Wien – der Online-Reiseführer

Restaurant des Do & Co am Stephansplatz © WienTourismus/Peter Rigaud

Empfehlenswerte Museen

Kunsthistorisches Museum

 „Der Turmbau zu Babel“ von Pieter Bruegel dem Älteren ist wohl das berühmteste Gemälde des Kunsthistorischen Museums, und es ist gleichsam eine Metapher für das Haus selbst. Denn die Bestände des KHM scheinen unerschöpflich zu sein.

Kunsthistorisches Museum Wien

Kunsthistorisches Museum Wien – Halle. © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler

Mit seiner Gemäldegalerie mit Werken von Raffael, Rubens, Rembrandt, Vermeer sowie der weltgrößten Bruegel-Sammlung zählt das „Kunsthistorische“ zu den bedeutendsten Museen der Welt. Ebenso unvergleichlich ist auch die Kunstkammer des KHM – quasi ein „Museum im Museum“: In 20 thematisch gestalteten Räumen öffnet sich eine Wunderwelt mit Preziosen vom späten Mittelalter bis zur Barockzeit, die die Kaiser und Fürsten des Hauses Habsburg sammelten: darunter auch eines der wertvollsten Objekte des Museums, das goldene Salzfass von Benvenuto Cellini, kurz Saliera genannt. Keinesfalls versäumen sollte man die zum KHM gehörende Kaiserliche Schatzkammer – in den zehn Minuten, in denen man vom Museum zur Schatzkammer spaziert, wird man angesichts von Hofburg und Heldenplatz schon auf die imperiale Pracht der Habsburger eingestimmt: In der Ausstellung sind dann nicht nur die prächtigen Gewänder der Kaiser, sondern auch die legendäre Reichskrone sowie die mit zahlreichen Diamanten, Rubinen und Smaragden besetzte österreichische Kaiserkrone zu sehen. Es soll ja Menschen geben, die ausschließlich für die Sammlungen des KHM nach Wien kommen – und dann einige Tage im Museum zubringen. Man sollte also für dieses Flaggschiff der österreichischen Kultur etwas Zeit mitbringen, denn wie gesagt – seine Ressourcen sind unerschöpflich.

www.khm.at


Heeresgeschichtliches Museum

„Kriege gehören ins Museum“ – das ist das Motto des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, das in eine Zeit zurückführt, als die Donaumonarchie auch auf militärischem Gebiet noch eine Großmacht war.

Arsenal in Wien / Heeresgeschichtliches Museum

Arsenal in Wien / Heeresgeschichtliches Museum. © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler

Schon in seiner Architektur, entstanden unter Kaiser Franz Joseph, schien man ehemaligen Kriegsgegnern und Verbündeten eine Reverenz erweisen zu wollen: vereinigen sich hier doch orientalische und venezianische Elemente in spielerisch-prunkvoller Art und Weise. Die Schauräume des Museums führen schließlich durch die österreichische Militärgeschichte, beginnend mit dem Dreißigjährigen Krieg, über die Türkenkriege, die napoleonischen Kriege bis zu den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Staunenswert das älteste noch erhaltene Luftfahrzeug, ein Kriegsballon aus dem Jahr 1796, oder die detailgetreu rekonstruierten Modelle von Flaggschiffen aus der Zeit, als die k. u. k. Monarchie noch eine veritable Seemacht war. Beklemmend der blutige Waffenrock und das Automobil des Thronfolgers Franz Ferdinand, die an das schicksalhafte Attentat vom 28. Juni 1914 in Sarajevo erinnern. Vollkommen neu konzipiert zeigt sich seit dem Gedenkjahr 2014 der Ausstellungssaal zum Ersten Weltkrieg. Dass das HGM heute ganz und gar unkriegerisch ist, zeigt das fantasievoll konzipierte Programm für Kinder. Überdies lädt das HGM das ganze Jahr über zu interessanten Vorträgen, Abendveranstaltungen und Events. Und im Dezember geht vor dem Museum der mittelalterliche Adventmarkt über die Bühne, einer der schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt.

Tipp: Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt ins Museum für alle Besucherinnen und Besucher gratis.

www.hgm.or.at


Museum für angewandte Kunst

Dass Design auch Kunst sein kann, zeigt das Museum für angewandte Kunst, MAK, auf eindrucksvolle Weise. Ein großer Schwerpunkt widmet sich den stilgebenden Impulsen des Wiener Designs um 1900.

Design gehört zum Alltag, egal ob es sich um unsere Kleidung, Geschirr oder das Interieur unseres Wohnraums handelt. Geschmack und Funktionalität haben sich jedoch im Laufe der Zeiten stark geändert – und das Museum für angewandte Kunst (MAK) gibt darüber einen kunstvollen Überblick vom Barock bis zur Gegenwart. Herzstück der Schausammlung ist der Teil „Wien 1900“, der die Entwicklungsgeschichte des Wiener Designs und Kunstgewerbes zur Zeit des Jugendstils zeigt. Damals entstand mit den Arbeiten der Wiener Werkstätte ein neuer revolutionärer Stil, der bald seinen Siegeszug durch die ganze Welt antrat.

Druckwerk der Wiener Werkstätten

Druckwerk der Wiener Werkstätten. Exponat im Museum für angewandte Kunst (MAK). © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler

Besonders reichhaltig ist die Sammlung von Gründungsmitgliedern der Wiener Secession wie Josef Hoffmann, Koloman Moser und Joseph Maria Ollbrich. Wie zeitlos Wiener Design sein kann, zeigen auch die typischen Wiener Kaffeehaus-Stühle der Firma Thonet, die seit Ende des 19. Jahrhunderts quasi unverändert aus Bugholz hergestellt werden. Eine Vase von Josef Hoffmann, die in eine Holzmontierung eingespannt ist, erscheint wiederum wie ein extraterrestrisches Raumschiff. Fern von jedem Manierismus, sondern streng der Funktionalität gehorchend, wirken dagegen die ausgestellten Möbel von Adolf Loos und Otto Wagner. Und da Kunst und Alltag im MAK leicht verschwimmen, laden einige Objekte auch dazu ein, benützt zu werden: etwa die gemütlichen, bunten Sofas in den weiträumigen Gängen oder eine Couch von Jenny Holzer, die als moderner Kontrapunkt im Designbereich des 19. Jahrhunderts zum Verweilen einlädt. Und im MAK Design Shop lassen sich all jene Dinge erstehen, die mehr sind als nur Museumserinnerung: nämlich Stoffe, Hüte, Lampen, Spielsachen, Regenschirme und vieles mehr – allesamt in originellem Wiener Design.

www.mak.at


Österreichische Galerie Belvedere

Das Belvedere beherbergt die bedeutendste Sammlung österreichischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Publikumsmagnet Nummer eins sind die weltberühmten Werke von Gustav Klimt und Egon Schiele.

Es ist eines jener Bilder, die zu Ikonen der Kunstgeschichte wurden: „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Das wie in einen goldenen Schrein verschmolzene, liebende Paar wurde so berühmt, dass abertausende Reproduktionen Eingang in viele Wohnräume dieser Welt gefunden haben. Das Original befindet sich jedoch im Oberen Belvedere in Wien und stellt den Mittelpunkt der weltweit größten Klimt-Kollektion dar, darunter die berühmten Frauenporträts und die in strahlenden Farben im pointillistischen Stil angefertigten Landschaftsbilder. Weltgeschichte haben auch viele weitere Bilder des Museums im Belvedere geschrieben: etwa die expressionistischen Gemälde von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Oder die Werke französischer Impressionisten wie Monet, Manet, Renoir oder Rodin, die die Künstler des Wiener Jugendstils bewunderten. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen jedoch Meisterwerke österreichischer Kunst vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Tor des Schloss Belvedere / Oberes Belvedere in Wien

Tor des Schloss Belvedere / Oberes Belvedere in Wien. © Österreich Werbung, Fotograf: Diejun

Beim Rundgang durch das ehemalige Sommerpalais des Prinzen Eugen sind dabei viele „Déja-vu“-Momente garantiert, immer wieder hört man von entzückten Besuchern: „Ach, das kenn ich doch!“ Der Besuch des Oberen Belvedere ist jedoch mehr als nur ein Galeriebesuch mit weltberühmten Bildern, befindet man sich doch in einem der prächtigsten Barockschlösser Mitteleuropas. Immer wieder, besonders aber vom prunkvollen Marmorsaal aus, ergeben sich herrliche Ausblicke auf den barocken Garten, der nach dem Museumsbesuch zu einem Spaziergang einlädt.

www.belvedere.at

Prinzen Eugen

Prinz Eugen war zwar ein Feldherr von nur bescheidener Körpergröße, umso größer, herrschaftlicher und prunkvoller waren jedoch seine Palais, von denen jenes in der Himmelpfortgasse das älteste ist.

Als Prinz Eugen von Savoyen 1736 in Wien starb, war er der einflussreichste und reichste Mann Europas. Doch als er hier 1683 ankam, war er bettelarm. Und er blieb es mehr als ein Jahrzehnt, denn der Kaiser wollte ihn partout nicht befördern – da konnte sich Eugen in den Schlachten bewähren und verwunden lassen, so viel er wollte. Erst als er 1697 die Türkengefahr in Ungarn bannte, konnte er mit dem damit verbundenen höheren Salär – böse Zungen behaupten, mit der erbeuteten Kriegskasse des Sultans – sein prächtiges Palais in der Wiener Innenstadt bauen lassen. Die besten Architekten seiner Zeit waren dafür gerade gut genug: Johann Fischer von Erlach und Lucas von Hildebrandt. Das architektonische Ergebnis war um 1700 in ganz Europa eine Sensation, von überallher kamen Gäste, um dem Prinzen in seinem Winterpalais die Aufwartung zu machen. Seit Herbst 2013 ist nun das sorgfältig restaurierte Palais in der Himmelpfortgasse erstmals vollständig der Öffentlichkeit zugänglich. Eindrucksvoll ist bereits das barocke Stiegenhaus mit seinen gewaltigen Atlanten und einem ehrfurchtgebietenden Herkules. In den Gemächern geht der herrschaftliche Prunk weiter. Das Goldkabinett ist – wie der Name schon sagt – kunstvoll mit Gold an den Decken ausgekleidet, Spiegel verstärken die blendende Pracht. Das Belvedere nutzt das Winterpalais für wechselnde Ausstellungen mit österreichischer Kunst im internationalen Kontext. Daneben sind weiterhin die großflächigen Gemälde des savoyischen Prinzen im Schlachtenbildersaal zu bewundern. In dessen Zentrum steht „Die Schlacht von Turin“, nicht nur eine beeindruckendes Zeugnis von historischer Detailtreue, sondern auch ein amüsantes Suchbild: Ein Restaurator hat Ende des 19. Jahrhunderts in das Getümmel der tausenden Krieger wohl aus Spaß einen Radfahrer hineingemalt – und das, obwohl zum Zeitpunkt der Schlacht, 1706, die Erfindung des Fahrrads noch in weiter Ferne lag …

www.belvedere.at/de/schloss-und-museum/winterpalais


Österreichisches Theatermuseum

Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien, www.theatermuseum.at

Gustav Klimts Ölbild „Nuda Veritas“ (1899) ist Teil einer kleinen, kunsthistorisch wertvollen Sammlung aus dem Nachlass Hermann Bahr/Anna Bahr-Mildenburg. Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr (1863-1934), ein großer Förderer der Kunst der Jahrhundertwende, hatte das in der vierten Ausstellung der Wiener Secession im Jahre 1899 vertretene Bild von Klimt erworben. Die „Nuda Veritas“ ist permanent im Österreichischen Theatermuseum ausgestellt.


Secession

Friedrichstraße 12, 1010 Wien, www.secession.at

Die Wiener Secession, deren Mitbegründer Klimt war, ist nicht nur eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern beherbergt auch den weltberühmten Beethoven-Fries. Der Bilderzyklus (34 x 2 Meter groß) ist dem Komponisten Ludwig van Beethoven gewidmet und war eines der Hauptwerke der großen Beethoven-Ausstellung 1902 in der Secession. Wegen ihrer Erotik und Drastik löste Klimts Wandmalerei damals neben Bewunderung auch heftige Kritik aus.

Secession am Getreidemarkt

Secession am Naschmarkt, entworfen vom Architekten J. M. Olbricht.© Österreich Werbung, Fotograf: Popp Hackner


Wien Museum

Karlsplatz, 1040 Wien, www.wienmuseum.at

Das Wien Museum verfügt über eine hochkarätige Klimt-Sammlung und vor allem über den weltweit größten Bestand an seinen Zeichnungen, der absolute Meisterwerke, Skizzen und Vorstufen aus allen Phasen seines Schaffens umfasst. Das wichtigste Kunstwerk des Museums ist Klimts „Porträt Emilie Flöge“ (1902), sein erstes Damenporträt, in dem das Ornament im Vordergrund steht. Damit markiert es den Beginn jener Schaffensperiode des Künstlers, deren Bilder auf internationalen Auktionen Rekordpreise erzielten. Permanent ausgestellt sind zudem Klimts Gemälde „Pallas Athene“ (1898) und „Allegorie der Liebe“ (1895).


Sehenswerte Architektur-Ziele

Wien hat ein intaktes historisches Stadtbild wie kaum eine andere Stadt. Für neue Architektur eine umso größere Herausforderung, weil sie in Dialog mit der historischen Substanz tritt. Dazu kommt eine Kultur des Um-und Ausbauens alter Bausubstanz, die inzwischen weltweit trendbestimmend ist.

