühlviertel, so heißt es oft, sei die Zeit stehengeblieben. Vielleicht konnte gerade deshalb so viel aus der alten Zeit erhalten bleiben. Auf der Mühlviertler Museumsstraße laden mehr als 30 Museen und Ausstellungen den Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit ein.

Schon Aristoteles und Caesar kannten den Böhmerwald. Allerdings bezeichneten sie ihn mit dem Namen „Hercynia silva“. Der Wald und die Holzwirtschaft bestimmten denn auch über Jahrhunderte die hügelige Mühlviertler Landschaft. Noch heute findet man an zahlreichen Bächen kleine Sägemühlen, die gemeinsam mit den vielen Mehl- und Leinölmühlen dem Mühlviertel ihren Namen gaben. Freilichtmuseen wie die Venetianersäge in Windhaag bei Freistadt halten dieses Erbe wach. Wenn hier das Mühlrad von Wasser angetrieben wird, Zahnräder über Riemen eine Einblattsäge in Betrieb setzen, die dann ganz ohne Strom ein Baumstamm durchsägt, versetzt dieser jahrhundertealte, wohl durchdachte Mechanismus viele Besucher in fasziniertes Staunen.

Respekt vor der Vergangenheit gebietet auch das Freistädter Schlossmuseum, das im wehrhaften gotischen Turm des Schlosses untergebracht ist. Nicht weniger als acht Stockwerke steigt man hier über steile Treppen hinauf, und in jedem Stock erwartet den Besucher eine andere Facette aus dem alltäglichen Leben der Region. Brauchtum des Jahres- und Lebenslaufs, bäuerliche Wirtschaftsgeräte, alte Uhren und ewige Kalender und vieles mehr erwarten die wissenshungrigen Besucher. Werke der Volksandacht finden hier ebenso Platz wie Belege für den Aberglauben der bäuerlichen Bevölkerung. So finden sich unter den Talismanen und Glückssteinen gar seltsame Stücke wie die „Verschreifeige“, die verhindern sollte, dass einem Lob allzu sehr zu Kopfe stieg … Der luftige Höhepunkt und zugleich Abschluss des Schlossmuseums ist schließlich auf der Turmbrüstung erreicht, wo man mit einem fantastischen Rundblick auf die mittelalterliche Stadt Freistadt und das hügelige Umland belohnt wird.

Die beste Reisezeit für die Mühlviertler Museumsstraße ist von April bis Oktober, denn über den Winter sind viele kleine Museen und die meisten Freilichtmuseen geschlossen. Der Sommer ist auch wohl auch die beste Zeit, um die Tradition der Leinenweberei kennenzulernen – schließlich trägt sich der feine Stoff zur warmen Jahreszeit besonders gut. Einen umfassenden Blick auf das Textilgewerbe gewinnt man etwa im reich ausgestatteten Webereimuseum in Haslach oder im Färbermuseum in Gutau, wo anhand alter Arbeitsgeräte wie den tiefen Farbbottichen aus Eichenholz oder der gewaltigen Mangel zum Plätten der Leinenstoffe die Mühsal der Stoffbearbeitung nachvollziehbar wird.

Ebenso alt wie die Weberei ist im Mühlviertel das Schmiedehandwerk. Lasberg bei Freistadt war früher so etwas wie ein Zentrum dieser Zunft. In einem der ältesten Häuser des kleinen Orts befindet sich die 1526 errichtete Huf- und Wagenschmiede, nur unweit befindet sich die ehemalige Spiralschmiede, die unter anderem die Hufeisen für die Mühlviertler Pferdeeisenbahn schmiedete. Und in der Lasberger Fürstenhammer Hammerschmiede wurden seit dem 16. Jahrhundert Sensen erzeugt. Alle diese alten Handwerksbetriebe sind noch im Urzustand erhalten, und als Erinnerung können sich Besucher in der Hammerschmiede auf einem Münzprägestock den Lasberger Glücksheller selbst schlagen.

Dass die Mühlviertler aber nicht nur hart und fleißig arbeiteten, sondern sich auch gerne dem Genuss hingaben, lässt sich etwa im 1. Oberösterreichischen gerne dem Genuss hingaben, lässt sich etwa im 1. Oberösterreichischen Schnapsmuseum in St. Oswald bei Freistadt oder im Mostmuseum in Neumarkt im Mühlkreis nachvollziehen. Nach einem langen Museumstag lässt eine Verkostung der edlen Tropfen schließlich auch den Gaumen auf seine Rechnung kommen.

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Die Südsteirische Weinstraße

Steil fallen in der Südsteiermark die Weinhänge herab, erhaben thronen die einfachen Weingüter auf den Kuppen der Hügel. Wer von ihnen die fantastische Rundsicht über die Landschaft genießt, begleitet dies am besten mit Weißwein und steirischer Kost. Willkommen in der „steirischen Toskana“!

„Steirerblut ist kein Himbeersaft“ lautet eine beliebte Redewendung in der Steiermark. Auf der Südsteirischen Weinstraße kann man sich davon überzeugen, dass hier tatsächlich nur der Rebensaft zählt. Die rund 25 Kilometer lange Straße zwischen Ehrenhausen und Leutschach führt durch die größte Weinbauregion der Steiermark, in der einige der besten Weißweine gedeihen: Welschriesling, Sauvignon blanc und Muskateller etwa, aber auch Chardonnay, der hier in der Steiermark Morillon genannt wird.

Der Begriff Weinstraße ist tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn entlang einer schmalen Landstraße liegen so idyllische Weinbauorte wie Ratsch, Glanz, Langegg, Schlossberg oder Eichberg-Trautenburg. Teilweise verläuft die Straße entlang der slowenischen Grenze, und mitunter wird man darauf hingewiesen, dass die Staatsgrenze in der Straßenmitte verläuft. Das heißt nun nicht, dass überholen verboten sei, aber angesichts der kurvigen Strecke ist eine Tour de force ohnehin nicht angeraten. Eher sollte man sich treiben lassen, stehenbleiben, wo der Blick besonders schön ist oder ein Weingut besonders einladend wirkt. Denn bewirtet wird man überall – und der Wein genügt immer höchsten Qualitätsansprüchen. Regelmäßig holen die südsteirischen Winzer Preise und Medaillen für ihre edlen Weißweine heim. Aber auch Käsespezialitäten, Bauernmehlspeisen oder steirische Hausmannskost kommen nicht zu kurz, ebenso wenig wie regionale Marmeladen, Edelbrände und selbstverständlich das Kernöl, das aus Kürbiskernen hergestellte Salatöl, das in der Steiermark auch gerne das „grüne Gold“ genannt wird.

Die Glanzer Hoftour

Ein echtes Glanzstück des südsteirischen Hügellandes ist die Gemeinde Glanz. Hier lädt eine leichte Wanderung – die Glanzer Hoftour – dazu ein, die Köstlichkeiten der lokalen Betriebe zu Fuß zu entdecken. Besonders reizvoll ist die Glanzer Kellerstraße, die sich durch die Weingärten schlängelt. Das Klapotetz, das Windrad, das unliebsame Vögel von den Reben fernhalten soll, ist hier gegenwärtig. Und wer den Eorykogel besteigt, wird nicht nur mit einem fantastischen Rundblick belohnt, sondern auch der größten Weintraube der Welt ansichtig. Die von Willibald Trojan aus Glas gefertigte Riesenweintraube hat es sogar ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.

Klapotetz (Windrad) / Suedsteiermark / Herbst

Klapotetz (Windrad) / Suedsteiermark / Herbst © Österreich Werbung, Fotograf: Himsl

Es liegt nicht unbedingt am Weinkonsum ihrer Besucher, dass die Weinstraße keiner geraden Linie folgt. Die Strecke wartet von vornherein mit einigen Abzweigungen auf. Einen Abstecher nach Gamlitz, das sich mit Stolz „größte Weinbaugemeinde der Steiermark“ nennt, sollte man nicht versäumen. Die 300 Hektar Weinbaufläche machen etwa zehn Prozent des gesamten steirischen Weinbaugebiets aus. Wer hier nicht nur preisgekrönten Wein trinken will, sondern auch mehr über die hiesige Weinkultur und ihre Geschichte erfahren möchte, kann im Museum für steirische Weinkultur auf Schloss Obergamlitz seinen Wissensdurst löschen.