Die Prunkbauten der Barock- und Gründerzeit

Auf den ersten Blick wird das Stadtbild von Wien geprägt von den Prunkbauten aus der Barock- und Gründerzeit. Ein Fahrt mit Vienna-Ring-Tram um die Wiener Ringstraße führt das gleich mehrfach vor Augen: Während der halbstündigen Fahrt werden via Kopfhörer und LCD-Bildschirm alle Details zu den Sehenswürdigkeiten an der Ringstraße in sieben Sprachen erklärt. Die Tram passiert wesentliche Bauten des Historismus: das Parlament, die Votivkirche, das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum, die Universität und das Rathaus. Griechische Säulen und Götter, mythologische Figuren, Bögen aus Gotik und Renaissance und an die 60 Denkmäler berühmter Persönlichkeiten zieren und umgeben die im historistischen Baustil gestalteten Gebäude.

Um etwa 150 Jahre früher datieren die bekannten Barockgebäude Schloss Belvedere, die Karlskirche am Karlsplatz und die Peterskirche. Im Gegensatz zum Historismus, wo die Architekten verschiedenste historische Baustile aufgriffen und imitierten, orientierten sich die Architekten hier an italienischen und französischen Vorbildern. Aus dem Mittelalter erhalten ist das Wahrzeichen Wiens, der Stephansdom, und die älteste Kirche Wiens, die gotische Ruprechtskirche.

 

Haas Haus und Stephansdom

Haas Haus und Stephansdom. © Österreich Werbung, Fotograf: Popp G.

Der Stephansdom ist nicht nur das Wahrzeichen von Wien. Er gilt als „Nationalheiligtum“ der Österreicher. Er ist einer der wichtigsten gotischen Bauten in Mitteleuropa. Noch während der Kaiserzeit durfte keine Kirche höher als der Stephansdom gebaut werden. Heute manifestiert sich gerade hier die Symbiose zwischen Alt und Moderne. Denn gleich neben den historischen Sandsteinergemäuern des Doms ragt der moderne Glaskomplex des Haas-Hauses in die Höhe. ww.stephansdom.at

Jugendstil

Selbstbewusst und eigenwillig wurde die Architektur in Wien erst mit dem Jugendstil, Anfang des 20. Jahrhunderts. Wichtigster Architekt dieser Epoche war Otto Wagner. Sein Verhältnis zur Tradition war nicht mehr imitierend. Im Gegenteil: Er warnte vor der Anbetung des Alten, und die Aufträge, die er annahm, sprechen für sich. Es waren Bauten des öffentlichen Lebens, wie die Österreichische Postsparkasse oder die Wiener Stadtbahn, bis heute eine Teilstrecke der Linie U6. Dafür plante er Anlage, Stationen und Geländer. Zwischen der Station Gumpendorferstraße und der Station Währinger Straße ist die Stadtbahn bis heute im Originalzustand erhalten. Unter dieser Strecke haben sich verschiedene Szene-Lokale angesiedelt, weshalb auch eine abendliche Tour lohnt.

Gleich neben dem Naschmarkt, über dem wichtigsten Jugendstilgebäude Wiens, der „Secession“, einem Werk von Otto Wagners Schüler J. M. Olbrich, ist übrigens der Leitspruch des Jugendstils verewigt: „Der Zeit ihre Kunst – der Kunst ihre Freiheit.“ Nebenan, entlang des Naschmarkts, ragen einige der wichtigsten Wohnhäuser aus der Jugendstilära in den Himmel.

Secession in Wien

Secession in Wien,© Österreich Werbung, Fotograf: Wiesenhofer

War Otto Wagner noch konsensfähig, so provozierte der Modernist Adolf Loos mit seinem Loos-Haus am Michaelerplatz einen Skandal – war die kahle, ungeschmückte Fassade seines Hauses doch das direkte Gegenüber der kaiserlichen Hofburg. Weil den Wienern die aus der Gründerzeit gewohnten Zierdächer über den Fenstern fehlten, kritisierten sie es damals als „Haus ohne Augenbrauen“. Die Folge: Adolf Loos musste Balkonkästen anbringen lassen.

Tipp für Loos-Fans: die American Bar

Kärntner Durchgang 10, 1010 Wien, www.loosbar.at

Die Bar wurde 1908 von Adolf Loos entworfen und versteckt sich in einer kleinen Seitenstraße der Kärntner Straße. Auf nur 24 Quadratmetern bestimmen Holz, Glas, Messing und Onyx das heute denkmalgeschützte Frühwerk architektonischer Moderne.

Ab den 1930er-Jahren wurden die sogenannten Gemeindebauten Bestandteil des Wiener Stadtbildes. Teils sind die Arbeiterwohnanlagen von gigantischen Ausmaßen und erinnern an wehrhafte Festungen, was auch beabsichtigt war. Einige der historischen Sozialbauten: der Lassallehof im 2. Bezirk, der Rabenhof im 3. Bezirk, der Reumannhof im 5. Bezirk und der über einen Kilometer lange Karl-Marx-Hof im 19. Bezirk.

Das Architektenduo Coop Himmelb(l)au

Die 1950er-Jahre waren geprägt vom Wiederaufbau. 20 Jahre später geriet wieder Bewegung in die Wiener Architekturszene, wenn auch zunächst theoretisch. Das Architektenduo Coop Himmelb(l)au legte damals den Grundstein für viele, erst Jahre später verwirklichte futuristische Gebäude. Die meisten und bekanntesten entstanden allerdings nicht in Österreich – so wie der Kristallpalast in Dresden, der Ostpavillon des Groninger Museums in den Niederlanden oder die BMW-Welt in München. Für Wien planten Coop Himmelb(l)au den GasometerB, das SEG-Apartment-Haus und das Wohn-und Bürohaus in der Schlachthausgasse.

Hans Hollein und sein Haas Haus

Ein anderer österreichischer Architekt, Hans Hollein, setzte ebenfalls erst Jahre nach seinem Postulat „Alles ist Architektur“ seine Visionen um. Er erhielt aber immerhin einen der prominentesten Bauplätze der Stadt – schräg gegenüber dem Stephansdom entstand sein „Haas Haus“. Es geht keine Kompromisse mit seinem mittelalterlichen Gegenüber oder dem Neobarock der umliegenden Häuser ein. Der Ausblick aus dem Café oder dem Restaurant „Do & Co“ im Haas-Haus ist ein Erlebnis.

Haas Haus und Stephansdom

Haas Haus und Stephansdom. © Österreich Werbung, Fotograf: Popp G.

Wien, 2015, Haas Haus, Sfephansdom, Do&Co, Copyright www.peterrigaud.com

Das Hundertwasserhaus

Eine Ausnahmeerscheinung stellt Friedensreich Hundertwasser dar. Zum einen kam er von der Malerei, zum anderen wollte er bewusst an den Jugendstil anschließen und wieder Architektur und Natur verbinden. Sein bekanntes Hundertwasserhaus aus den 1980er-Jahren ist ein sozialer Wohnbau mit 50 Wohneinheiten. Er zeichnet sich durch ungerade Linien, ornamentalen Schmuck, den böse Zungen „Behübschung“ nennen, und viele Pflanzen im und am Gebäude aus. Keine Türklinke gleicht der anderen, selbst die Böden sind uneben. Aufgrund des internationalen Aufsehens, das er mit dieser Wohnanlage erregte, realisierte Hundertwasser in der Folge um die 30 weitere Bauprojekte, unter anderem das Rogner Bad in Blumau.

Hundertwasserhaus in Wien

Hundertwasserhaus in Wien. Architekt: Friedensreich Hundertwasser. © Österreich Werbung, Fotograf: Diejun

Um die Jahrtausendwende entstand in Wien das MuseumsQuartier – ein Kunst- und Kulturzentrum der Superlative. Innerhalb ehemaliger barocker Hofstallungen beherbergt es gleich drei teils monolithische Museumsbauten, Ausstellungsräume, Ateliers und Veranstaltungssäle für Tanz- und Theateraufführungen sowie ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Mittlerweile ist das Areal für viele Wienerinnen und Wiener zu einer Art zweitem Wohnzimmer geworden, in dem sie einfach gerne Zeit verbringen und dies Sommer wie Winter – mit Lesen, Ausgehen, Boule spielen, Eisstock schießen, Glühwein trinken und Chillen.

Die neue Gründerzeit

Seit einigen Jahren herrscht in der Wiener Architekturszene nun wieder Gründerzeitstimmung. Es begann in den 1990er-Jahren mit öffentlichen Aufträgen für Neubauten von Schulen und Kindergärten. Moderne Wohnbauten und Bürogebäude folgten. Beauftragt wurden in erster Linie junge, aufstrebende Architekturbüros mit hohem Anspruch. Diese junge Wiener Architektenszene spricht eine klare, zeitgemäße Formensprache, die sich in viel Glas, Stahl und Beton ausdrückt.

Ein neues Stadtviertel im Süden Wiens

Im Süden Wiens entststand rund um den neuen Hauptbahnhof ein neues Stadtviertel. Vom 66,7 Meter hohen Aussichtsturm „Bahnorama“, erhält man einen beindruckenden Überblick über eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Überhaupt konnten in den letzten Jahren namhafte Architekten Projekte in Wien realisieren: Die vom französische Stararchitekten Dominique Perrault geplanten DC Towers, mit bis zu 220 Metern Höhe, werden ein neues, weithin, mit bis zu 220 Metern Höhe sichtbares „Wahrzeichen“ auf der Donaucity. Der am Rand der historischen Altstadt stehende Nouvel-Tower ist ein weiteres Highlight moderner urbaner Architektur. Jean Nouvels Entwurf hält nicht nur optisch so manche Überraschung bereit. Im Gebäude befinden sich das Designzentrum „Stilwerk“, das 5-Sterne-Hotel „Sofitel“ und im 18. Stock ein Panoramarestaurant. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die Wiener Innenstadt. Ein weiterer Hotspot innovativer Architektur befindet sich in unmittelbarer Nähe des Nouvel-Towers. Der Terminalneubau des „Twin City Liners“ am Donaukanal dient nicht nur als Abfahrts- und Ankunftsstelle von jährlich 500.000 Passagieren, die zwischen Wien und Bratislava verkehren. Er ist mittlerweile zum Szene-Treff avanciert.

Das Loft Restaurant, Sofitel Vienna Stephansdom. ©WienTourismus/Christian Stemper

Weil es heutige Architektur in Wien fast immer mit dem Erbe der Gründerzeit aufnehmen muss, lautet die Devise oft Um- oder Einbau. Daher hat sich in Wien auch eine lebendige Innenarchitekturszene entwickelt, die inzwischen trendbestimmend ist. Geschäfte wie der Manner Shop neben dem Stephansdom, Restaurants wie das Österreicher im MAK, Hotels und die Gestaltung von Museumsräumen finden weltweit Beachtung.

LINKTIPPS:

Wiener Hauptbahnhof
www.hauptbahnhof-wien.at

Bahnorama
www.bahnorama.com

Panoramarestaurant
www.sofitel.com/de/hotel-6599-sofitel-vienna-stephansdom/restaurant.shtml****

Architekturzentrum Wien
www.azw.at

Wien Architektur
Architekturkalender für Wien
www.wienarchitektur.at


Vienna-Ring-Tram

„Es ist mein Wille …“ – mit diesen Worten ordnete Kaiser Franz Joseph 1875 den Bau der Ringstraße an. Sie ist eine Entdeckungsreise – und eine Zeitreise auf den Spuren der Habsburger, mit architektonischen Meisterwerken entlang der Straße: der Staatsoper, dem Parlament, dem Rathaus und Burgtheater, der Universität und der Votivkirche, dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum.

Rundfahrt an der Wiener Ringstraße. www.wienerlinien.at


MuseumsQuartier

Gleich gegenüber dem Kunsthistorischen und dem Naturhistorischen Museum gelegen, hat sich das Kunst- und Kulturareal MuseumsQuartier der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts verschrieben. Eingebettet in ein revitalisiertes Ensemble aus dem Barock ist es der größte Kulturbau in der Geschichte Österreichs.