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Die Oststeirische Römerweinstraße

Die Oststeirische Römerweinstraße liegt in einer ganz und gar lieblichen Gegend. Sanftes Hügelland, durchbrochen von kleinen Wäldern und sanft abfallenden Weinbergen–wie geschaffen für die hedonistischen alten Römer.

Das Gebiet zwischen Gleisdorf, Hartberg und Bad Waltersdorf ist eine der ältesten Kulturlandschaften des Landes. Archäologische Spuren reichen bis zur Jungsteinzeit zurück. Hier lebten die Kelten, deren Königreich Noricum schließlich 16 v. Chr. von den Römern unterworfen wurde. Der Konflikt in der Oststeiermark verlief übrigens vollkommen unaufgeregt und gewaltlos – vielleicht erschien es den hedonistischen Römern schon bei ihrer Ankunft als unvermuteter Willkommensgruß, dass die Kelten hier bereits seit Jahrhunderten Wein anbauten.

Die Römerstraße beginnt in Gleisdorf, das über drei Jahrhunderte eine keltoromanische Großsiedlung mit sogar eigenem Amphitheater war. Folgt man den Spuren der Römer weiter nach Nordosten, gelangt man in die kleine Stadt Hartberg, über der sich der Ringkogel, das Wahrzeichen der Gegend, erhebt. Hier wurden bereits während der Jungsteinzeit Wälle errichtet, die wohl weniger der Verteidigung als kultischen Zwecken dienten. Vieles aus dem Leben der Kelten liegt heute immer noch im historischen Dunkel. So sehr sich Archäologen auch bemühen, die legendenumwobene Hauptstadt ihres Königreichs, Noreia, wurde bis heute nicht gefunden – sie ist das letzte große, noch zu lüftende Geheimnis der Frühgeschichte Österreichs. Wie anders waren da die Römer – in der Oststeiermark finden sich heute noch zahlreiche Zeugnisse ihrer Macht: Die deutlichste römische Besiedlungsspur liegt gleich in der Nähe von Hartberg – die Villa Rustica in Löffelbach. Sie war der Sitz eines römischen Gutsherrn, der hier eine 40 Meter lange Repräsentationshalle mit Apsis, großzügige Wohnräume sowie eine komfortable Badeanlage nach dem Vorbild einer prächtigen Kaiservilla errichten ließ. Spaziert man entlang der gut erhaltenen Grundmauern, erhält man einen lebhaften Eindruck, wie beschaulich es sich auf dem Lande in einer friedlichen, römischen Provinz wie der Oststeiermark leben ließ.

Mondän dürfte auch das Leben in Bad Waltersdorf gewesen sein. Davon zeugen nicht nur die sanft in die Landschaft eingebetteten Weinhänge, sondern auch zahlreiche Denkmäler römischer Bürger. So lässt etwa das berühmte marmorne Ehrensitzrelief, das sich heute im barocken Pfarrhof befindet, darauf schließen, dass die Umgebung Siedlungsgebiet höhergestellter Persönlichkeiten gewesen sein muss. Eine Sammlung weiterer bemerkenswerter Römersteine aus dem 1. und 2. Jahrhundert – darunter viele fein ziselierte Grabsteine – lässt sich in dem modern gestalteten Freilichtmuseum neben der Pfarrkirche besichtigen.

Heute ist Bad Waltersdorf eine Wellness-Oase – ganz im Sinne der römischen Badekultur. Wer sich zum Abschluss dieser Reise im warmen Thermalwasser der Heiltherme räkelt, kann schließlich am eigenen Leib erfahren, dass hier sinnliches Genießen seit Jahrtausenden Tradition hat.

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Die Steirische Blumenstraße

Wenn von Balkonen Meere von Geranien leuchten, Gärten gehegt und gepflegt und bei Festen Damen mit Blumen bekränzt werden – dann gehört das zu den vielen Selbstverständlichkeiten auf der Steirischen Blumenstraße.

Die Steirische Blumenstraße verbindet neun Dörfer in der Oststeiermark, die allesamt – teilweise bereits mehrfach – den steirischen Blumenschmuck- Wettbewerb gewonnen haben. Fünf dieser Orte haben gar schon den renommierten Preis „Entente Florale“ und damit die Auszeichnung des schönsten Blumendorfs Europas nach Hause geholt.

Der Landstrich, der diese blumige Welt beherbergt, heißt Joglland. Seinen Namen soll er übrigens Kaiserin Maria Theresia verdanken. Als sie im 18. Jahrhundert in ihrer Kutsche durch das oststeirische Hügelland reiste, soll ihr so gut wieder jeder Einheimische, der nach seinem Namen gefragt wurde, geantwortet haben: „I bin da Jogl“, worauf die Kaiserin ausgerufen haben soll: „Das ist ja das reinste Joglland!“

Jogl ist die steirische Kurzform für den Vornamen Jakob, der hier übrigens immer noch weit verbreitet ist. Und so nimmt es auch nicht wunder, dass eine Ortschaft St. Jakob im Walde heißt. Die Wahl zum „Schönsten Blumendorf Europas“ hat man hier zum Anlass genommen, im Europapark die Flaggen der EU-Mitgliedstaaten in blumiger Form darzustellen. Nicht weniger reizvoll sind die „natürlich“ wachsenden Blumen in der von Wäldern umgebenen sanft-welligen Hügellandschaft. Im Sommer entfaltet sich hier ein Meer von blühenden, duftenden Wiesen – etwa rund um das Dorf Wenigzell, dessen Ortsbild bereits viermal mit „blumigen Ehren“ ausgezeichnet wurde. Wie überall im Joglland lässt sich hier ein Aufenthalt ideal mit einem „Urlaub am Bauernhof“ verbinden – blumengeschmückt, versteht sich. In der Umgebung von Wenigzell kann man im 1. Barfußpark Österreichs die Natur mit den Füßen ertasten oder auf ausgeschilderten Nordic-Walking-Routen etwa den Lupinen-Trail erkunden. Eine weitere Strecke führt zu einem der beiden Hochmoore Wenigzells, wo unter anderem die einzige fleischfressende Pflanze Europas, der Sonnentau, gedeiht. Prädestiniert für Wanderungen ist auch das Almenland Teichalm-Sommeralm, welches das größte geschlossene Almengebiet Europas darstellt.

Eine weitere Attraktion der Blumenstraße ist die Ortschaft Pöllauberg. Rund um das Wahrzeichen des Ortes, der über dem oststeirischen Hügelland thronenden gotischen Wallfahrtskirche, breitet sich der Naturpark Pöllauer Tal aus. Auf leicht zugänglichen Rundwegen können Besucher Themen- und Erlebnisgärten erkunden, welche die Kultur und Landwirtschaft der Region auf unterschiedliche Weise widerspiegeln. Vom „Frommen Garten“ über den Kräutergarten bis zum Wein- und Schnapsgarten wird auf die verschiedenen traditionellen Kultivierungen eingegangen. Das Motto im Pöllauer Tal, „Wege zur Kraft“, also das Verhältnis zwischen Spiritualität und Natur, wird anhand von verschiedenen Stationen wie einem keltischen Baumhoroskop, „Kraftplätzen“ im Wald oder an einem Seerosenteich erlebbar. Ob es nun Magie ist oder auch nur ihre vielfältige Schönheit – Blumen entfalten eine wohltuende Wirkung auf die menschliche Seele.

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Die Apfelstraße in der Oststeiermark

Wie eine weiß-rosa „Schaumwolke“ überziehen die Blüten der Obstbäume im Frühjahr die rund 25 Kilometer lange „Apfelstraße“ in der Oststeiermark.

„Ein blühender, üppiger Obstgarten so weit das Auge reicht“, so schrieb der steirische Dichter Peter Rosegger, als er nach Puch bei Weiz kam. Für die Beschreibung seiner Wanderung hatte der Dichter vor mehr als hundert Jahren den treffenden Titel „Als ich ins Paradies ging“ gewählt. Und auch die Kelten, die hier vor mehr als 2000 Jahren lebten, mussten wohl ans Paradies denken – schließlich hieß in ihrer Sprache der Apfel „Aval“ und das himmlische Paradies „Avalon“ – also „Apfelland“.