Historische und zeitgemäße Architektur durchdringen sich, verschmelzen Alt und Neu, Kunst und Naherholung, Künstler und Publikum miteinander. Drei Gebäude dominieren: Das Leopold Museum, das Museum Moderner Kunst (MUMOK) und die Kunsthalle Wien, Daneben beherbergt es das Architekturzentrum Wien, das ZOOM Kindermuseum, Künstlerateliers und über 50 Kulturinstitutionen. Das kulinarische Angebot ist ebenfalls breit aufgestellt: Von ambitionierter Küche im Designambiente über klassische österreichische Hausmannskost bis hin zu Bio- Köstlichkeiten und dem klassischen Kaffeehaus. U2-Station MuseumsQuartier www.mqw.at


Besucherzentrum im Parlament

Hier gehen Historismus und zeitgenössische Architektur eine ungewöhnliche Symbiose ein. Luftiger Raum auf drei Ebenen – schwarz und weiß, Glas, Stein kombiniert mit modernsten Kommunikationstechnologien. Zugleich Startpunkt für Führungen durch das Parlament. Eingang an der Vorderseite des Parlaments, Ringstraße www.parlament.gv.at/GEBF/BSZ/


Donau-City

Die neue Skyline Wiens – Hochhäuser und Wohnbauten direkt an der Donau sowie die UNO-City – machen die Donau-Platte zu einem Stadtentwicklungsgebiet ersten Rangs. Besonders sticht die Donaucity-Kirche hervor, außen mit Stahl, innen mit Birkenholz verkleidet. U1-Station UNO-City www.viennadc.at


Gasometer

Einstige Gas-Behälter wurden zu Wohnbauten und einem Shoppingcenter umfunktioniert – nach Entwürfen von Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au und Wilhelm Holzbauer. Sehenswert ist auch das dazugehörige Multiplexkino. U3-Station Gasometer www.wiener-gasometer.at


Mustersiedlung 9=12

Aus dem Projekt mit 9 Architekten und 12 Hausentwürfen entstanden 10 Häuser von 9 Architekten. Aufgabe war, die tiefe Sehnsucht nach einem Einfamilienhaus mit dem urbanen Lebensgefühl des Geschosswohnungsbaus zu verbinden und dabei nur Beton einzusetzen.**** Friedhofstraße 169 1140 Wien


Kunsthalle project space am Karlsplatz

Ursprünglich nur ein Gebäude auf Zeit. Weil der Container aber so gut ankam, baute man ihn etwas kleiner und transparent noch einmal nach. Und weil es Wien ist, ist die Hälfte davon ein Restaurant und Café. Am Karlsplatz www.kunsthallewien.at


Ermäßigungen: die Wien-Karte

Die Wien-Karte gilt als 72-Stunden-Netzkarte für die freie Fahrt auf Wiens öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie bietet aber auch eine Reihe von Ermäßigungen. Erhältlich ist sie in vielen Wiener Hotels, in der Touristinformation, in Reisebüros und in den Verkaufsstellen der öffentlichen Verkehrsmittel (www.wienkarte.at). Die Inhaber der Wien-Karte können die Vorteile von mehr als 210 Preissenkungen und Sonderangeboten nützen. Die Palette reicht vom ermäßigten Museumseintritt bis hin zu Shopping-Angeboten. Details verrät eine Gutschein-Broschüre, die mit jeder Wien-Karte ausgehändigt wird. Alternativ gibt es auch eine etwas günstigere 48-Stunden-Wien-Karte, die die gleichen Vorteile wie das 72-Stunden-Pendant bietet.

Das zentrale Tourist-Informationsbüro von Wientourismus befindet sich direkt hinter der Wiener Staatsoper am Albertinaplatz (Ecke Maysedergasse, 1010 Wien). Neben allgemeinen Informationen und Unterstützung bei der Beschaffung von Hotelunterkünften bietet das Informationszentrum auch Eintrittskarten, Last-minute-Tickets für kulturelle Veranstaltungen und kostenfreiem WLAN, täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr.


Auf Galerie-Safarie in Wien

Ein Blick auf Hotspots der lebhaften Galerie-Szene führt in Prachtbauten, Fabrikhallen und zu Wiens internationaler Messe für zeitgenössische Kunst, der Vienna Fair.

Vienna Fair

Man Muss nicht mehr nach Basel oder Miami reisen um einen repräsentativen Überblick über die aktuellen Strömungen der zeitgenössischen Kunst zu bekommen. Auf der Vienna Fair versammelt sich alljährlich das „Who is Who“ der nationalen und internationalen Galerie-Szene am Wiener Messegelände. Mit einer stetig wachsenden Fangemeinde zieht sie nicht nur Sammler, Künstler und kunstinteressiertes Publikum in ihren Bann. Die Vienna Fair bietet ihren Besuchern darüber hinaus ein äußerst vielfältiges Rahmenprogramm. Es reicht von Performance, Podiumsdiskussionen, bis hin zu Führungen. Einen besonderen Schwerpunkt legt die renommierte Kunstmesse seit ihrer Gründung auf Kunst aus Zentral- und Osteuropa und wurde dadurch zum erfolgreichen Wegbereiter für Künstler aus diesem Raum. Federführend für diese Positionierung zeichnen vor allem die Wiener Galerien, die ihre osteuropäischen Kontakte schon immer zu pflegen wussten.

Street Art und Fabrik-Locations

Neue Sichtweisen auf die Kunst finden sich in der Galerie-Szene des 7. Bezirks. Auch Kunstfotografie ist im Viertel vertreten: Im Falle der Galerie WestLicht mag der quasi-museale Rahmen einer permanenten Schau seltener Kameras technisch Interessierte anlocken, während zugleich ein breitgefächertes Ausstellungsprogramm auch Reportage-Fotografie inkludiert.

Ganz andere Stimuli setzt die Galerie Momentum, die Werke bekannter Fotokünstler wie Margherita Spiluttini oder Franz Hubmann in Auflagen von fünfzig und mehr Abzügen anbietet – schließlich soll die Kunstfotografie auch hier einem möglichst großen Kreis erschlossen werden. Dass sich gerade einen Steinwurf entfernt einer der bekanntesten Namen der österreichischen Galerieszene angesiedelt hat, mag überraschen – und verweist zugleich auf die Vielfalt der jungen Mini-Kunstmeile. Galeristin Ursula Krinzinger eröffnete hier in einem ehemaligen Fabrikgebäude den Ausstellungsraum „Krinzinger Projekte“: Wie für die Gegend nicht anders zu erwarten, kommen hier verstärkt junge, unbekannte Künstler zum Zug.

Epizentrum MuseumsQuartier Fährt man mit der Straßenbahnlinie 49 vom Gürtel stadteinwärts durch den 7. Bezirk, und bleibt bis zum Volkstheater gemütlich sitzen, so erschließt sich auch der eigentliche Hintergrund für diese lokale Galerie- Offensive. Es ist das MuseumsQuartier (MQ), dessen internationale Strahlkraft die umliegenden Innenbezirke beflügelt – und neben Krinzinger auch andere arrivierte Galeristen aus dem 1. Bezirk anlockte. Hubert Winter, Spezialist für zeitgenössische internationale und österreichische konzeptuelle Kunst der 1970er- Jahre (und später), wagte als Erster den Schritt nach Wien-Neubau und siedelte sich bereits vor Jahren in der Breiten Gasse an. Der Sogwirkung des MuQua konnte sich auch der angrenzende, unterhalb der Mariahilfer Straße verlaufende 6. Bezirk nicht entziehen. Darauf verweist auch das Beispiel Gumpendorfer Straße: Konsequent schärfte der bereits vorher hier ansässige Galerist Hans Knoll sein Profil. Nur wenig Schritte entfernt, erarbeitet sich indessen die auf junge Kunst spezialisierte Galerie kunstbuero Amer Abbas einen ganz anderen Ruf: nämlich eine Art Missing Link zwischen urbanem „Think Tank“ und hipper Szene-Location zu sein.

Museumsquartier

Sommerabend vor dem MQ Wien. © Österreich Werbung, Fotograf: Volker Preusser

Gumpendorfer Galerie-Safari

Ein guter Ausgangspunkt für eine ausgedehnte Wiener Galerie-Safari ist die Gumpendorfer Straße allemal. Denn auch dort, wo ihre Verlängerung, die Eschenbachgasse, bereits das goldene Schimmern der Sezessions-Kuppel erahnen lässt, ist eine kleine Galerien-Enklave entstanden. Um das Reproduzieren vertrauter Jugendstil-Sujets geht es dabei freilich nicht. Im Gegenteil. Vielmehr konnten Karin Handlbauer und Donata Fuchs hier die Galerie Mezzanin als spannende Plattform für aktuelle Kunsttendenzen positionieren, was nicht zuletzt auch die hier gezeigten Arbeiten des Medienkünstlers Peter Kogler belegen. Neue Medien zählen auch zu den Schwerpunkten der Galeristin Helga Krobath, deren gleichnamige Galerie die Räume des Palais Eschenbach bezog. Die ebenfalls in der Eschenbachgasse gelegene Galerie Martin Janda hat sich wiederum auf raumbezogene Arbeiten spezialisiert, die künstlerische Positionen ins Zentrum stellen. Und die ganz großen Namen der Kunstwelt werden indessen auf Hausnummer 9 präsentiert: Vanessa Beechcroft, Franz West, Heimo Zobernig, Olaf Breuning sind nur einige der internationalen Kunststars, die die hier gelegene Galerie Meyer Kainer präsentiert.

Avantgarde zwischen Vintage-Läden

Stars sind die eine Sache. Das feine Gespür für die maßgeblichen Tendenzen der Kunstwelt, die Liebe zum Experiment innerhalb des Galeriebetriebs, der Mut zum stets Neuen eine andere. Das auf der gegenüberliegenden Seite des Naschmarkts, von Vintage-Läden und Mode-Ateliers geprägte Freihaus-Viertel, wo sich rund um die Schleifmühlgasse ein weiteres spannendes Zentrum junger Kunst gebildet hat, stellt da keine Ausnahme dar. Das Gebot der Vielfalt gilt freilich auch hier. So bildet der Oberlichtsaal einer ehemaligen Druckerei auf Nummer 5 – nunmehr Adresse der profilierten Galerie Georg Kargl Fine Arts – einen imposanten Rahmen für auch größere Installationen. Gleich nebenan stärkt Kerstin Engholm seit Jahren ihre Reputation als feinsinniger „Kunsttrend-Scout“, während ein weiterer Avantgarde-Pionier des Viertels, die Christine König Galerie, mit der interessanten Einführung der LunchLectures von sich reden machte: Künstler, Kuratoren, aber auch Philosophen legen dabei ihre individuellen Zugänge zur Kunstszene bloß.

Wiener Innenstadt: Revier der Platzhirsche

Die Arbeit der arrivierten Platzhirsche – etwa der Galerien Ulysses, Krinzinger, Chobot, Heike Curtze, Ernst Hilger oder des Wiener Aktionismus-Spezialisten Charim – muss wohl nicht eigens vorgestellt werden. Insider der lokalen Galerieszene verweisen aber mit Vorliebe auf jene vielfältigen Experimente, die der Wiener City auch zukünftig Überraschendes bescheren mögen. Jene ausgewählten Vertreter der jungen österreichischen Kunst, die etwa Ernst Hilger in Kooperation mit dem Siemens_artLAB fördert, und die zugleich einen Schwerpunkt der Lukas Feichtner Galerie markieren, sind taugliche Beispiele für dieses Bemühen. Die stete Suche nach spannenden einzelgängerischen Positionen – besonderes Anliegen der Galerie Peithner- Lichtenfels in der Sonnenfelsgasse – ein anderes. Jeder Künstler eine Quelle, jede Innenstadt ein Fluss, sensibel auf aktuelle Strömungen: Die Suche nach „emerging artists“ treibt auch die Galerie layr:wüstenhagen contemporary an – um zugleich ein „emerging art district“ zu definieren. Denn das in der Nähe der Seilerstätte im Entstehen begriffene Galerie-Viertel An der Hülben wäre so ein Zwischenstopp auf der heute zunehmend in Fahrt gekommenen Wien-Schiene in Richtung zeitgenössischer Kunst. Die Weichen für weitere Erfolge und die eine oder andere Neueröffnung sind dabei jedenfalls gestellt.

LINKTIPPS:


Geheimtipps zum Ausgehen in Wien

Urbane Lokalszene rund um die Stadtbahnbögen der U6

  • loop Djs und Cocktails im stilvollen Ambiente. 1080, Lerchenfelder Gürtel, U-Bahn-Bögen 26–27 www.loop.co.at
  • Mezzanin Cocktails und Sounds im futuristisch anmutenden „Livin’room“. 1160, Lerchenfelder Gürtel 43 www.eventszene.at/location/mezzanin-skkugmezzanin?en_id=117188
  • Chelsea Szenelokal mit zahlreichen Live-Events wie Konzerten, aber auch Fußball-Live- Übertragungen, mehrere Bars, für junge und jung gebliebene Nachtvögel. 1080, Lerchenfelder Gürtel U-Bahn-Bögen 29–30 www.chelsea.co.at
  • Weberknecht Studentenlokal mit Partykeller. 1160, Lerchenfelder Gürtel 49 www.weberknecht.net
  • rhiz Bar und Veranstaltungslokal für Kunst-Projekte, Experimentelles und elektronische Musik – prominente Künstler und ebensolches Publikum 1080, Gürtelbögen 37–38 www.rhiz.org
  • Café Carina Konzertlokal in heruntergekommenem Rahmen. Hin und wieder echte Highlights. 1080, Josefstädter Straße 84 www.cafe-carina.at
  • B72 Meistens DJs, Szenelokal, manchmal interessante, kleine feine Konzerte. Hernalser Gürtel U-Bahnbogen 72 www.b72.at
  • Blaustern Schicker In-Treff mit eigener Kaffeerösterei. 1090, Döblinger Gürtel 2 www.blaustern.at

Weitere wichtigsten Locations zum Ausgehen

Flex Donaukanal, Abgang Augartenbrücke 1010 Wien Die Underground-Location Wiens – mit Punk-Background, betoniertem Subwoofer und Abwasserkanal vor der Haustür. Wechselnde Club-Abende. Live-Konzerte von Silicone Pumpgun bis Kruder & Dorfmeister. Was in den 1990ern der Volksgarten war, ist heute das Flex. Von den Lesern des renommierten Musikmagazins „Spex“ wird das Lokal regelmäßig zum besten Club im deutschsprachigen Raum gekürt. www.flex.at

Porgy & Bess Riemergasse 11 1010 Wien Ein Ort, der der jungen, wilden, undogmatische Szene eine Bühne bietet. Das ehemalige Pornokino ist zum kühlen, stylishen Hang-out mit Bar und zumeist exzellenter Live-Beschallung mutiert. Engagierte Programmierung mit punktuellen Osteuropa-Schwerpunkten. www.porgy.at

Chelsea Lerchenfelder Gürtel, U-Bahn-Bögen 29–31 1080 Wien Rock-Veteran Othmar, ein ehemaliger Spitzen-Fußballer, hat aus den gemauerten Kellerbögen, über die die U-Bahn hinwegdonnert, einen veritablen Musik-Club gemacht. Inklusive TV-Monitoren, Scotch-Kollektion und dem höchsten Grad an Authentizität, den ein Veranstaltungsort in Sachen Brit-Pop, Neo-Punk und Retro- Rock in Wien haben kann. www.chelsea.co.at

WUK Währinger Straße 59 1090 Wien Eine der stimmigsten und stilvollsten Live-Lokalitäten Wiens. Das alternative, selbst verwaltete „Werk- & Kulturhaus“ in einer ehemaligen Fabrik ist fast immer eine Empfehlung. www.wuk.at

Fluc Wanne Praterstern 5 1020 Wien Eine Betonwanne mit Ober- und Untergeschoss, voll mit Avantgarde und Trash. Oben werden eher wilde DJ-Parties gefeiert, unten lärmen diverse Acts gegen den Betonbunker-Charakter der Lokalität an. Das Riesenrad dreht sich in Sichtweite. www.fluc.at


Wiens Totenkult: Friedhöfe besuchen

Schon zu Lebzeiten beschäftigen sich die Wiener mit dem Tod: Sie besingen ihn, spielen mit ihm, bauen ihm Denkmäler. Der Kult um den Tod ist schaurig-lustvolles Ereignis und strategischer Schachzug gegen die Endlichkeit aller Dinge.

Zentralfriedhof

Der Tod ist das letzte Fest des Lebens – und will, so traurig es ist, würdig begangen sein: Die Gräber der Wiener geben Zeugnis davon. Besonders am Zentralfriedhof, wohin die Stadt Wien zunächst die Gräber einiger Persönlichkeiten verlagerte – allen voran Beethoven und Schubert – und damit den Grundstein für einen der würdevollsten Friedhöfe überhaupt legte. Die wichtigsten Bauwerke, Haupttore, Aufbahrungshallen, Wartesäle und die zentrale Friedhofskirche stammen aus dem Jugendstil.

Jüdische Friedhof

Verloren und geheimnisvoll liegt hinter einer Backsteinmauer in Döbling der Jüdische Friedhof. Neben jenem von St. Marx ist er der zweite erhaltene Friedhof aus dem Biedermeier. Nur mit Führung zu besichtigen, erzählt er von der Bedeutung der Juden im 19. Jahrhundert und ihrer Bereitschaft zur Assimilation. Gruftkapellen wurden mit floralen Ornamenten des Klassizismus geschmückt und die Gräber der türkischen Juden sind vom Orient inspiriert, teils wurden sogar Elemente des Koran in die Grabsteine gemeißelt.

Bestattungsmuseum

Im Bestattungsmuseum, eine andere Wiener Besonderheit, ist zu sehen, in welcher Epoche man in welchem Sargmodell begraben worden wäre. Darunter ist auch der mehrfach genutzte josefinische Sarg, der nicht mit ins Grab versenkt wurde, sondern oben blieb. Es öffnete sich nur die Bodenklappe. Persönlicher waren da Särge, die man bei bester Gesundheit bestellte und die zu Lebzeiten, freundlich bemalt, als Kasten dienten.

Mit 1000 Objekten bietet es einen weltweit einzigartigen Gesamtüberblick über Totenkult und Bestattungsrituale, die Bundeshauptstadt Wien bildet dabei den Schwerpunkt. Die Thematik Sterben und Tod wird anhand der gezeigten Exponate
in pietätvoller Weise als kulturelle Drehscheibe des Vergänglichen präsentiert, wodurch ein nachvollziehbarer Übergang zum heutigen Totenkult geschaffen wird.

Augustiner Kirche

Die Augustiner Kirche beherbergt eines der schönsten Grabmäler Wiens: Antonio Canova hat die trauernde Figurengruppe, die vom Betrachter abgewandt einer Grabpyramide zustrebt, 1805 in weißem Marmor in Szene gesetzt. Hier liegt die Lieblingstochter Kaiserin Maria Theresias – und geliebte Frau ihres Mannes. Der Schmerz über diesen Abschied teilt sich durch die Darstellung mit.

Katakomben der Michaelerkirche

In den Katakomben der nahe gelegenen Michaelerkirche trägt der Tod ein anderes Gesicht: Durch die klimatischen Bedingungen der Gruft wurden die Leichen mumifiziert. In spaltbreit geöffneten Särgen sieht man Tote mit über der Brust gekreuzten Armen. Auch das Gewand ist erhalten – seit über 300 Jahren.

Kapuzinergruft

In der Kapuzinergruft hingegen wurden seit 1633 die Herrscher aus dem Hause Habsburg und ihre nächsten Angehörigen bestattet. Unter den 140 Särgen sticht der Sarkophag von Maria Theresia hervor, der einzigen Frau auf Habsburgs Thron: Gemeinsam mit ihrem Mann, der mit ihr bestattet ist, sitzt sie auf einem Kissen, die Beine ausgestreckt und mit der Hand spielerisch ein Schwert umfassend.

Bei allem Pomp, der Tod ist Wirklichkeit. Und weil man ihn in der Stadt von Sigmund Freud doch nicht verdrängen kann, lädt man ihn ins Leben ein. In vielen, auch modernen Wiener Liedern wird er stimmungsvoll besungen – damit er vielleicht doch, als Freund, die Finger von einem lässt, wenn’s drauf ankommt.

Besichtigungen und Führungen im Überblick:

Zentralfriedhof
Der bedeutendste Friedhof Wiens ist die letzte Ruhestätte für Menschen aller Religionen. Der Wiener Zentralfriedhof ist aber nicht nur Stätte der Totenruhe: Die Parklandschaft mit beeindruckender Flora und Fauna stellt einen Ort der Erholung
und Besinnung dar. Führungen im Wiener Zentralfriedhof für bis zu 30 Personen. Anfragen, Buchungen unter
Tel.: +43 6991 8124423
www.viennatouristguide.at/Friedhoefe/Zentralfriedhof/Z_Startseite/z_start.htm

Wiener Zentralfriedhof
Haupteingang: Tor 2
Simmeringer Hauptstr. 234
1110 Wien
www.viennatouristguide.at
www.friedhoefewien.at

Jüdischer Friedhof Währing
Der Jüdische Friedhof in Währing kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Anmeldung unter: juedischer.friedhof@gruene.at oder bei Sabine Pfeifer unter Tel.: +43 1 400081581.
http://waehring.gruene.at

Bestattungsmuseum
Die Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Eine telefonische Voranmeldung ist erforderlich.

Bestattungsmuseum Wien
Goldegggasse 19
1040 Wien
Tel.: +43 1 50195-0
www.bestattungwien.at

Michaelergruft
Die Michaelergruft unter der gleichnamigen Kirche in der Innenstadt zählt zu den verborgenen und doch bedeutenden Kulturdenkmälern der Stadt.
www.michaelerkirche.at

Kapuzinergruft
www.kaisergruft.at

Katakombenführungen unter dem Stephansdom
Führungen durch die Katakomben finden ganzjährig statt. Die Dauer der Führung beträgt etwa 30 Minuten.
www.stephanskirche.at

St. Marxer Friedhof

Heutzutage kommen zahlreiche Gäste aus aller Welt, um vor allem das Mozart-Grab in St. Marx zu besuchen. Mozart starb 1791 und wurde in einem Armengrab auf dem St. Marxer Communalen Friedhof beigesetzt.

St.-Marxer-Friedhof
Leberstraße 6 – 8
1030 Wien
www.wien.gv.at/umwelt/parks/anlagen/friedhof-st-marx.html


Der Wiener Prater

www.praterservice.at
www.prater.at

Das Wiener Riesenrad

www.wienerriesenrad.com

Ende des vorletzten Jahrhunderts war Eisen groß in Mode. Genauer: Kühne Eisenkonstruktionen, die dem Fortschritt der Technik ihren Tribut zollten. In Paris baute Gustave Eiffel daraus einen oben spitz zulaufenden Turm und im selben Jahr (1897) entstand auch ein wesentliches Wahrzeichen der Donaumetropole. Aber Wien war anders, bereits damals. Denn der Erbauer Gabor Steiner, Betreiber eines Vergnügungsparks, wusste ganz instinktiv was im Wiener Prater gut ankommt: Nämlich sich im Kreise drehen. Das Oben und das Unten ein paar Minuten lang vertauschen. Die Welt aus stets neuer Perspektive sehen. All das ermöglichte das Wiener Riesenrad, das die Londoner Firma Basset kühne 65 Meter Richtung Praterhimmel zog.

Riesenrad im Prater in Wien

Riesenrad im Prater in Wien.© Österreich Werbung, Fotograf: Bartl

Seither hat es nicht nur dem umliegenden Vergnügungspark des Wiener Praters gute Dienste geleistet, sondern der ganzen Stadt. Nach dem „Steffl“, dem Wiener Stephansdom, gilt das Riesenrad als zweitbekanntestes Wahrzeichen Wiens, wobei es mitunter für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte. Etwa 1914, als die kühne Kunstreiterin Madame Solange d’ Atalide eine Riesenrad-Runde drehte – allerdings auf dem Rücken ihres Pferdes, das sie wiederum aufs Dach eines der kreisenden roten Wägelchen stellte. Unübersehbar ist das Riesenrad freilich auch so. Es kann von zahlreichen Orten der Stadt aus gesehen werden, gilt als wesentliches Element der Silhouette Wiens. Aber könnte man auch für den restlichen Wurstelprater behaupten. Ohne ihn würde Wien ein Stückchen Seele verlieren.

Vom Verkehrsknotenpunkt Praterstern kommend, betritt man den Vergnügungspark durch ein neu gestaltetes Eingangsportal, welches Gastronomiebetriebe, Infostände und Shops im Stil der Wiener Jahrhundertwende beherbergt. Gleich dahinter, in unmittelbarer Nähe zum Riesenrad befindet sich Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett und hier dreht sich alles um nationale und internationale Prominenz. Man trifft auf Peter Alexander, Kaiserin Maria Theresia oder Barack Obama, lebensecht in Wachs nachgebildet und kann sich selbstverständlich mit seinen Idolen fotografieren lassen.

Im Jahre 1766 ging es los – „mit Ballenschlagen, Kegelscheiben und anderen erlaubten Unterhaltungen“ wie der weltoffene Kaiser Joseph II. verfügte. Mit der öffentlichen Freigabe des alten kaiserlichen Jagdreviers wurde der Grundstein zur Schaffung des heute legendären Wiener Vergnügungsparks gelegt. So tauchte nach den Hasen und Hirschen bald ein neues Wesen in den feuchten Wiesen der damaligen Donauauen auf: Nämlich die Figur des Wurstels, eines ebenso volkstümlichen wie lustig-frechen Charakters, der dem Wiener Wurstelprater den Namen verlieh. Beliebt waren die Kasperltheaterbuden, die damals aus dem Boden schossen allemal – standen sie doch ganz in der Tradition der Hofnarren, die sich mehr Kritik an Gott und Kaiser erlauben konnten, als es der durchschnittliche Bürger im Traum gewagt hätte. „Den Kasperl erschlägt man nicht so einfach, dafür ist er zu robust“, heißt es bis heute in Wien. Diese Urnatur prägt auch den ganzen Wiener Wurstelprater. Denn auch der Vergnügungspark war im Laufe seiner langen Geschichte nicht unterzukriegen, und hat im 2. Wiener Bezirk treu die Stellung gehalten. Dass sich dabei manche der volkstümlichen Attraktionen zäh behaupten konnten, ist Teil dieses Naturells.

So verspricht der Bummel zwischen den Jahrmarktbuden auch eine Reise in die Vergangenheit, bei der neben süßer Zuckerwatte auch jede Menge Nostalgie serviert wird. Denn vieles, was andernorts längst verschwunden ist, wurde an Europas traditionellstem Rummelplatz liebevoll gepflegt und hat sich bis heute erhalten. Darunter auch die hölzerne Spiralrutsche des denkmalgeschützten Tobogan, der sich im Frühling 2009 endlich wieder so präsentieren durfte, wie ihn Generationen von Pratergehern liebten: weiß-blau lackiert und mit groben Jutesäcken als ideale Rutschunterlage. Ein Stück Low-Tech-Entertainment ganz im Sinne des historischen Wiener Praters.

Das legendäre Restaurant „Schweizerhaus

www.schweizerhaus.at

Wer sich nach dieser kleinen Rutschpartie auf Spurensuche begibt, wird gleich um die Ecke belohnt. Gegenüber von der Spiralrutsche befindet sich das legendäre Restaurant „Schweizerhaus“ an der Straße des Ersten Mai, berühmt für seine Kartoffelpuffer, die opulente Schweinehaxe („Stelzen“) und das tschechische Budweiser Bier, das Kenner hier gerne als „Schnitt“ bestellen, als Mischung einer helle und einer dunklen Sorte.

Aber die Praterwelt dreht sich auch ohne Bier seit über hundert Jahren im Kreise. Seit 1887 versehen hier die Pferdchen des „1. Wiener Pony Caroussels“ ihren Dienst, steuern zur Orgelmusik den satten Geruch von Pferdestreu bei. Ganz und gar unscheinbar drückt sich daneben gleich ein weiterer, freilich allzu leicht übersehbarer Klassiker in die Ecke: Eine „Alt-Wiener Schiffschaukel“, die inmitten des Zirpens und Blinkens moderner Geräte längst anachronistisch durch die Praterluft schwankt: rot, gelb, blau lackierte Schiffchen. Es ist der Arbeitsplatz, an dem einst eine archetypische Wiener Rummelplatz-Figur die Handbremse zog: Nämlich der berüchtigte Hutschenschleuderer.