Paradiesisch mutet die gesamte Landschaft zwischen Gleisdorf und Puch bei Weiz an. Hinter heimeligen Bauernhöfen schmiegen sich die Apfelbäume in die hügelige Landschaft. „Golden Delicious“, „Idared“, „Jonathan“, „Gala“, „Elstar“ und „Gloster“ heißen die Sorten, die hier angebaut werden. Im Frühling erblühen sie in zartrosa Farben, im Herbst leuchten sie hell von den Bäumen. Aber auch Birnen gibt es hier, aus denen Schnaps, meist aus der Sorte „Williams“, gebrannt wird. So mancher wird sich beim Kauf eines Birnenschnapses schon gefragt haben, wie denn eine ausgewachsene Birne in die Flasche mit dem engen Hals kommt. In Klettendorf an der Apfelstraße kann man beobachten, wie diese Spezialität hergestellt wird. Bald nach der Blüte, wenn sich die kleine Frucht zu entwickeln beginnt, werden die Flaschen über die Früchte gestülpt und mit einer komplizierten Vorrichtung so aufgehängt, dass sich die Birne in der Flasche entwickeln kann.

Und wo wir schon beim Schnaps sind, darf auch der oststeirische Apfelschnaps, der „Abakus“, nicht unerwähnt bleiben. Höchst geheimnisvoll brennen jedes Jahr 23 ausgewählte Männer in dunklen Mönchskutten nach einem uralten Ritual diesen Edelbrand. „Apfelmänner“ nennen sie sich und bezeichnen den „Abakus“ als höchste Vergeistigung des Apfels, denn jeder aus der auserwählten Runde muss der Entwicklung des Apfels im Jahreskreis der Natur huldigen – als Obstbauer. Wie genau die Erzeugung des „Abakus“ vor sich geht, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Bekannt ist nur, dass jedes Jahr genau 1.444 Flaschen mit dem „Abakus“ gefüllt und zum Preis von 104,44 Euro pro Stück verkauft werden.

Im selben Ort, in Puch bei Weiz, kann man im „Haus des Apfels“ alles über Ernte, Transport, Mythologie, Kunst und Brauchtum rund um den Apfel erfahren. Die rund 40 bäuerlichen Direktvermarkter, Gastronomiebetriebe und Mostschenken feiern jedes Jahr Ende April das „Apfelblütenfest“, bei dem unter den blühenden Bäumen zum Tanz aufgespielt wird. Und zur Zeit der Ernte stehen Erlebnisfahrten mit der Pferdekutsche oder einem Oldtimer-Traktor zu Obstbauern und Gaststätten auf dem Programm, wo diverse Apfelgerichte – von der Apfelschaumsuppe über Mostbraten bis zum Apfelstrudel – verkostet werden.

Im Übrigen heißt eine Apfelsorte hier „Arnold“, benannt nach dem Schauspieler und ehemaligem kalifornischen Gouverneur mit steirischen Wurzeln – ein Hinweis darauf, dass steter Genuss von Äpfeln groß und stark machen soll …

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Die Holzstraße in der Region Murau

In der waldreichen steirischen Region Murau hat Holz eine jahrhundertealte Tradition: als Bau-und Werkstoff, als Energielieferant, als Musikinstrument oder als Objekt der bildenden Kunst. Holz ist hier Wirtschaftsfaktor und Kulturträger zugleich. Die Holzstraße verbindet die zahlreichen historischen und modernen Holzobjekte der Region.

Holz ist den Murauern eine Herzenssache. So sehr, dass sie auch ihre eigene Sprache zu gewissen Dingen entwickelt haben. Ein Türöffner aus Holz heißt hier etwa „Föflaz“, ein Holzgefäß nennt sich „Frentn“, und ein Nudelholz wird schlicht als „Hoizdrum“ bezeichnet. Dennoch ist man als Besucher auf der Holzstraße nicht immer auf dem Holzweg: Auf rund 150 Kilometern werden anhand von mehr als 70 Objekten anschaulich die vielfältigen Aspekte beleuchtet, die mit dem Thema Holz zusammenhängen. Und das in der landschaftlich ausgesprochen einladenden Region rund um Murau.

Ein überdimensionaler Fuchsschwanz, als Symbol der Holzverarbeitung, weist in St. Ruprecht ob Murau den Weg zu einem Museum der besonderen Art: dem Holzmuseum. Ursprünglich ein Rinderstall, wird in dem seit 20 Jahren bestehenden Museum heute in oft ungewöhnlicher Art über den Rohstoff Holz und seine Verwendung in Vergangenheit und Gegenwart informiert. In weiteren Gebäuden, etwa dem „Forstturm“, dessen Architektur eine reizvolle Verbindung zwischen Holz und Glas eingegangen ist, erfahren Besucher alles über die Flora und Fauna des steirischen Waldes. Ein Erlebnis für die ganze Familie sind weitere Angebote des Holzmuseums wie Bastelworkshops, Holzspielplatz, Arboretum (ein Baumgarten mit über 70 Holzgewächsen) oder Sonderausstellungen, die sich ausschließlich der Lärche widmet.

Die Gemeinde Murau
Photo by Guenter Beyer

Apropos Lärche: Die größte freitragende Holzbrücke Europas steht im Bezirk Murau und besteht ausschließlich aus Lärchenholz. Auf einer Höhe von 25 Metern über der Mur verbindet sie auf 85 Metern Länge die Ortschaften St. Georgen und St. Lorenzen. Nicht weniger als 550 Kubikmeter des Kiefernholzes wurden für diese Brücke verarbeitet. Mit ihrer Tragfähigkeit von 60 Tonnen ist sie auch für den Schwerlastverkehr zugelassen und gilt als Meisterleistung des steirischen Holzbaues.

Auf eine andere Holzart sind die Murauer besonders stolz: die Zirbe. Diese kleinwachsende Kiefernart kommt vor allem auf Höhen zwischen 1.500 und 2.000 Metern Seehöhe vor. Auf ausgedehnten Wanderwegen in der noch ursprünglichen Bergwelt rund um Murau kann man diese seltene Baumart noch entdecken. Schließlich erstreckt sich zwischen Frauenalpe und der Turracher Höhe der größte geschlossene Zirbenwaldgürtel in Europa. Bei Möbeltischlern ist das wertvolle, weiche Zirbenholz vor allem wegen seiner lebhaften Zeichnung begehrt. Außerdem ist das rötlich-braune Holz ausgesprochen gesund. Laut einer Studie des Joanneum Research in Graz schläft man in einem Bett aus Zirbenholz besser und tiefer, da sich die Herzfrequenz um 3500 Schläge pro Nacht reduziert, das entspricht etwa einer Stunde „Herzarbeit“. Offensichtlich wussten die Steirer schon immer von dieser wohltuenden Wirkung, denn viele Gaststuben in der Region sind seit jeher mit Zirbenholz verkleidet – nur einer von vielen Beweisen, dass die Murauer in Sachen Holz anderen um Jahresringe voraus sind …

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Die Straße der Kaiser und Könige

Was wäre damit, einmal ein Land so zu bereisen, wie es früher Kaiser und Könige taten? Aber am besten ganz inkognito. Schließlich will man sich der Landschaft und ihren Menschen ganz ungezwungen nähern.

Die Straße der Kaiser und Könige ist eine internationale Themenstraße, die von Frankfurt am Main über Passau und Wien nach Budapest führt. Der alte Königsweg ist ein Stück europäischer Geschichte, der auf österreichischem Boden durch das Kernland der Donaumonarchie führt. Dabei durchquert er wichtige Kultur- und Herrschermetropolen mit barocken Schlössern, Klöstern und prachtvollen Residenzen, die die reiche Geschichte des Donautals geprägt haben.

Für eine Reise entlang der Donau sollte man sich Zeit lassen, dem Strom und seinem Rhythmus folgen, den Windungen und auch Hindernissen. Hinter Passau, in Vichtenstein, hatte man früher Floße hergestellt, die den schwierigen Transport auf der Donau ermöglichten. Von hier führt die Reise nach Engelhartszell, wo sich Österreichs einziges Trappistenkloster, Stift Engelszell, befindet. Wie viele Trappisten stellen die dort lebenden Mönche den Trappistenkäse, einen schmackhaften Weichkäse, her. Bekannt ist Engelszell außerdem für seinen ausgezeichneten Klosterlikör. Vorbei an der Schlögener Schlinge, in der sich die Donau um einen bewaldeten Felsrücken pittoresk um 180 Grad dreht, gelangt man über Eferding schließlich nach Linz, das den Besuchern vor allem viele kulturelle Höhepunkte bietet, allen voran das Aushängeschild für moderne bildende Kunst, das Lentos-Museum, das sich wie ein kubistischer Leuchtkörper entlang des Donauufers erstreckt.

Was die wenigsten wissen, ist, dass Linz im Mittelalter für einige Jahre Kaiserresidenz war. Es war die Zeit, in der Oberösterreich durch seine Salzvorkommen und das Eisenwesen zu Reichtum und Bedeutung gelangt war. Das reich ausgestattete Linzer Schloss, in dem Friedrich III. von 1489 bis 1493 residierte, legt noch heute Zeugnis darüber ab.

Auf ihren Reisen ins Reich nächtigten die Habsburger auch gerne im Augustiner Chorherrenstift St. Florian, wo sie sich nicht weniger als 16 Kaiserzimmer prunkvoll einrichten ließen. Nicht weniger königlich ist Enns, die älteste Stadt Österreichs, die vor allem durch ihren mittelalterlichen Stadtkern verzaubert. Schließlich erreicht die „Straße der Kaiser und Könige“ den mäandernden Strudengau und den engen Nibelungengau mit den sehenswerten Schlössern Luberegg und Artstetten. Es ist das „Land der Stifte und Wallfahrten“, zu dem auch die Wachau gehört, die ebenso wie ihr Wahrzeichen, das majestätische Benediktinerstift Melk, zum Unesco- Weltkulturerbe zählt. Kaum eine Landschaft in Österreich ist vielfältiger und hat derart zahlreiche bedeutende Kulturdenkmäler aufzuweisen: etwa die Burgruine Dürnstein, in der der englische König Richard Löwenherz im 12. Jahrhundert gefangen gehalten wurde. In Aggsbach, Spitz oder Weißkirchen lassen sich gemütliche Zwischenstopps einlegen – denn durch das milde pannonische Klima gedeiht hier hervorragender Wein, angelegt auf Rebterrassen, die die Landschaft über Jahrhunderte geformt haben.

All diese Wege sind übrigens auch gut per Rad erkundbar. Und wer es besonders ausdauernd liebt, kann auf dem bestens ausgebauten Donauradwegdie 365 Kilometer zwischen Passau und Bratislava durchgehend auf dem Drahtesel zurücklegen.

Nach einem Zwischenstopp in der Weinstadt Krems und der Messestadt Tulln geht es schließlich weiter nach Wien, dem Zentrum des Habsburgerreichs und der ehemaligen Donaumonarchie. Imperialer Glanz ist hier bei jedem Schritt spürbar, sei es auf der prächtigen Ringstraße, in den prunkvollen Palais oder auf dem Stephansplatz mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Stephansdom. Wenn man sich schließlich in den kaiserlichen Residenzen wie Schloss Schönbrunn oder der Hofburg wie zu Hause fühlt, dann hat die „Straße der Kaiser und Könige“ ihre Wirkung nicht verfehlt …

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Die Großglockner-Hochalpenstraße

Wer von Norden nach Süden reist, etwa von Deutschland nach Italien, tut gut daran, einmal die Autobahn zu verlassen und sich zu entschleunigen. Die Großglockner-Hochalpenstraße gibt dazu reichlich Gelegenheit–und belohnt Reisende mit unvergesslichen Einblicken in die Welt des Nationalparks Hohe Tauern.

Großglockner-Hochalpenstraße
Photo by M. Bertulat

Freilich, einige bleiben stehen, weil ihnen die vielen Serpentinen ein flaues Gefühl in der Magengrube verursacht haben. Doch die allermeisten lassen sich einfach überwältigen. Wenn etwa Wolkenschwaden in atemberaubender Geschwindigkeit vom Tal tausende Höhenmeter überwinden und sich in der mächtigen Gebirgskulisse verlieren, gibt es kaum jemanden, der nicht beeindruckt innehält. Eile mit Weile – dieses Motto sollte man bei einer Fahrt auf der Großglockner- Hochalpenstraße nie aus den Augen verlieren. Auf 48 km verbindet diese wohl berühmteste Alpenstraße die Bundesländer Salzburg und Kärnten. Egal, ob man von der Salzburger Seite, von Bruck im Salzachtal, oder von Heiligenblut im Kärntner Mölltal aus startet, die Überquerung des Alpenhauptkamms bietet auf beiden Seiten eine eindrucksvolle Fahrt quer durch alle Vegetationszonen. Blühende Almwiesen, duftende Bergwälder, mächtige Felsen und schließlich das ewige Eis gehören zu den ständigen Begleitern – ebenso wie der Großglockner, der mit 3798 m höchste Berg des Landes.

Nicht nur staunen und schauen, sondern auch lernen kann man auf dieser Straße. Zahlreiche Aussichtsplattformen, sechs Natur-Lehrpfade, Schaupulte und zwei Besucherzentren informieren die Reisenden über die einzigartige Fauna und Flora des Nationalparks Hohe Tauern. Der Höhepunkt der Fahrt ist im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Hochtor erreicht, dem mit 2504 Metern Seehöhe höchsten Punkt der Strecke. Hier wird man mit einem Panoramablick auf über 30 Dreitausender belohnt – wenn das Wetter mitspielt … Kaum vorstellbar, dass in diesen eisigen Höhen bereits vor 4000 Jahren Menschen die Alpen überquerten.

Auf der Franz-Josefs-Höhe, wo fast alle Reisenden eine längere Rast einlegen, hat man den besten Blick auf die Pasterze, den mit 9 km längsten Gletscher Österreichs. Wer hier ein helles Pfeifen hört, sollte nicht nur die Ohren spitzen, sondern auch die Augen öffnen. Denn Murmeltiere tummeln sich gerne am Gletscherrand. Und ein Blick durchs Fernglas lässt kletternde Zeitgenossen unterschiedlichster Art erkennen – einerseits Steinböcke, die akrobatisch über die steilsten Felsen springen, andererseits Alpinisten, die teils in Karawanen auf Österreichs höchsten Berg steigen. Wer dabei Lust auf Bewegung bekommen hat, kann auf leicht begehbaren Wegen selbst das Terrain erkunden. Der Gletscherweg, der zu Eisabbruch, Moräne und Gletscherzunge der Pasterze führt, ist eine einzigartige ökologische Entdeckungstour. Und auf dem Weg zur Edelweißspitze lassen sich mit etwas Glück seltene Greifvögel wie etwa Steinadler oder Bartgeier beobachten.

Wer auf der steilen Passstraße aber nicht nur sein Auto, sondern vor allem sich selbst herausfordern will, kann die Strecke auch mit dem Rad zurücklegen. Jeden ersten Sonntag im Juni wird hier unter ausdauernden Hobbyradlern der „Glocknerkönig“ gekrönt …

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Tipp: die Großglockner Hochalpenstraße und ihre Ausstellungen

Seit 2016 verfügt die Großglockner Hochalpenstraße über zwei weitere Ausstellungen: Die Ausstellung DIE HÖCHSTEN SALZBURGER, gliedert sich in zwei Teile und wurde inhaltlich von Karl Forcher, Georg Kandutsch und Clemens M. Hutter konzipiert und umgesetzt. Teil I: FASZINATION BERG im Haus Piffkar (1.620 m) hat die Entwicklung des Salzburger Alpinismus in zwei Jahrhunderten zum Inhalt. Teil II: BERGRIESEN beim Haus Alpine Naturschau / Wilfried-Haslauer-Haus (2.260 m) rückt das Wiesbachhorn als DEN höchsten Salzburger Berg (zur Gänze auf Salzburger Grund) und seine umliegenden Gipfel der Glocknergruppe in den Fokus.

„Faszination Berg“ – Entwicklung des Alpinismus im Haus Piffkar Fast zeitgleich mit der Eingliederung Salzburgs zu Österreich im Jahr 1816 begann auch die Geschichte des Salzburger Alpinismus: eingeleitet von Geistlichen, dann von Wissenschaftlern und Städtern und schließlich von alpinen Vereinen in touristische Bahnen gelenkt. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts glückte die Erstbesteigung der prominentesten Dreitausender in den Hohen Tauern Großvenediger (mit 3.666m der höchste Salzburger Gipfel, vor 175 Jahren erstbestiegen), Großes Wiesbachhorn (mit 3.564m der zweithöchste Gipfel des Landes und höchster Salzburger zur Gänze auf Salzburger Grund, wurde 1795 durch die Brüder Zorner aus Fusch erstbestiegen), Ankogel, Kitzsteinhorn, Hoher Tenn, Hoher Sonnblick und viele mehr. „Diese Pioniertaten stellten mangels entsprechender Ausrüstung, Landkarten, Wege und Markierungen höchste Anforderungen dar und bargen erhebliche Risiken. Die Ausstellung im ersten Obergeschoss des Haus Piffkar veranschaulicht sowohl diese Leistungen sowie die weiteren Entwicklungen des Alpinismus in Salzburg“, erläutert Dr. Karl Forcher. „Die Erschließung der heimischen Bergwelt war Bedingung für die touristische Entwicklung der Bergregionen. Sie wäre auch ohne die modernen Transportmittel wie Eisenbahn, Seilbahn und Auto nicht möglich gewesen.“ Letztendlich bot die alpinistische Pionierzeit im 19. Jahrhundert die Voraussetzung, damit sich der Tourismus als wirtschaftliches Rückgrat der alpinen Regionen entwickeln konnte.