Die groben Kerle sind heute verschwunden. Geblieben ist aber das ewige Versprechen, mit dem der Prater seine Besucher in den Bann zieht. Das deutet ein anderer Klassiker an, der sich wenige Schritte vom berühmten Riesenrad befindet. Auch hier dreht sich ein altes Karussell im Kreis, der Technik-Veteran „Dampf- Carousel“ aus 1897. Weiß lackierte Hutschpferde, ein Märchenschwan, ein Affe im roten Lakaien-Frack und nicht zuletzt die Bilder der Ringelspiel-Sektionen Asien- Orient-Samoa-Amerika halten bis heute ein wesentliches Versprechen des Wiener Wurstelprater hoch: Nämlich jenen Hauch von Exotik, der den Alltag ausblendet, dabei kleine, willkommene Fluchten erlaubt. Dass im Spiegelkabinett Dicke plötzlich dünn werden und die Irrwege im Glaslabyrinth für alle gleich verschlungen sind, dient demselben Effekt. À propos Schlagen: Auch der einst populäre Watschenmann – eine mit Leder überzogene Hau-Drauf!-Puppe, findet sich bis heute hier. Kein Wunder, dass sich diese schlichten Klassiker erhalten haben.

Das Prater Museum

Wer den Wiener Wurstelprater mit diesem Wissen durchstreift, darf sich auf spannende Entdeckungen gefasst machen. Näheres dazu verrät ein Blick in das liebevoll eingerichtete Prater Museum, das die Erinnerungen an die Schausteller und Monstrositäten der alten Tage wie eine pittoreske Gruft verwahrt: Lionel, der haarige Löwenmensch, Poster von den Südsee-Damen der „Samoaner-Truppe“ finden sich hier. Und Hinweise auf eine jener exotischen Tierschauen, die einst den Urwald in die Prater-Au brachten: „Riesenspinnen zum 1. Mal in Wien. 120 jähr. Riesenkrokodil mit seinen Jungen. 60 verschiedene Modeschlangen.“ So lauten die Ankündigungen aus der alten Zeit.

Geisterbahn aus den Fifties

Der Blick auf die vergilbten Plakate von Riesen, Zwergen und Siam-Zwillingen, auf den ersten Wiener Fesselballon und die Laterna magica hat sich im Laufe der Jahrhunderte verdichtet. Eine Welt der Wünsche in Miniatur, die die Träume der Dekaden wie ein Riesen-Kaleidoskop ist der Prater dabei geblieben. Das verrät die Geisterbahn aus den Fifties, die am Jantschweg mit grünen Drachenschuppen und King Kong‘s Stampferbeinen auf uns warten. Einen vitalen Haarwuchs haben die Kulissenbauer dieser Dekade dem Affenmonster verpasst, doch zugleich hat der Teufel – auch das macht die Ecke so heimelig – hier noch ein erkennbares Gesicht: doppelt gehörnt, krebsrot und mit Fledermausflügeln schaurig garniert. Ein Teufel, der wie ein Teufel aussieht. Das ist ähnlich beruhigend wie der Gevatter Tod, der später im schwarzen Uterus der knarrenden, herrlich holprigen Geisterbahnwege fast wie ein alter Freund aus dem Spanplattensarg kippen wird. Es sind diese feinen nostalgischen Details, die für viele Prater-Besucher das eigentliche Faszinosum ausmachen. Und die aus einem unscheinbaren Ringelspiel eine Zeitmaschine machen, in der sich zwei, drei Ären im Kreis drehen: Mini- Straßenbahn im alten Ringstraßen-Look, ein US-Jeep aus Tagen der Nachkriegszeit, darüber ein Helikopter, den Donald Duck bruchgelandet haben könnte. Dazu eine blinkende Feuerwehr, die nur die Vorfreude der aufgeregten Knirpse löschen kann. Und nicht zu vergessen: ein grüner Traktor der österreichischen Traditionsmarke Steyr-Daimler-Puch. Auch er gehört zum Ringelspiel, das einen in die Vergangenheit entführt. Immerhin wurden ja Generationen von Konfirmanden aus Österreichs Dörfern hierher gekarrt, mit dem traditionellen Ziel, sich einmal so richtig mit Zuckerwatte und fettigen Langos vollzustopfen. Der erste Schluck Bier, die funkelnagelneue Uhr, der Crash-Kurs der Halbstarken im bereits 1926 hier eingeführten Autodrom – für viele Österreicher bedeutet der Praterrummel auch eine Initiation.

Mit der Liliputbahn durch die Praterauen

www.liliputbahn.at

Nur logisch, dass sich rund um diese verzauberte Welt eine große, beruhigende Grünzone legt – als ob das „echte Wien“ und die wilden Rummelplatz-Träume des Wurstelprater einen zwischengeschobenen Puffer brauchen würden. Auch heute ist der Wurstelprater ja bloß ein kleinen Teil der weitläufigen Praterauen dar, die mit eigenen Attraktionen locken. Etwa der legendären Liliputbahn, Wiens beliebter Kleineisenbahn, die Fahrgäste neben der schnurgerade verlaufenden Prater Hauptallee hin und her zieht. Wiener Melange plus Milchrahmstrudel im berühmten Cafe-Restaurant Lusthaus, vielleicht ein schneller Sprung zur Pferdewette auf die benachbarte Trabrennbahn Krieau, oder die obligate Joggingrunde – so sehen die beliebten Sonntagnachmittags- Attraktionen aus, die die grüne Lunge der Stadt den Prater-Besuchern bietet. Und im Planetarium, gleich neben dem Riesenrad gelegen, kann man sogar fremde Planeten sehen.


Auf Kaiserin Sissis Spuren wandeln – Sisi-Sehenswürdigkeiten

Elisabeth von Österreich-Ungarn

  • 24. Dezember 1837 in München, Königreich Bayern; † 10. September 1898 in Genf

Als die in München geborene Elisabeth aus dem Hause Wittelsbach 1854 Kaiser Franz Joseph I. heiratete, war ihr nicht bewusst, was damit auf sie zukommen sollte. Ursprünglich sollte der Kaiser ihre Schwester Helene heiraten, doch der 23- Jährige verliebte sich in Bad Ischl in die erst 15 Jahre junge Elisabeth. Die Kaiservilla in Bad Ischl mit ihrem Park bewahrt bis heute das Andenken an Elisabeth. Dort liebte sie später die waldreiche, bergige Umgebung, in die sie lange Reit- und Wanderausflüge unternahm.

„Ich bin erwacht in einem Kerker“ Die junge Kaiserin in Wien

Die Hochzeit fand in Wien statt. Das junge Kaiserpaar residierte fortan in Schloss Schönbrunn und in der Hofburg.Der Wiener Hof galt als der konservativste in ganz Europa und Elisabeth litt unter der strengen Etikette, verkörpert in der Kaiserinmutter Sophie. Aber auch die Ehe war nicht glücklich. Dem pedantischen Kaiser, dessen Interesse einzig dem Militär galt, fand sich eine junge Frau gegenüber, die sich für Mythologie, Geschichte und Literatur begeisterte. Um die Erziehung der Kinder – Elisabeth brachte in den ersten Jahren ihrer Ehe die Töchter Sophie und Gisela sowie den Sohn Rudolf zur Welt – kümmerte sich Sophie. So oft sie konnte, floh Elisabeth in das nahe bei Wien gelegene Laxenburg. In dem großzügigen Park mit seinem Weiher und der neogotischen Franzensburg konnte Elisabeth ihrer großen Leidenschaft, dem Reiten, frönen.

Die ersten Jahre ihrer Ehe waren eine politisch bewegte Zeit, in der die Habsburgermonarchie ihre Vormachtstellung in Europa einbüßte und nach schweren militärischen Niederlagen die italienischen Besitzungen verlor. Franz Joseph widmete Elisabeth nur wenig Zeit; seine außerehelichen Affären verletzten sie tief. Elisabeth wurde daraufhin krank und depressiv, begann aber auch erste Reisen zu unternehmen, um der bedrückenden Enge in Wien zu entkommen.

„Ein Schiff will ich mir bauen“ Freiheitsdrang und Schönheitskult

Gemälde mit Elisabeth I. und Franz Joseph I. in jungen Jahren

Gemälde mit Elisabeth I. und Franz Joseph I. in jungen Jahren. Hofburg in Wien. © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler

Die neu erlangte Freiheit verwandelte Elisabeth in eine selbstbewusste Frau, die ihr Leben mehr und mehr eigenständig gestaltete. Sie kümmerte sich exzessiv um ihr Äußeres und wurde zu jener legendären Schönheit, als die sie in die Geschichte einging. Ihr Schönheitsideal war untypisch für ihre Zeit: Sie definierte es als natürlich und individuell. Einen besonderen Kult betrieb Elisabeth dabei um ihr fersenlanges Haar und ihre schlanke Taille. Um einen Taillenumfang von 51 cm zu erreichen, ließ sie sich in ein enges Korsett schnüren, betrieb fanatisch Sport und unterzog sich langen Hungerkuren. Der Etikette des Wiener Hofes entflohen, wurde sie zum Opfer ihres Schönheitswahns und beklagte „Sklavin ihrer Haare“ zu sein.

Am Wiener Hof aber begehrte Elisabeth auf. Sie erhob Anspruch auf Mitsprache bei der Erziehung ihrer Kinder und forderte, selbst über ihre persönlichen Angelegenheiten und den Ort ihres Aufenthaltes bestimmen zu können. Sie nahm Griechisch- und Ungarischunterricht und stand in enger Verbindung mit dem ungarischen Grafen Andrássy, der später der erste ungarische Ministerpräsident wurde. Vehement setzte sie sich bei Franz Joseph für den österreichisch-ungarischen Ausgleich ein, der schließlich zur Gründung der Österreichisch- Ungarischen Doppelmonarchie führte. Fortan war Elisabeth auch Königin von Ungarn, ein Titel, den sie immer mit Stolz trug.

„Denn es wandelt dir zur Seite deines Herzens Königin“ Eine Freundin für den Kaiser

In den folgenden Jahren mischte sich Elisabeth nicht mehr in die Tagespolitik ein. Sie war noch einmal Mutter geworden. Anders als bei ihren ersten Kindern übernahm sie bei Marie Valerie von Anbeginn an die Erziehung. Franz Joseph versuchte, Elisabeth an Wien zu binden, indem er ihr die Hermes Villa zum Geschenk machte. Die westlich von Schönbrunn im Lainzer Tiergarten gelegene Villa wurde von dem bedeutenden Ringstraßen-Architekten Carl von Hasenauer errichtet. Noch heute vermittelt die Villa einen Eindruck kaiserlichen Wohngefühls abseits höfischer Repräsentation. Alles in allem entsprach sie jedoch mehr dem Geschmack des Bauherren, als dem der Beschenkten, weshalb Elisabeth sich hier nur selten aufhielt. Zumal diese auf ihre ausgedehnten Reisen nicht mehr verzichten wollte. Aktiv förderte sie deshalb die Beziehung des Kaisers zu der jungen Schauspielerin Katharina Schratt, um weiterhin ungestört ihren Freiheitsdrang auszuleben. Nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf 1889 wurde Elisabeths Reisetätigkeit zusehends rastloser. Von schweren Depressionen geplagt, sehnte sie ihren Tod herbei…

„Kommt wohl die letzte Träne als Perle einst zu dir“  Todessehnsucht und Ende in Genf

Der italienische Anarchist Luigi Luccheni wollte schon lange durch ein spektakuläres Attentat auf sich aufmerksam machen. Als der französische Thronprinz früher als geplant aus Genf abreiste, erfuhr er in der Zeitung von der Anwesenheit Elisabeths in der Stadt. Es war der 10. September 1898, als sie das Schiff besteigen wollte, um nach Montreux zurückzukehren, von wo sie am Vortag angereist war. Luccheni stürzte sich auf die nur von einer Hofdame begleitete Kaiserin und rammte ihr eine Feile ins Herz. Nicht einmal zwei Stunden später starb Elisabeth knapp 61-jährig an ihren Verletzungen. Ihre Leiche wurde nach Wien gebracht, wo sie in der Kaisergruft beigesetzt wurde.

44 Jahre lang war Elisabeth die Kaiserin eines untergehenden Großreiches. Den familiären und repräsentativen Aufgaben, die damit verbunden waren, stellte sie die Verwirklichung ihres Freiheitsdranges entgegen. Der ungeliebten Rolle der Kaiserin versuchte sie nicht zuletzt in ihrer Lyrik zu entkommen, worin sie sich als Feenkönigin Titania neu zur Welt brachte.

„Eine Möwe bin ich von keinem Land“ Der Sisi-Mythos

Für ihre Zeitgenossen war sie die schönste Frau Europas. Am Sisi-Kult arbeitete sich die Nachwelt ab und erfand immer neue Zuschreibungen: Die literarische Décadence erklärte sie zur schwermütigen und kunstverliebten Femme fatale, und der österreichische Film der 1950er Jahre schuf, über den darin grassierenden Sissi-Kitsch hinausgehend, mit dem Sissi-Film eine Identifikationsfigur für weibliche Selbstverwirklichung und Rebellion.