„Bergriesen“ mit Ausblicken auf das „Salzburger Bergpanorama“ In unmittelbarer Umgebung des „Haus Alpine Naturschau“ (Wilfried-Haslauer-Haus, 2.260 m) eröffnet sich ein Blick auf das Große Wiesbachhorn. Für den zweiten Teil der Ausstellung „Bergriesen“ wurde hier ein Weg angelegt, der direkt zu einem rund drei Meter hohen und durch einen Sichtspalt geteilten Monolithen führt, der den Blick auf das Wiesbachhorn bündelt. Informationen mit Höhenvergleichen aus dem technischen Bereich sowie aus dem Naturbereich verdeutlichen dem Besucher den enormen Höhenunterschied. Zudem werden wichtige Gesteine der Hohen Tauern vorgestellt. Visiereinrichtungen für Erwachsene und Kinder auf die umliegenden, prominenten Gipfel ergänzen die Installation.

Der Eintritt für Besucher der Großglockner Hochalpenstraße ist frei.


Die Steierische Wasserstraße

In der Hochsteiermark, der nordöstlichsten Region der Steiermark, gibt es einen Schatz der Natur im Überfluss: Wasser.

Die Steirische Wasserstraße ist ein überregionales Projekt, das sich auf die Bezirke Bruck/Mur und Mürzzuschlag erstreckt. Der geologische Aufbau des auslaufenden Alpenhauptkammes mit den vier Gebirgszügen Hochschwab, Veitschalpe, Schneealpe und Rax macht dieses Gebiet zu einer der wasserreichsten Regionen Mitteleuropas – einer Landschaft, die von Bächen, Flüssen, Wasserfällen, Mühlen, Brunnen, Mooren, Seen und Teichen geprägt ist.

Möglichkeiten, die vielfältigen Facetten des Themas Wasser kennenzulernen, gibt es hier viele: zum Beispiel beim Betrachten der Hammerwerke und alten Hochöfen, die die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region widerspiegeln. Das Eisenwesen in der Region wurde ja erst durch die Nutzung des Wassers ermöglicht. Freilich gibt es noch viel direktere Wege, um dem flüssigen Element näherzukommen: etwa bei einer Tour mit dem Raftingboot oder Kajak auf der reißenden Salza, oder einfach beim Baden im ruhigen Gewässer wie dem paradiesischen Erlaufsee in der Umgebung von Mariazell.

Für Wanderer eröffnen die vielen markierten Wege rund um den Gebirgsstock des Hochschwabs ein weites Erkundungsgebiet in Sachen Wasser. Auf dem Weg zum Ursprung der Quellen, die ganz Wien und halb Graz mit Wasser versorgen, kommt man an glasklaren Seen wie dem Grünen See oder dem Sackwiesensee vorbei, die von dem glasklaren Quellwasser gespeist werden. Trinkwasser sollte ein Wanderer auf dem karstigen Höhenrücken des Hochschwabs übrigens immer ausreichend im Rucksack mitführen. Der mit Anstrengung zu erklimmende Gipfel belohnt dafür mit überwältigenden Ausblicken vom Dachstein bis ins steirisch-slowenische Hügelland.

Blick auf den Dachstein
Photo by Vendin

Wer die Ruhe liebt, und dazu noch Forellen, Äschen und Saiblinge, dem stehen zahlreiche Fischereireviere zur Verfügung. Die vielen mäandernden Bachläufe sind prädestiniert dafür, die Kunst des Fliegenfischens zu lernen, also jener Anglertechnik, bei der mit einer „gefälschten“ Fliege der Fisch überlistet werden soll. Flüsse wie die Salza zählen zu den internationalen Top-Fischereigewässern, und so manche Gäste sprechen von deren Uferlandschaften als dem „steirischen Kanada“.

Dass man sich beim Angeln kalte Füße holt, verhindern schon einmal die Watstiefel, es gibt aber auch Menschen, die ganz bewusst barfuß durchs eiskalte Gebirgswasser laufen. Sie sind vor allem in Aflenzanzutreffen, wo die Wasserkuren von Sebastian Kneipp auf besonders fruchtbaren Boden fielen. Sei es im Gesundheits- und Kneippzentrum oder auf dem Kneipp-Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Pfad mit seinen Möglichkeiten für Armgüsse und zum Wassertreten – der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser ist hier alles andere als ungesund …

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Die steirisch- burgenländische Schlösserstraße

Ritter, Hexen, Zauberer, Legenden, Sagen und längst erloschene Vulkane – das sind die Zutaten der 18 Burgen und Schlösser auf der steirisch- burgenländischen Schlösserstraße.

Der Südosten Österreichs gehört zu den burgen- und schlösserreichsten Regionen der Erde. Am Rande des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gelegen, entstand hier im Mittelalter eine dichte Reihe von Burgen, die als Schutzwall gegen wilde Reitervölker aus dem Osten und das sich ausbreitende Osmanische Reich dienten.

Die meisten Festungen hier können sich damit rühmen, nie in Feindeshand gefallen zu sein. Darunter die 850 Jahre alte Riegersburg. Auf einem 482 Meter hohen Vulkankegel inmitten der Oststeiermark gelegen, müsste man diese Burg schon erfinden, würde sie nicht in realita existieren. Erscheint sie doch angesichts ihrer Lage hoch über den oft nebelverhangenen Feldern wie ein Traumgebilde aus dem „Herr der Ringe“. Lange Zeit galt sie als „stärkste Festung der Christenheit“. Heute lässt sich die einst uneinnehmbare Riegersburg über einen Schrägaufzug leicht „erobern“. Und weil sie immer noch Mystik umweht, gibt es zur Walpurgisnacht und an lauschigen, sommerlichen Vollmondnächten Darbietungen, in deren Mittelpunkt das Werk von Hexen und Zauberern steht.

Reist man durch das steirische Thermenland weiter nach Norden, „stolpert“ man über weitere historische Bauwerke, etwa die Schlösser Herberstein, Schieleiten oder Hartberg. Unversehens ist man in jenem Bundesland gelandet, dessen Name bereits sein Motto ist: das Burgenland. Inmitten des Naturparks Geschriebenstein, einer der abgeschiedensten Gegenden Mitteleuropas, liegt die 1000 Jahre alte Burg Bernstein. Hier wurden Teile des Films „Der englische Patient“ gedreht. Schließlich hatte der Held des Films, Ladislaus Almásy, hier gelebt. Seine Familie übernahm 1892 das auf einem Felsblock über der pannonischen Tiefebene liegende Schloss von den ungarischen Grafen Batthyány, die hier jahrhundertelang residiert hatten. Wer im Schlosshotel übernachtet, kann nicht nur die authentische Burgatmosphäre genießen, sondern auch mehr über die arabischen Schriftzeichen erfahren, die der reisefreudige „englische Patient“ hier im Gemäuer hinterlassen hat.

Nicht weit davon entfernt befindet sich die letzte echte Ritterburg Österreichs – Burg Lockenhaus. Sehenswert ist der Rittersaal, eine zweischiffige Halle mit Kreuzrippengewölbe und die Burgkapelle mit mittelalterlichen Fresken. Wie es sich für eine Ritterburg gehört, kann auch Lockenhaus mit einer Reihe schauriger Geschichten aufwarten. Die grausamste ist wohl jene der Burgherrin Elisabeth Báthory (1560–1614), die die unangenehme Eigenheit gehabt haben soll, junge Mädchen angelockt und danach sadistisch gefoltert und umgebracht zu haben. Da sie sich aus dem Blut von Jungfrauen ewige Schönheit versprach, bekam sie den Beinamen „Blutgräfin“.

Burg Lockenhaus
Photo by giborn_134

Heute geht es in Lockenhaus friedlicher zu. Im Sommer sind beim Kammermusikfest hochrangige Musiker aus aller Welt zu Gast, um unter der Leitung von Nicolas Altstaedt Klassisches und Modernes zum Besten zu geben. Was tatsächlich gespielt wird, ist ein wohl gehütetes Geheimnis, denn das Programm der Konzerte wird jeweils erst am Vortag bekanntgegeben. Nur eine der vielen Überraschungen, die die Schlösserstraße zu bieten hat …

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Die Burgenländischen Weinstraßen

Gleich vier Weinstraßen führen durch das Burgenland. Man kann sie eigentlich gar nicht verfehlen, denn es gibt kaum ein Fleckchen in dem kleinen Bundesland, wo der feine Rebensaft nicht gedeiht.

Das Burgenland ist die wichtigste Weinregion Österreichs. Die Weinstraßen im Mittelburgenland, im Südburgenland sowie Neusiedler See und Neusiedler See- Hügelland decken rund 15.000 Hektar Weinanbaugebiet ab. Hervorragende Böden, das heiße pannonische Klima sowie der Neusiedler See als Wärmespeicher und Regulator der Luftfeuchtigkeit bieten den Reben hier geradezu ideale Bedingungen.

Auf der Weinstraße im Mittelburgenland zwischen Ödenburger Gebirge, Buckliger Welt und Günser Bergen dominiert der Blaufränkische, ein besonders kraftvoller, erdiger Rotwein. Die Region rund um die Ortschaften Neckenmarkt, Horitschon und Deutschkreutz wird daher auch Blaufränkischland genannt. Wer diesem Rotwein näher kommen will, kann sich in Horitschon auf den anderthalb Kilometer langen Rotweinpfad begeben und die jahrhundertealten Weingärten durchstreifen. Ein Rotweinpfad der etwas anderen Art führt durch die Weinkeller, die die Winzer ihren Gästen gerne öffnen, um über den Wein zu fachsimpeln und diesen natürlich auch zu verkosten. In den letzten Jahren setzten hier einige neue Kellerbauten auch ausgefallene architektonische Akzente. Eine Liste der mittelburgenländischen Weinbauern liest sich wie das Who’s who der anerkanntesten Winzer des Landes: Lehrner, Kerschbaum, Weninger, Wellanschitz, Bayer, Heinrich, Gager, Gesellmann, Igler – sie alle haben mit ihren Weinen international und national schon viele Preise errungen. Dicht gesät sind im Mittelburgenland nicht nur Spitzenwinzer, sondern auch Schlösser und Burgen. Von der weithin sichtbaren Burg Forchtenstein bis zum Renaissanceschloss Lackenbach begegnet man Festungsanlagen an allen Ecken und Enden bzw. auf so mancher Anhöhe. In der Nähe von Oberpullendorf – auch hier ein Schloss – weisen an der Ortseinfahrt von Stoob ziegelrote Tonkrüge darauf hin, dass hier die Heimat des „Plutzers“, des typischen burgenländischen Tonkruges, ist. In der Stoober Keramikfachschule, der einzigen ihrer Art in Österreich, können Gäste auch ihre eigenen Weinkrüge töpfern.

Rund um den Neusiedler See liegt das größte Weinanbaugebiet des Burgenlands. Unter den vielen grandiosen Rotweinen, die auf den steinigen Sand-Lehmböden gedeihen, dominiert der Blaue Zweigelt. Aber auch gehaltvolle Weißweine werden hier, vor allem in der Umgebung von Parndorf, gekeltert.

Die entlang dem Ostufer des Steppensees führende Weinstraße Neusiedler See führt bis in den Seewinkel, dessen Salzsteppe eine außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt beherbergt. Die weit verbreiteten Ziehbrunnen und schilfgedeckten Bauernhäuser sind typisch für diese „Puszta“-Landschaft. Im Dreieck Podersdorf–Illmitz–Apetlon begünstigen das Mikroklima und die sandigen Böden die Süßweinproduktion. Die hohe Zuckergradation der Trauben führt nach der langen Vergärung zu einem goldgelben, honigsüßen Nektar mit feinem Rosinen-Aroma. Diese Hochprädikatsweine haben ihren entsprechenden Preis, stellen sie doch auf dem Weinmarkt eine heißbegehrte Ausnahmeerscheinung dar.

Die Weinstraße Neusiedler See-Hügelland verläuft westlich des Sees. Entlang dem Leithagebirge finden sich mineralische Weißweine der Sorten Pinot Blanc, Chardonnay und Welschriesling. Die Rotweine werden wiederum vom Blaufränkischen beherrscht. Rust am Südwestufer nimmt eine Sonderstellung ein, denn mit dem „Ruster Ausbruch“ wird auch hier ein edelsüßer Weißwein erzeugt. Die kleine Barockstadt ist auch Sitz der Österreichischen Weinakademie, die Weinseminare und Verkostungen anbietet. Wer auf dieser Weinstraße Weinkultur mit Musik in ansprechender Atmosphäre verbinden will, dem bieten die Haydntage in Eisenstadt, das Operettenfestival in Mörbisch und die Opernaufführen im Steinbruch St. Margarethen dazu reichlich Gelegenheit.

Das Südburgenland stellt das kleinste Weinbaugebiet des Burgenlands dar. Besonders sehenswert ist die Stadt Güssing mit ihrer eindrucksvollen, auf einem Vulkankegel erbauten Burg. Eine Besonderheit ist hier der Uhudler. Dies ist kein Jodler, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern ein gekelterter Wein, der aus Trauben der nicht besonders häufigen Amerikanerreben abstammt. Das hellrote Getränk erinnert geschmacklich an Erdbeeren oder Ribiseln, manche bezeichnen den Uhudler etwas abfällig als „Heckenklescher” oder „Rabiatperle“, andere schwören wiederum auf seinen einzigartigen fruchtig-beerigen Geschmack. Ausgeschenkt wird er in praktisch allen Buschenschenken in dieser sanft-hügeligen Gegend. Woher der Name Uhudler kommt, weiß niemand recht zu sagen. Eine Theorie besagt, dass nach übermäßigem Genuss der Blick des Trinkers dem eines Uhus gleichen soll … Sicher ist nur eines – die vielen Kuriosa aus seiner wechselvollen Geschichte haben aus dem Uhudler vor allem eines gemacht: Kult.

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Die Moststraße zwischen Ybbs und Enns

Farbenprächtig blühende Obstbäume, sanfte Hügel, bunte Äcker und vor allem ein bernsteinfarbiger Saft, der der Region ihren Namen gab, sind die Ingredienzien des Mostviertels, einer der abwechslungsreichsten Kulturlandschaften Österreichs.

Der Most – anderswo wird er aus Äpfeln hergestellt, hier im Mostviertel sind es Birnen, die dem Most seine eigene Fruchtigkeit und Eleganz verleihen. Auf der 200 km langen Moststraße zwischen den Flüssen Ybbs und Enns hat man viele Gelegenheiten, das bekömmliche Getränk, auf das bereits die Kelten schwörten, näher kennenzulernen. 29 Moststraßenwirtshäuser, 21 Moststraßenheurige und 24 bäuerliche Ab-Hof-Betriebe liegen direkt am Weg. Aber Birne ist nicht gleich Birne: Was darf’s denn sein? Speckbirne oder Pichlbirne, Dorschbirne oder Stieglbirne, Knollbirne oder Rosenhofbirne? Um herauszufinden, welcher Birnenmost am besten schmeckt, gibt es nur eine Methode: probieren, probieren und noch einmal probieren. Beim Verkosten geben die Bauern gern darüber Auskunft, wie denn der Most in die Flasche kam. Die ausschließlich handverlesenen Birnen, die weder gespritzt noch gedüngt werden, werden nämlich von manchen Herstellern noch mit alten Geräten wie der „Birnreiben“ zerkleinert und händisch gepresst, bevor der Most in den hofeigenen Kellern sechs bis acht Wochen zur Gärung lagert. Der Alkoholgehalt des Mosts liegt dann zwischen vier und acht Volumsprozent. Das spritzig-fruchtige Getränk ist nicht nur erfrischend, sondern obendrein gesund. Reich an Vitamin C, Kalium, Calzium und Magnesium ist Most bestens dazu geeignet, Ernährungsfehler auszugleichen.