Ein eindeutiges Bild lässt sich nicht leicht zeichnen, denn Elisabeth überwachte nicht nur, was die Mitwelt von ihr erfuhr, sondern bestimmte auch, was der Nachwelt von ihren persönlichen Aufzeichnungen erhalten blieb. Ein Bild schon zu Lebzeiten als alterslose Schönheit. So gestaltete sich Elisabeth in verblüffend modern anmutender Weise als Kunstfigur, die ein Jahrhundert nach ihrem Tod als „Sisi“ längst zu einer Art Markenzeichen geworden ist. Dass Elisabeth auch intelligent, sprachenbegabt, belesen und politisch aktiv war, hat erst eine jüngere Historikergeneration sichtbar gemacht. Und sie schuf neue Bilder: Das einer vom Dichter Heinrich Heine inspirierten – mäßig begabten – Lyrikerin, die schwierigste Parforcejagden ritt und im Alter makabre Todesfantasien lyrisch durchspielte.

Sisi-Sehenswürdigkeiten

Schloss Schönbrunn

Die Sommerresidenz der Habsburger, seit 1996 Weltkulturerbe der UNESCO, birgt in ihren 40 Prunkräumen 300 Jahre österreichischer Geschichte. Der angrenzende weiträumige Park konnte sein barockes Aussehen bewahren und bietet mit dem Neptunbrunnen, der Römischen Ruine, dem Palmenhaus, dem Irrgarten, der Gloriette und dem ältesten Zoo der Welt weitere herausragende Sehenswürdigkeiten. www.schoenbrunn.at

Vieux-Laque-Salon / Schloss Schönbrunn

Vieux-Laque-Salon / Schloss Schönbrunn. © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler


Sisi Museum

Im originalen Wohnumfeld Elisabeths in der Hofburg wurde in den Kaiserappartements das Sisi Museum eingerichtet. Das Museum vermittelt einen Eindruck vom Privatleben der Kaiserin und zeigt neben Schmuck, Kleidern, Möbeln und Alltagsgegenständen vor allem die berühmten Porträs Elisabeths. www.hofburg-wien.at/wissenswertes/sisi-museum.html


Schloss und Park Laxenburg

25 Kilometer südlich vom Stadtzentrum Wiens gelegen, bilden das „Alte Schloss“, der unter Maria Theresia erbaute „Blaue Hof“, die nahe gelegene barocke Pfarrkirche und der riesige Englische Park mit der inmitten eines Weihers gelegenen neugotischen Franzensburg eines der schönsten Ausflugsziele in der Umgebung Wiens. Der große Park mit seinen Kanälen, Brücken, Grotten, Tempeln und Pavillons lädt zu Wanderungen ein, für die Fahrt auf dem Schlossteich können Boote gemietet werden. www.laxenburg.at


Hermesvilla im Lainzer Tiergarten

Nahe der Residenz sollte die Villa liegen, die Franz Joseph Elisabeth zum Geschenk machen wollte, gleichzeitig aber abgelegen genug sein, um der menschenscheuen Kaiserin als Refugium zu dienen. Die Wahl fiel auf das ehemalige kaiserliche Jagdrevier des Lainzer Tiergartens an den östlichen Ausläufern des Wienerwaldes. Das riesige, von einer Steinmauer eingefasste Areal ist mit seinem reichen Wildbestand und den weiträumigen Wanderwegen in den Sommermonaten eines der beliebtesten Ausflugsziele Wiens. www.wienmuseum.at

Hermesvilla / Lainzer Tiergarten

Hermesvilla / Lainzer Tiergarten. Bett von Kaiserin Elisabeth I. © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler


Kaisergruft

Im Herzen Wiens unter der Kapuzinerkirche gelegen, bergen die im 17. Jahrhundert errichteten Gewölbe in 138 Metallsärgen die Mitglieder des Habsburgischen Herrscherhauses. Neben den von berühmten Künstlern entworfenen Prunksärgen etwa Kaiserin Maria Theresias und Kaiser Karls VI, stehen die unscheinbaren Kindersärge und jener schlichte Kupfersarg Kaiser Josephs II. www.kaisergruft.at


Kaiservilla in Bad Ischl

Im Herzen des Salzkammergutes gelegen, ist Bad Ischl seit 150 Jahren Kurort und Treffpunkt der Prominenz aus Politik und Kultur. Inmitten eines großen Parks mit altem Baumbestand liegt die Kaiservilla. Elisabeth liebte den großen Park, den sie ihren „Wundergarten“ nannte, und den nahe gelegenen Jainzen, ihren „Zauberberg“. Die Schauräume der Villa scheinen eben erst von ihren einstigen Bewohnern verlassen zu sein. www.kaiservilla.at


Stadtführungen auf den Spuren Kaiserin Elisabeths in Wien

„Wenn man nicht nach seiner Art glücklich sein kann, so bleibt einem nichts übrig, als sein Leid zu lieben.“ Stadtspaziergang auf den Spuren des Mythos Kaiserin Elisabeth (wahlweise mit dem Zusatzangebot Sisi Museum und Kaiserappartements) www.fremdenfuehrerwien.at

„Sisi und Franz Josef – die Geschichte einer Liebe“ Stadtspaziergänge von City Tours www.citytours.co.at

www.wienfuehrung.at

„Sisis Verse – das Poetische Tagebuch der Kaiserin Elisabeth“ In den Kaiserappartements der Hofburg liest die Schauspielerin Elisabeth-Joe Harriet Auszüge aus dem Tagebuch der Kaiserin. www.elisabeth-joe.harriet.com


Ballkalender: Tipps für den Ballbesuch

Ballgeschichte

In Wien finden im Winter über 400 Bälle statt, frequentiert von 300.000 tanzfreudigen Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt. Ein einmaliges Flair entsteht durch das zeremonielle Programm. Der Grund für die karnevaleske Ball-Sucht der Wiener ist im 18. Jahrhundert zu finden: Das Tragen von Masken und Kostümen war dem Adel im privaten Rahmen vorbehalten. Zum Ausgleich öffnete Kaiser Josef II. die Tanzveranstaltungen in den Redoutensälen der Hofburg für alle. Dabei schauten sich die Wiener die höfischen Sittendieser Feiern ab und behielten sie bis heute bei: Strenge Kleidungsvorschriften, Eröffnungsfanfare, der Einzug der Debütantinnen und Debütanten und der Ausruf „Alles Walzer!“, Tanzordnungen und Musikwechsel sowie die sogenannte Mitternachtseinlage, meist eine Quadrille, und der dezidierte Schluss zeugen davon. Einmalig ist auch die Damenspende, ein ausgewähltes Geschenk für jede Besucherin beim Eintritt in den Saal.

Der Walzer als Paartanz irritierte zunächst und bot Anstoß zu moralischer Entrüstung. Der Wiener Kongress (1814/15), der zur Neuordnung Europas nach Napoleons Feldzügen in Wien tagte, machte ihn salonfähig. Die politische Arbeit war so reichlich von Bällen begleitet, dass der legendäre Spruch „Der Kongress tanzt!“ entstand. Was der Kongress tanzte, war schließlich weltbewegender als jeder Beschluss: Der Wiener Walzer wurde zum König der Tänze gekürt.

Die berauschenden Drehbewegungen im Walzer-Schritt brachten intimes Vergnügen in die kirchlich-festlichen Ballsäle. Und Johann Strauß Vater (1804 – 1849), der die Vorherrschaft des Walzers mit 152 solcher gelungenen Kompositionen begründete, spielte mit seinem Orchester von Wien bis London zu diesem schwärmerischen Tanz auf. „Darf ich bitten?“ ist die schönste Einladung einer langen Ballnacht und lässt Herzen schneller schlagen. Bei der Damenwahl – hier fordern die Frauen die Herren auf – erfahren auch Männer, welches Gefühl es ist, der Erwählte zu sein.

Ball in der Strauss Ära /historisches Aquarell / 1876 in Wien

Ball in der Strauss Ära /historisches Aquarell / 1876 in Wien. Strauss Museum (Wohnung). © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler

Viele der Wiener Bälle werden heute von Berufsständen ausgerichtet. Der Kaffeesieder-Ballverwandelt die Wiener Hofburg mit einem elegant-charmanten Programm in das festlichste Tanzcafé der Stadt; die Zuckerbäcker warten bei ihrem Ball mit einem Ballett von Mehlspeisen auf. Vielen gilt der Ball der Wiener Philharmonikerals inoffizieller Höhepunkt der Ballsaison; er findet in den Sälen des Wiener Musikvereins statt, von wo aus auch das Neujahrskonzert jährlich in die Welt übertragen wird. Der Opernball, der im Wiener Opernhaus, „im schönsten Ballsaal der Welt“ stattfindet, ist der Staatsball der Republik Österreich und zugleich Ball der Künstler der Wiener Staatsoper.

Staatsoper in Wien

Staatsoper in Wien. Nachtaufnahme mit Fassadenbeleuchtung. © Österreich Werbung, Fotograf: Viennaslide


Ballkalender: die schönsten Bälle

Wiener Opernball

Der „Ball der Bälle“ ist der Wiener Opernball in der Wiener Staatsoper. Dieses gesellschaftliche Topereignis, zu dem jedes Mal bis zu 12.000 Besucher aus dem In- und Ausland kommen, wird live im Fernsehen übertragen und geht in seiner Tradition zurück auf die Zeit des Wiener Kongresses. Damals wurde die Zusammenkunft von Monarchen und Staatsoberhäuptern wichtiger Nationen zur politischen Neuordnung Europas von vielen gesellschaftlichen Veranstaltungen begleitet. Aus dieser Zeit rührt auch der bekannte Ausspruch „Der Kongress tanzt“ Unter dem Namen „Wiener Opernball“ fand dieser schließlich erstmalig 1935 statt. Seitdem wird alljährlich, am letzten Donnerstag im Fasching, das Wiener Opernhaus mit abertausenden Rosen geschmückt und heimischer sowie internationaler Prominenz aus Politik, Kultur und Sport Tür und Tor der prunkvollen Oper in der Wiener Innenstadt geöffnet.

Mehr als 600 Personen arbeiten für den aufwendigen Umbau und die Dekorierung der Oper. Ihnen stehen bis zum Einlass am Donnerstag nur 70 Stunden zur Verfügung. Zu aller erst wird die Bestuhlung im Parterre des Zuschauerraumes demontiert, dann auf einem Gerüst ein Fußboden eingezogen, der eine ebene Tanzfläche von mehr als 800 m² bildet. Seit 2008 wird zusätzlich vor dem Haupteingang am Ring ein überdachter und abgeschirmter Eingangsbereich mit rotem Teppich aufgebaut. Am Mittwoch Abend findet eine Generalprobe statt, die öffentlich zugänglich ist. An der opulenten Eröffnung sind rund 180 Tanzpaare beteiligt – das Jungdamen-und Herrenkomitee. Anschließend wird traditionell mit dem von Johann Strauß geprägten Kommando „Alles Walzer“ die Tanzfläche für alle Ballbesucher freigegeben.

Karten für den Wiener Opernball
www.wiener-staatsoper.at

Kaffeesiederball
Renommierter Ball in der Hofburg und den Redoutensälen.

www.kaffeesiederball.at

Zuckerbäckerball
Der Zuckerbäckerball findet jährlich in der Hofburg statt.

www.zuckerbaeckerball.com

 

Ballkalender

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen und Termine zu allen Bällen Österreichs.
www.ballkalender.at

Wiener Tanzschulen
www.tanzschulen.co.at

Johann Strauß jun. Wohnung
Johann Strauß (1825 – 1899) war der erfolgreichste Spross der Walzerdynastie
und als solcher zwangsläufig der härteste Konkurrent seines Vaters. Die Wohnung
des Komponisten ist jederzeit zu besuchen. Achtung: spezielle Öffnungszeiten!
www.wienmuseum.at

Stadtführung „Tanz in Wien
www.ahre.at/wien/fuehrungen/wien-tanz-fuehrung.htm

Etikette-Kurs
Der renommierte Tanzlehrer Thomas Schäfer-Elmayer gibt auch „Benimmkurse“.
www.elmayer.at/etikette


Ballausstattung in Wien

Abendmode für Damen
Joppich ist die erste Adresse in Wien für Ballkleidung.
www.balina.joppich.eu

Tanzschuhe für Damen
www.tanzboutique.at

Kleiderverleih
Smoking und Abendrobe für eine Nacht? Alles zu finden beim Kleiderverleih.
www.kleiderverleih.at

Frackverleih Lambert Hofer
www.lamberthofer.at/abendgarderobe/


Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

.Diese alljährlich live in über 50 Länder der Erde übertragene Veranstaltung findet traditionell am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereines statt. Die bisherigen Dirigenten des hauptsächlich den Werken der Strauß-Dynastie gewidmeten Konzertes zählen allesamt zu Koryphäen ihres Fachs: beispielsweise Herbert von Karajan, Lorin Maazel, Claudio Abbado oder zuletzt Georges Prêtre.

Musikverein in Wien / Nachtaufnahme

Veranstaltungsort des Neujahrskonzerts: das Konzerthaus des Musikvereins in Wien. © Österreich Werbung, Fotograf: Viennaslide

Karten für das Wiener Neujahrskonzert zu bekommen ist für viele kein aussichtsreiches Unterfangen. Mit Glück kann man auf der Internetseite des Orchesters per Los eine gewinnen. Der Grund für dieses Interesse liegt wahrscheinlich darin, dass nicht nur die Dirigenten, sondern auch das Orchester der Wiener Philharmoniker bei Anhängern klassischer Musik allerhöchstes Ansehen genießen. Der Austragungsort des Wiener Neujahrskonzertes, der Wiener Musikverein, ist ebenso nicht „irgendein“ Konzerthaus, sondern eines der prunkvollsten und bekanntesten der Welt.

Einzige Möglichkeit, per Los Karten für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu erhalten
www.wienerphilharmoniker.at

Veranstaltungsort desNeujahrskonzerts
www.musikverein.at


Der Wiener Naschmarkt

Es ist kein Zufall, dass es immer heißt, in Wien beginne der Balkan. Wenn man über den Wiener Naschmarkt undan einem Samstag über den daran anschließenden Flohmarkt schlendert, spürt man ganz deutlich, warum.