Wer noch mehr für die Gesundheit tun will, kann die zahlreichen Themenwanderwege und Lehrpfade an der Moststraße zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Vor allem die verträumten Panoramastrecken zwischen Behamberg und Kürnberg (Kaiserin-Elisabeth-Warte), zwischen Ertl und Seitenstetten (Voralpenblick) sowie zwischen Neuhofen und Euratsfeld geben einmalige Ausblicke auf die einzigartige Hügellandschaft mit ihren verstreuten Weilern und den typischen Vierkanthöfen frei. Am schönsten ist es hier im Frühling, wenn die blühenden Obstbäume ihre ganze Pracht entfalten.

Stift Seitenstetten,
Photo by korom

Entlang der Moststraße kommen aber auch die kulturellen Vorlieben nicht zu kurz. Im Herzen des Mostviertels liegt das bereits seit dem Jahr 1112 bestehende Stift Seitenstetten, das mit seiner gotischen Stiftskirche, der romanischen Ritterkapelle und den barocken Stiftsgebäuden ein einzigartiges architektonisches Ensemble darstellt. Weit sichtbar ragt das Benediktinerstift aus der wellig-sanften Hügellandschaft heraus – nicht umsonst wird es im Volksmund der „Vierkanter Gottes“ genannt.

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Die oberösterreichische Eisenstraße

Rund um den Nationalpark Kalkalpen verläuft die oberösterreichische Eisenstraße, deren Wurzeln viele Jahrhunderte zurückreichen. Vier wesentliche Elemente-Holz, Wasser, Feuer und vor allem Eisen-haben dabei die Region bis heute entscheidend geprägt.

Jahrhundertelang war das Schlagen der Hämmer in den Tälern der oberösterreichischen Eisenwurzen das bestimmende Geräusch. Den Ton gab dabei der steirische Erzberg an. Das aus ihm gewonnene Eisenerz brachte entlang der Transportwege eine rege Handwerks- und Handelstätigkeit hervor. Der Handel mit den hier geschmiedeten hochwertigen Waffen, Sensen und Werkzeuge reichte bis in den arabischen Raum.

Der Weg der oberösterreichischen Eisenstraßeist abwechslungsreich, führt er doch durch felsiges Gebirgsland und sanfte Flusstäler, aber auch durch historische Orte wie Enns, der ältesten Stadt Österreichs, oder in die mittelalterliche Altstadt von Steyr, die im 15. Jahrhundert neben Wien die wohlhabendste und vornehmste Stadt Österreichs war. Ihren Reichtum verdankte sie ihrer hochwertigen Messer- und Klingenproduktion. Später kamen Schusswaffen als bestimmender Wirtschaftszweig dazu. Dass entlang der Eisenstraße nicht nur Waffen erzeugt, sondern auch fleißig benutzt wurden, beweist übrigens das in Europa einzigartige Wilderermuseum in St. Pankraz, das Legenden und so manches Jagdabenteuer mitunter in blutiges Licht rückt.

Einige traditionelle eisenverarbeitenden Betriebe gibt es auch heute noch: etwa die Löschenkohls in Ternberg, die wie vor 500 Jahren mit aus Wasserkraft angetriebenen Hämmern sogenannte Taschenfeitel erzeugen. Oder die Nagelschmiede in Losenstein, die heute zwar nur mehr ein Museum ist, wo Besucher aber immer noch am Amboss ihre eigenen Nägel schmieden können.

Dass Eisen auch gut klingen kann, erfährt man in der kleinen Stadt Molln. Hier werden Maultrommeln hergestellt. In Schaubetrieben wie der Manufaktur Wimmer-Bades oder in der Firma Jofes wird nach wie vor ausschließlich von Hand gefertigt. Von der Schmiedearbeit bis zur peniblen, millimetergenauen Feilarbeit, die die Qualität des Instruments maßgeblich beeinflusst, können Besucher alle Arbeitsschritte nachvollziehen.

In Molln befindet sich auch das Zentrum des Nationalparks Kalkalpen und damit der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen durch das waldreiche Gebiet rund um das Sengsengebirge. Mitten im Nationalpark befindet sich das alte Knappenhaus Unterlaussa, das den Arbeitern des Bauxitbergwerks als Unterkunft diente. Heute beherbergt es ein interessantes Bergbaumuseum. Als größtes Waldschutzgebiet Österreichs, rühmt sich der Nationalpark für seine „Wildnistoleranz“. Mit Nationalpark-Rangern kann man sich auf die Spuren von Gämsen und Rotwild begeben oder den lange Zeit in unseren Breiten als ausgerottet gegoltenen Luchs beobachten. Doch nicht nur die scheue Wildkatze, auch seltene Vogelarten haben hier ihre Heimat gefunden hat. Wenn etwa der seltene Dreizehenspecht während der Balz wie wild auf die Baumstämme eintrommelt, dann bekommt der Begriff „Land der Hämmer“ eine ganz neue Bedeutung …

Eine Besonderheit der Region ist es, dass trotz der frühen Industrialisierung die Natur erhalten werden konnte. Die Eisenstraße ist eines der waldreichsten Gebiete Österreichs, und sie beherbergt noch einen weiteren Schatz: reines, klares Wasser! Unberührte Bäche, mächtige Wasserfälle und glasklare Seen fügen sich pittoresk in das Kalksteingebirge von Eisenerzer Alpen und Hochschwab. Am tiefgrünen Wasser des Leopoldsteiner Sees verbrachte schon Erzherzog Johann, der der Eisenindustrie im 19. Jahrhundert zu ihrer größten Blüte verhalf, viele Stunden. Heute lässt sich rund um den See die Region auf attraktiven Wanderwegen erkunden. Je weiter man Richtung Gesäuse vordringt, umso bizarrer wird die Landschaft, umso enger die Schluchten. Das steil abfließende Wasser wird in Wildalpen über die Zweite Wiener Hochquellenwasserleitung in die Bundeshauptstadt befördert – täglich 2,2 Millionen Liter! Für Freunde des kühlen Nass ist die tosende Salza das Wildwassereldorado schlechthin. Dort, wo früher die Holzbestände über Flöße den Fluss hinunterbefördert wurden, tummeln sich heute Kajak- und Raftingsportler. Und besonders Wissenshungrige können beim Eco- Rafting mehr über die geologische Geschichte des Naturparks Eisenwurzen erfahren. Und die ist nun doch schon etwas älter als das Zeitalter des Eisenabbaus: nämlich rund 250 Millionen Jahre.

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Die Romantikstraße zwischen Salzburg und Wien

380 Kilometer durch die schönsten Landschaften und Orte Österreichs: Die Romantikstraße zwischen Salzburg und Wien bietet malerisches Reisen mit Kultur und Genuss.

Romantik mag ein etwas verschwommener Begriff sein, und dennoch verbindet jeder gewisse Bilder damit: Berge im Sonnenuntergang, Lichter, die sich in einem nächtlich-glatten See spiegeln, die schmalen Gassen einer historischen Altstadt, ein Schloss oder eine Ritterburg, das Feuer im Kamin eines Restaurants, eine blühende Sommerwiese … All das und noch viel mehr lässt sich in Hülle und Fülle rund um eine gut beschilderte Straße finden, die von Salzburg nach Wien (oder umgekehrt) führt. Eine eigens erstellte Straßenkarte beschreibt detailliert die gesamte Strecke und präsentiert die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Salzburg ist trotz seiner 150.000 Einwohner eine überschaubare und durchaus romantische Stadt geblieben. Von Bergen umringt und von einer mittelalterlichen Festung behütet, strahlt die Altstadt immer noch jenes Flair aus, das sie im Jahr 1756 gehabt haben muss, als hier Wolfgang Amadeus Mozart geboren wurde. Gediegene Hotels und edle Restaurants und Gasthäuser gehören genauso zu Salzburg wie die Kultur – nicht nur zur Zeit der weltbekannten Salzburger Festspiele im Sommer. Zahlreiche Museen, das Landestheater oder das Mozarteum sorgen das ganze Jahr über für ein reiches kulturelles Angebot, und dann gibt es ja auch noch die Mozartwoche im Januar, die Osterfestspiele und Pfingstkonzerte, die „Szene Salzburg“, die Kulturtage im Herbst, das Adventsingen oder die Schlosskonzerte. Man kann aber auch einfach am Kai der Salzach entlang schlendern, dem Fluss beim Fließen und den Möwen beim Fliegen zusehen.

Mondsee
Photo by Hardo

Die Strecke zwischen Salzburg und Gmunden führt zunächst an den Mondsee, den wärmsten See des Salzkammerguts. Im Pfahlbaumuseum lässt sich nachvollziehen, dass schon vor tausenden Jahren die Menschen die wunderschönen Plätze am Ufer des Sees schätzten. Über den Wolfgangsee, wo sich eine Schifffahrt von St. Gilgen nach St. Wolfgang („Weißes Rössl!“) anbietet, führt die Romantikstraße weiter nach Bad Ischl, dem kulturellen und geographische Zentrum des Salzkammergutes. Das älteste Solebad Österreichs verfügt zwar heute über eine hochmoderne Wellness-Therme, die keine Wünsche offen lässt – und doch, wenn man in den altehrwürdigen Räumen der Kurkonditorei Zauner sitzt, rechnet man fast damit, dass Kaiser Franz Joseph kurz vorbeischaut. Wenige Kilometer von Bad Ischl entfernt liegt der Hallstätter See dunkel und geheimnisvoll zu Füßen des Dachsteingletschers. Hallstatt gehört zum UNESCO- Weltkulturerbe, gab einer eigenen Epoche den Namen und beeindruckt mit den noch heute sichtbaren Spuren seiner 7000jährigen Geschichte. Das älteste Salzbergwerk der Welt gehört neben den gigantischen Höhlen (Eishöhle, Mammuthöhle, Koppenbrüllerhöhle) zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Österreichs.

Lieblicher und offener zeigt sich die Landschaft auf einem weiteren „Abstecher“ der Romantikstraße, der ins steirische Salzkammergut nach Bad Aussee führt. Grundlsee, Altausseer See, Toplitz- und Kammersee, das alljährliche Narzissenfest und nicht zuletzt die unaufdringliche Omnipräsenz authentischer Tracht zeichnen das Ausseerland ebenso aus wie der Reichtum an traditionellem Handwerk (Hutmacher, Lederhosenerzeuger, Lebzelterei …) und die Spuren der zahlreichen Künstler und Literaten, die ihre Sommerfrische hier verbrachten und deren Spuren man entlang der „Via Artis“ erforschen kann.

Die Romantikstraße führt weiter nach Traunkirchen, einem kleinen Ort, der auf einer Halbinsel im Traunsee liegt. Sehenswert sind die unzähligen, auf der berühmten Fischerkanzel der barocken Pfarrkirche verewigten Fische, essenswert die gebratenen Saiblinge und Reinanken aus dem Traunsee, die in den Gasthäusern des Ortes serviert werden. Eine Besonderheit des Ortes stellt die Fronleichnamsprozession dar, die seit 1632 auf Zillen, Booten und Schiffen direkt auf dem See stattfindet.

Bereits in Sichtweite von Traunkirchen liegt die Bezirkshauptstadt Gmunden, seit jeher politisches Zentrum des Salzkammerguts. Die Stadt mit dem mediterranen Flair und dem Hauptplatz direkt am Wasser macht es noch heute verständlich, warum die Römer den Traunsee „Lacus Felix“, glücklicher See, nannten. Romantisch sind nicht nur die Plätze der Altstadt und der Blick auf den imposanten Traunstein, sondern auch das Flaggschiff der Traunseeschiffahrt: Die „Gisela“ gilt als ältester kohlenbefeuerter Raddampfer der Welt, und eine Fahrt mit der ehrwürdigen Dame wird von Eleganz ebenso umweht wie von einem Hauch des Abenteuers. Als mutiger werden freilich oft jene romantischen Paare bezeichnet, die sich am Standesamt des Seeschlosses Ort das Ja-Wort geben.

Am Weg von Gmunden nach Steyr macht die Romantikstraße einen unbedingt empfehlenswerten Abstecher in das Almtal. Von Scharnstein, wo einst die Hämmer der Sensenschmiede dröhnten, führt der Weg über den Grünau in den Talschluss. Umgeben von den zerklüfteten Gipfeln des Toten Gebirges liegt der Almsee mit seinem glasklaren und forellenreichen Wasser. Hier erforschte einst der Nobelpreisträger Konrad Lorenz das Verhalten der Graugänse, die im Cumberland- Wildpark nebst 70 anderen Tierarten noch heute beobachtet werden können. Das Romantik-Hotel in Grünau mit seinem authentischen und noblen Charme bildet einen hervorragenden Abschluss des Almtal-Ausflugs, zumal die haubengekrönte Küche zu den besten des Landes Oberösterreich zählt.

Nach einem Tag in der Natur bietet sich eine Besichtigung des Stiftes Kremsmünster an, im Jahr 777 vom Bayernherzog Tassilo gegründet. Besonders sehenswert: Die Sternwarte, das älteste Hochhaus Europas, sowie der barocke Fischbehälter mit Prachtexemplaren von Karpfen, Stören, Hechten und Forellen. Die über tausend Jahre alte Romantikstadt Steyr am Zusammenfluss von Enns und Steyr verfügt über einen der schönsten Stadtplätze Europas. In Steyr vereinen sich die gotischen und barocken Prachtbauten des reichen Bürgertums harmonisch mit dem Charme revitalisierter Industriebauten aus dem 19. Jahrhundert, in denen heute Museen und Kulturveranstaltungen das Publikum anziehen.

Der Weg von Steyr nach Grein führt an der ältesten Stadt Österreichs, Enns, vorbei. Kaum zu glauben, dass das Städtchen im römischen Reich um vieles bedeutender war als das nahe gelegene Linz. Im wenige Kilometer entfernten Barockstift St. Florian spielte einst Anton Bruckner an der Orgel. Nun führt die Romantikstraße an die Donau, in das Barockstädtchen Grein. Und auch, wenn Grein insgesamt das prädikat „sehenswert“ verdient, das historische Rokoko- Stadttheater sollte unbedingt auf dem Besichtigungsplan stehen: Hier gibt es Kuriositäten wie erhaltene Sperrsitze, ein Klosett, das nur durch einen Vorhang vom Zuschauerraum getrennt ist oder ein Gefängnis, aus dem die Häftlinge die Vorstellungen sehen konnten.

Durch das Donautal geht es weiter Richtung Wachau. Am Weg liegt der Wallfahrtsort Maria Taferl. Neben der nach Plänen von Georg Gerstenbrand, Carlo Lurago und Jakob Prandtauer erbauten Kirche liegt ein steinerner Sockel, der „Opferstein“, der vermutlich schon in der Keltenzeit als heidnischer Kultplatz diente.

Romantisch führt die Straße durch den Strudengau und den Nibelungengau zum Schloss Schallaburg bei Melk, einem der seltenen Renaissanceschlösser nördlich der Alpen, dessen Herz ein zweigeschossiger Terrakotta-Arkadenhof bildet. Zwei weitere architektonische Schätze rahmen die Wachau ein: Die Benediktinerstifte Melk und Göttweig, die als kulturelle und spirituelle Zentren Ansehen genießen. Dass es Kultur in der Wachau auch schon vor 25.000 Jahren gab, beweist Österreichs bekanntestes archäologisches Fundstück, die Venus von Willendorf – die Statuette einer rundum zufrieden wirkenden, üppigen Frau. Kein Wunder, gedeihen doch in diesem Abschnitt des Donautals Marillen und Wein, wobei das spezielle Mikroklima auch von Menschenhand geschaffen wurde: Stein für Stein wurden kunstvolle Mauern und Terrassen geschlichtet. So war es möglich, auf den Steilhängen Landwirtschaft zu betreiben. Das sieht nicht nur schön aus, es bringt auch weltbekannte Weine wie etwa die Rieslinge und Veltliner von F.X. Pichler hervor.

Über Tulln, wo es unter anderem einen spätomanischen Karner zu sehen gibt, und Klosterneuburg mit seinem Augustiner-Chorherrenstift führt die Romantikstraße weiter in die Bundeshauptstadt Wien. Und Wien ist an romantischen Plätzen auch nicht gerade arm – aber das ist eine andere Geschichte.

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Q: öw


1 thought on “Österreichs schönste Themenstraßen”

  1. Hallo und vielen Dank für den umfangreichen Artikel. Das Aquarellness in Puch bei Weiz kann ich guten Gewissens empfehlen. Die Apfelstraße in der Oststeiermark natürlich auch sehr schön.

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