Zwei große Handelsrouten kreuzten sich einst in Wien: die Bernsteinstraße, die den Norden mit dem Süden verband, und die Donauroute mit ihrem Ost-West-Verlauf. Zu Wasser und zu Lande wurden schon vor hunderten von Jahren Waren aus dem Abend- und Morgenland nach Wien gebracht und besonderer Beliebtheit erfreuten sich dabei seit eh und je exotische Lebensmittel. Zusätzlich sorgten Bauern aus der Provinz mit heimischen Produkten für das leibliche Wohl der einst kaiserlichen Hauptstadt. All diese Anbieter sammelten sich auf dem ursprünglich „Aschenmarkt“ genannten Markt, aus dem im 19. Jahrhundert der „Naschmarkt“ wurde – passend zum verlockenden Angebot an Obst, Gemüse und süßen Naschwaren.

Naschmarkt

In den 1920er-Jahren erhielten die Händler schließlich kleine Geschäftslokale für ihre Ware, damit sie ihren Marktstand nicht mehr täglich auf- und abbauen mussten. Auch bei schlechtem Wetter waren Lebensmittel und Verkäufer so viel besser geschützt, eine echte Errungenschaft für den ganzjährig stattfindenden Markt. In drei schmalen Zeilen wurden die Waren von nun an vor den kleinen Markthäuschen ausgebreitet und lautstark angepriesen.

Seither feilscht ganz Wien um die frischen und raren Viktualien auf dem Naschmarkt. Und schlendert man von der Sezession beim Karlsplatz bis zur Kettenbrückengasse durch den Markt, spürt man es durch die lauten Anpreisungen der Händler über alle Zeiten hinweg: das Flair des Balkans. Von überall her strecken sich einem Schafskäse, Oliven, Wasabi-Nüsse oder pflückfrische Datteln entgegen. Es tönt „schöne Frau“, „junger Mann“, „Probieren, der Herr?“ und „Bitteschön, was darf es sein?“.

Vorbei an nordischen Fischständen, einheimischen Obst- und Gemüsehändlern, die auch selten gewordene Sorten wie Lederäpfel und Pastinaken führen, und an „Gemüse-Edith“ mit neuen Pilzen aus dem Burgenland … Betörende Gerüche dringen aus den orientalischen und asiatischen Kleingeschäften. Die „Käsehütte“ lockt mit exquisiten Sorten – vom norwegischen Karamell-Käse bis zum korsischen Brin d’Amour. Bäckereien, Marktstände mit Fleisch und Meeresfrüchten, Essigspezialitäten, der „Gurken Leo“, sie alle verbreiten eine Basar-Stimmung wie sie lebhafter wohl kaum sein könnte.

Und wenn man nicht aufpasst, hat man die Einkaufstasche schneller mit Köstlichkeiten gefüllt als einem lieb ist: „Casanova’s Antipasti“ verlocken mit schier endlosen Vorspeisen-Variationen, „Bio-Welt“ und die „Ayurveda Coast“ verführen mit ihrem reichhaltigen Angebot zum gesunden Großeinkauf, aber auch Blumen und Topfkräuter aus Österreich leuchten farbenfroh um die Wette.

Naschmarkt. (c) Wien Tourismus

Delikatessen aus Persien erfreuen alle Sinne: getrocknete Sternfrüchte, Baby- Kiwis, Berberitzen, Nüsse, Feigen, arabische Schokolade. Herr Reza vom „Kaspien-Markt“ lässt seine Kunden gerne davon kosten. Der ehemalige Architekt plaudert gern und erzählt vom Lieblingsessen des letzten Schahs von Persien, der sich jede Woche einmal Berberitzenreis zubereiten ließ. Das Rezept in englischer Sprache gibt es auf Anfrage!

Ahmad Maan, Sohn eines Heilkundigen aus Bagdad, führt seine Familientradition hier am Naschmarkt weiter und bietet Gewürze, Tees und Öle in seinem „Kräuterhaus“ an. Ob Kardamomsamen, Boxhornklee, Galgantwurzel, Mistelkraut oder das „marokkanische Gold“, das Arganöl – alles entfaltet seine spezifische Wirkung auf den Körper. Auf Wunsch fertigt der stets fröhliche Iraker für die diversen Kalamitäten eigene Heilmittelmischungen an. Tipp: Die Gedächtnisleistung fördert arabischer Weihrauch!

Das Wiener Traditionsunternehmen Gegenbauer, gegründet 1929, flankiert mit gleich zwei attraktiven Ständen die Naschmarktgasse. Zur Linken duftet es nach feinem Essig – der Enkel des Gründers hat in leidenschaftlicher Forschungsarbeit innovative Essigprodukte entwickelt, deren Einzigartigkeit sich vor dem Kauf auch probieren lässt: Vogelbeeressig, Quittenessig, Marillenessig in Glasballons gereift. In manchen Gourmet-Restaurants dienen Gegenbauer-Essige nicht nur der Speisenverfeinerung, sondern werden sogar als antialkoholischer Digestif gereicht. Der Grund: Die 60 aromatisch-delikaten Sorten edelsauren Trinkessigs wirken basisch bzw. entsäuernd!

Gegenbauers Kaffee- und Kornmühlen befinden sich vis-a-vis. Eine Kaffeesorte wird hier auf dreierlei Arten geröstet: als „Morning“, „Naschmarkt“ und „Evening“. Doch auch Kornsorten lassen sich bei niedriger Temperatur rösten und entwickeln dabei exquisiten Geschmack. Gegenbauer lässt hierfür von Biobauern alte Sorten wie Emmer, das luteinhältige Einkorn, Bergweizen, Nackthafer und Nacktgerste anbauen. Als innovatives und gesundes Produkt hat das Röstgetreide bereits viele Küchen erobert!

Am Ende des Naschmarkts, nahe der Kettenbrückengasse, fällt ein freundlicher Blumenstand auf. „Hopf Rosen“ setzt auf Freilandrosen aus Österreich und bietet sogar essbare Rosen an. Und auch die Edelzüchtung „Christiane Hörbiger“ zu Ehren der österreichischen TV-Darstellerin findet man hier.

Jeden Samstag findet außerdem ein Bauernmarkt mit frischen „Schmankerln“ aus dem näheren Umland statt. Weil Einkaufen hungrig macht und die tagesfrische Qualität der Produkte sich geradezu anbietet, sie in kulinarische Köstlichkeiten zu verwandeln, wurde aus einer der beiden Verkaufsstraßen mittlerweile eine Restaurant-Zeile. Dabei steht das gastronomische Angebot in seiner Vielfalt den Viktualienständen aber in nichts nach.

In einer zweiten Zeile bietet der Naschmarkt eine große Vielfalt an Gastronomie für jeden Geschmack: vom edlen Fischrestaurant über Sushi und asiatische Küche, klassische Wiener Küche, italienische Grillspezialitäten, Pasta, Palatschinken oder griechische Spezialitäten bis hin zur multikulturell geprägten Küche, die sich ihre Inspirationen aus allen Köstlichkeiten des Naschmarkts holt. Und weil hier wirklich alle gut kochen, sind die winzigen Lokale mittags meist brechend voll. Im Sommer platzen die Mini-Restaurants auch abends aus allen Nähten, da die Gastronomie – im Gegensatz zu den Marktständen – bis 24 Uhr geöffnet hat.

Wiener Naschmarkt

Abendstimmung in den Restaurant-Gassen des Wiener Naschmarktes. © Österreich Werbung, Fotograf: Volker Preusser

 

LINKTIPPS:

Führungen über den Naschmarkt
www.viennawalks.com

Übersicht über die Stände
www.wienernaschmarkt.eu/staende.html

Der Wiener Naschmarkt
6. Bezirk, Wienzeile zwischen Sezession und Kettenbrückengasse
Mo – Fr 6.00 – 19.30 h,
Sa 6.00 – 17.00 h

Gastronomie:
Mo – Sa 6.00 – 23.00 h

Angeführte Stände Nr.
Ayurveda Coast 600
Biowelt 326 – 330, 364 – 373
Dr. Falafel 515, 544, 545
Gasthaus „Zur eisernen Zeit“ 316
Gegenbauer Essigbrauerei 111 – 114
Gegenbauer Rösterei 56
Gemüse Edith Jarosch 28
Gurken Leo 246
Hopf Rosen Landparteienplatz
Käsehütte 509
Kaspien-Markt – Reza Odabai 241
Kräuterhaus – Ahmad Maan 24 – 27
Palatschinkenkuchl 131 – 138


Der schönste Flohmarkt der Stadt

Jeden Samstag verwandelt sich der Abschnitt im Anschluss an den Naschmarkt, von der U-Bahn Station Kettenbrückengasse bis hin zur Pilgramgasse, in eine bunte Welt aus keineswegs fabrikneuen Dingen. Viele davon stammen aus dem 20. Jahrhundert, andere sind bedeutend älter und rare Antiquitäten.

Der einmal wöchentlich stattfindende Flohmarkt bietet eine Fülle an Entdeckungen. Einiges wird auf Teppichen am Boden feilgeboten, anderes auf Tischen präsentiert. Bei Sonne reflektieren die Sonnenstrahlen aus Spiegeln und poliertem Silbergeschirr, spalten sich an Kristalllampen und -vasen ins Regenbogenspektrum auf, huschen über Porzellan und CD-Hüllen, bringen das Weiß und die Neonfarben in den Kleiderkisten zum Leuchten. Bereits seit dem Mittelalter ist diese Form des Darbietens von Altwaren in Wien etabliert – seit 1977 findet der „Wiener Flohmarkt“ hier an der linken Wienzeile statt, wobei sich unter die vielen Privatanbieter auch einige Händler mischen.

Flohmarkt beim Naschmarkt. ©WienTourismus/Popp & Hackner

Eingerahmt von imposanten Jugendstilbauten ist der samstägliche Wiener Flohmarkt ein Treffpunkt für alle, die multikulturelle Atmosphäre lieben. Er ist eine Mischung aus alten Dingen und jungen Leuten und macht den Besuch sowohl für Flohmarktenthusiasten als auch für Flaneure zu einem Erlebnis der besonderen Art.

Der Wiener Flohmarkt: Linke Wienzeile zwischen den U-Bahn Stationen Kettenbrückengasse und Pilgramgasse, Samstags von 6.30 – 18.00 h


Wien-Tipps für Weintrinker: der Heurigen-Ausflug

Mit 700 ha Anbaufläche ist Wien die einzige Metropole Europas mit ökonomisch bedeutendem Weinbau. Ein Teil davon wird in einige der international besten Lokale exportiert, aber den größten Teil trinken die Wiener selbst. Warum, ist einfach erklärt. Nur hier gibt es das Phänomen des „Heurigen“!

„Ich muss im früher‘n Leben eine Reblaus g‘wesen sein …“, singt Hans Moser. Den Schädling Reblaus gibt es zwar schon lange nicht mehr, aber Moser, der einstige Star des österreichischen Films, beschreibt in dem Lied sehr gut die Beziehung der Wiener zu ihrem Wein, nämlich eine sehr innige. Die Wurzeln für diese Zuneigung reichen zwar zurück bis ins Jahr 750 v. Chr., der Durchbruch kam jedoch erst 1784: Seit damals dürfen Wiener Winzer im eigenen Lokal Wein und selbst erzeugte Lebensmittel verkaufen. Mit diesem Erlass war der „Heurige“ geboren und seit damals gibt es kaum einen Spaziergang durch die malerischen Weinberge an den Stadtgrenzen, der nicht zum Wiener Wein führt.

Ob Winter oder Sommer, immer wieder entfliehen die Wiener dem Alltag mit einer kleinen Reise an den Stadtrand. Dort, inmitten der sattgrünen Weingärten, am wärmenden Kachelofen oder unter schattigen Laubbäumen, fühlen sich die Wiener am allerwohlsten. Der Drang zum Heurigenausflug erfasst übrigens alle Gesellschaftsschichten und beim Heurigen haben sie auch alle Platz. Einfache Holzbänke auf einer Wiese oder im Gastraum, Selbstbedienung bei den Speisen und moderate Preise beim Wein sorgen dafür, dass schon mal der Generaldirektor neben dem Bauarbeiter oder die Ministerin neben dem kleinen Beamten sitzt. Aber genau diese Mischung und der gemeinsame Genuss einfacher Freuden macht die Beliebtheit dieses Ortes aus.

Heuriger Wieninger am Nussberg. ©WienTourismus/Peter Rigaud

Auch unterschiedliche Altersgruppen existieren hier friedlich nebeneinander. Der Heurige war nämlich immer schon kinderfreundlich. Fast jeder Betrieb verfügt über eine Wiese, manche sogar über einen Spielplatz. Außerdem muss beim Heurigen niemand still sitzen bleiben, auf weiße Tischtücher Acht geben oder Angst haben, dass ein verschütteter Apfelsaft jemanden aufregen könnte. Die besten Heurigen verfügen zudem über einen wunderbaren Ausblick. Wenn dann die Nacht hereinbricht, die Lichter der Stadt mit den Sternen um die Wette funkeln, sind das Eindrücke, um die die Bewohner anderer Großstädte die Wiener zu Recht beneiden.

So paradox es klingt, aber genau diese Vorzüge haben dem Hauptdarsteller dieser Geschichte geschadet, dem Wiener Wein. Die Winzer mussten sich nämlich ob des Besucherandrangs lange Zeit nicht um die Qualität ihres Weines kümmern. Dabei bieten der Boden und die klimatischen Voraussetzungen exzellente Bedingungen für hochwertigen Wein. Doch diese muss man geschickt zu nutzen wissen. Trotz der geringen Anbaufläche ist das Gebiet nämlich enorm differenziert.

Die Donau schafft in Wien ein besonderes Kleinklima und trennt die Stadt in mehrere geologische Zonen. Der weit ins Stadtgebiet hineinreichende Wienerwald wiederum bewirkt, dass im Süden Wiens ein anderes Klima herrscht als im Norden und Westen der Stadt. Nicht jede Rebsorte gedeiht überall gleich gut und wer hier Spitzenprodukte erzeugen will, muss Feinheiten beherrschen, die in anderen, größeren Anbaugebieten Europas den Winzern nicht abverlangt werden.

Geografisch gesehen liegen die wesentlichen Anbaugebiete im Bereich Kahlenberg-Bisamberg, dem Nord-Osten der Stadt, und ganz im Süden auf dem Mauerberg. Die Südlage und das milde Klima eignen sich besonders für die Rebsorten Veltliner, Riesling, Weißburgunder oder diverse Rotweinsorten. Eine Wiener Spezialität mit langer Tradition ist auch der „Gemischte Satz“. Hier wachsen die Reben verschiedenster Sorten bunt gemischt in einem Weingarten. Die Trauben werden gemeinsam geerntet und verarbeitet. Anders als bei einer Cuvée, wo die Weine reinsortig vergoren und kurz vor der Füllung verschnitten werden, findet hier die Vermählung schon in der Natur statt. So können die feinen Unterschiede der Böden und des Kleinklimas in den Weingärten durch das jeweils optimale Traubenmaterial genutzt werden.

Und so geschah es vor noch nicht allzu langer Zeit: Der Wiener Wein stieg ins internationale Spitzenfeld auf. Wie bei vielen Produkten österreichischer Herkunft musste aber das heimische Publikum erst durch Sommeliers und Gourmetkritiker aus dem Ausland davon überzeugt werden, dass der Wiener Wein inzwischen hervorragend ist. Dieser Qualitätssprung, dem viele weitere Winzer folgten, freut nun die Wienerinnen und Wiener und ihre Gäste, denn noch immer wird der überwiegende Teil der jährlichen Produktion direkt beim Heurigen getrunken. Auf einfachen Holzbänken und in trauter Eintracht der verschiedenen Gäste.

Wein- und Heurigentipps:


Die Wiener Weihnachtsmärkte

Der größte Christkindlmarkt des Landes findet vor dem Wiener Rathaus statt. Die großen Fenster des neugotischen Rathauses verwandeln sich in von Künstlern gestaltete, bunte Fenster eines riesigen Adventkalenders. In den riesigen Bäumen des Rathausparks hängt leuchtender, überdimensionaler Christbaumschmuck. An 150 Ständen kann man essen, Glühwein trinken und Weihnachtsgeschenke kaufen. Dieser Winterzauber, der mittlerweile drei bis vier Millionen Besucher aus aller Welt anlockt, geht auf eine wirklich alte Tradition zurück. Bereits im Jahr 1298 erteilte Albrecht I. den Wiener Bürgern das Privileg zur Abhaltung eines „Dezember- Marktes“ oder „Krippenmarktes“.

Adventmarkt am Rathausplatz

Christkindlmarkt vor dem Wiener Rathaus. © Österreich Werbung, Fotograf: Bartl

Es gibt in Wien aber noch 20 andere offizielle Weihnachtsmärkte. Vor Schloss Schönbrunn etwa wartet neben dem Weihnachtsmarkt ein umfangreiches Rahmenprogramm. Dazu passend finden in den Weißgoldzimmern des Kaiser-Schlosses unter dem Motto „Sternenstaub und Schneegestöber“ Weihnachts-Lesungen für Kinder statt. Vor dem festlich beleuchteten Schloss Belvedere wird ein ganzes Weihnachtsdorf aufgebaut.

Weihnachtsmarkt vor dem Oberen Belvedere

Wiener Adventmarkt am Schloss Belvedere. © Österreich Werbung, Fotograf: Popp Hackner

Kenner besuchen besonders gerne den Markt am Spittelberg, der eingebettet in die idyllischen Biedermeiergassen mit einem ganz eigenen Flair und hochwertigem Kunsthandwerk aufwartet. Und Trendbewusste, die abseits Punsch genießen wollen, finden sich im Eispalast des MuseumsQuartier ein. Neben Punsch und Glühwein werden DJ Sounds, eine Eisstockbahn und magische Lichtspiele geboten.


Wiener Festwochen

Bespielt werden zahlreiche Orte in der ganzen Stadt. Ob MuseumsQuartier – eines der zehn größten Kulturareale weltweit –, Theater an der Wien, Musikverein, Schauspielhaus oder die Märkte und Plätze der Stadt. Klassisches, Zeitgenössisches oder klassische Moderne in Oper und Konzert, legendäre Theatermarathons oder die Wiener Sängerknaben im Gemeindebau gehören ebenso zum Programm wie die alljährliche Reihe „Into the City“, deren Ziel es ist, unterschiedliche Communitys in Wien anzusprechen und in das kulturelle Treiben der Stadt einzubeziehen.

Bei „Bed and Breakfast“ beweisen Gastarbeiter ihre Gastfreundschaft, und „Eine lange Nacht am Naschmarkt“ bringt nicht nur Musik zur Aufführung, sondern fragt auch nach den Menschen, die hier arbeiten. So sind die Wiener Festwochen nicht nur ein Spiegel für die Kulturbegeisterung und Festlaune dieser Stadt, sondern auch ein Angebot zur Offenheit gegenüber anderen Kulturen, auch gegenüber den anderen Kulturen in der eigenen Stadt.

Termin: Mai / Juni

www.festwochen.at


Jazz Fest Wien

Wenn sich für zwei Sommerwochen Parkett und Logen mit einem ausgelassenen Publikum füllen und die Klänge des Jazz Resonanz finden in dem gewaltigen Bühnenraum, dann hat wieder das Jazz Fest in der Wiener Staatsoper seine Zelte aufgeschlagen.

Herbie Hancock war hier und Keith Jarrett, Oscar Peterson und der Erfinder des Bossa Nova Joao Gilberto. Und da die Initiator/inn/en des größten österreichischen Jazzfestivals den Jazzbegriff weit fassen, ebenso Juliette Greco und Ray Charles. Für sie alle war die als eine der ersten Prachtbauten am Ring 1863 bis 1869 errichtete Wiener Oper Bühne. Es sind neben den großen Namen und der programmatischen Offenheit auch die Aufführungsorte, die zum besonderen Flair des Jazz Fest Wien beitragen.

Den ganzen Sommer über ist der gesamte Rathausplatz eine Landschaft der Kultur und internationalen Gastronomie. Im Arkadenhof des imposanten neugotischen Rathauses hat Gilberto Gil das Publikum begeistert und die Stars der Wiener Downbeat-Szene haben die Nächte zum Tag gemacht. Open Air gibt es bei der von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Fernwärmeanlage Spittelau.

Einen weiteren Festivalbezirk bildet das MuseumsQuartier, einer der zehn größten Kulturbezirke weltweit, das mit seinem Mix aus barocken Fassaden, modernen Museen, Galerien, exzellenter Gastronomie, Konzert- und Tanzsälen und mehreren Höfen eine lebendige Oase inmitten einer Millionenstadt bietet. Dazu kommen natürlich die Jazzclubs der Stadt wie das Porgy & Bess und das traditionsreiche Jazzland. Ein besonderes Augenmerk der Veranstalter gilt den heimischen Musikern.

Termin: Juni / Juli

www.viennajazz.org


Sightrunning: laufend Wien entdecken

Mit den Guides von Vienna-Sightrunning lernt man die österreichische Hauptstadt von einer ganz anderen Seite kennen – und tut gleichzeitig der eigenen Fitness, Ausdauer und Gesundheit etwas Gutes.

Der Stephansdom, die Hofburg, das Parlament und die weltberühmte Ringstraße: Wiens Sehenswürdigkeiten lassen sich bequem per Fiaker, Bus, Straßenbahn oder zu Fuß erkunden. Wer es eher sportlich mag, kann sich die Stadt unter Anleitung fachkundiger Sportwissenschaftler aber auch „erlaufen“. Start ist im eigenen Hotel oder am innerstädtischen Kongressort. Von dort geht es auf drei verschiedenen Routen entweder durch die historische City, auf den Spuren des „dritten Mannes“ am Wienfluss und dem Kanal entlang zum Prater und dem Riesenrad oder aber von der Donau aus hinauf zum aussichtsreichen Leopoldsberg. Die Routen sind zwischen acht und zehn Kilometer lang und werden jedem Laufniveau gerecht. Auf Wunsch lassen sich aber auch individuelle Touren für Einzelpersonen oder Gruppen zusammenstellen.

www.vienna-sightrunning.at


Baden gehen in Wien

Badeschiff Wien

Direkt in der Wiener City existiert ein Freibad: Beim Donaukanal am Schwedenplatz befindet sich das Badeschiff, wo man von früh bis spät schwimmen, in der Sonne liegen oder sich einfach treiben lassen kann. Abends kommen dann noch Konzerte oder Clubbings hinzu, und so nimmt es nicht wunder, dass das Badeschiff mit seinen Abkühlungsmöglichkeiten zu einem der bekanntsten Plätze der Stadt wurde. Auch diese Idee ist übrigens nicht ganz neu: Bereits im Jahr 1903 wurden am Donaukanal zwei „schwimmende Freibäder“ eröffnet, eines bei der Rotundenbrücke, das andere unterhalb der Nussdorfer Wehranlage.

www.badeschiff.at


Strandbad Gänsehäufel

Wien im Jahr 1900: Während Freud über der Traumdeutung, die Maler in der Sezession und die Literaten im Kaffeehaus saßen, pachtete Florian Berndl eine Insel auf der Alten Donau, einem nach der großen Donauregulierung „abgestorbenen“ Seitenarm des mächtigen Flusses. Er machte seine kleine Insel, den Gänsehaufen – so bezeichnet, weil die Anrainer ihre Gänse dort auf die Weide brachten –, zu einem Naturparadies für alle Bewohner Wiens. Mit Hilfe seiner Frau baute Berndl einige Hütten aus Holz und Flechtwerk, ließ einen ausrangierten Tramwaywagen auf die Insel transportieren, und schon waren Garderoben und Kantine für die Badegäste entstanden. Da sich das Unternehmen als großer Erfolg entpuppte, übernahm die Gemeinde Wien sehr schnell das kleine Paradies der Insulaner: 1907 wurde das städtische Strandbad Gänsehäufel feierlich eröffnet.

1946 gingen die Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle als Preisträger der Ausschreibung für die Neugestaltung des Bades hervor. Es gelang ihnen hervorragend, die alten Baumbestände in ihr Bauwerk zu integrieren und insgesamt dafür zu sorgen, dass das 270.000 Quadratmeter große Badeareal mit seinen 2 Kilometern Sandstrand trotz dieser Dimensionen immer noch intim wirkt. So verfügen die Bewohner und Besucher der Stadt noch heute über eines der größten und schönsten Naturbäder Europas – und das sieben U-Bahn-Minuten vom Stephansdom entfernt.

Strandbad Gänsehäufel
22., Moissigasse 21
Tel.: +43 1 269 90 16

http://www.wien.gv.at/freizeit/baeder/uebersicht/sommerbaeder/gaensehaeufel.html


7 Übernachtungstipps

  1. Boutique Hotel Stadthalle: www.hotelstadthalle.at
  1. Kärntnerhof Wien: www.kaerntnerhof.com
  1. Hotel Altstadt Vienna: www.altstadt.at
  1. Hotel Rathaus: www.hotel-rathaus-wien.at
  1. Hollmann-Beletage: www.hollmann-beletage.at
  1. 25 hours: www.25hours-hotels.com/wien/
  1. Hotel Schwalbe: www.hotelschwalbe.com


Empfehlenswerte Speiselokale in Wien

Gastronomie Wien (Stand 2014)

  1. Eckel (Restaurant), Wien
  2. Figlmüller, Wien
  3. Gmoakeller (Wirtshaus), Wien
  4. Plachutta (Rindfleischparadies), Wien
  5. Huth, Wien
  6. Weibels Wirtshaus, Wien
  7. Zum Schwarzen Kameel (Stadtlokal), Wien
  8. Mraz & Sohn, Wien
  9. Glacis Beisl (Stadtlokal), Wien
  10. Zu den drei Hacken/Drei Hacken Magazin (Wirtshaus/Weinlokal), Wien
  1. Eckel (Restaurant)

Längst ist der „Eckel“ zu einer Wiener Institution geworden. Einmal, weil der Großvater der heutigen Wirtin, Hans Eckel, schon im Jahr 1931 ein berühmt gewordenes Standard-Werk über die österreichische Küche mit dem Titel „Was koche ich heute?“ verfasst hat. Andererseits, weil man hier seit Jahrzehnten die Tradition gepflegter Gastlichkeit und guter Küche hochgehalten hat. Gut heißt aber nicht zwangsläufig nur regional – ganz im Gegenteil: Hier isst man zwar ein Kalbsbutterschnitzel mit Erdäpfelpüree, das von Insidern als das beste der Stadt bezeichnet wird, doch im Fischkalter schwimmen auch immer ein paar Hummer herum. Und so tummeln sich auf der Speisekarte in trauter Eintracht Forelle blau, Esterházy-Rostbraten oder Erdäpfelsuppe neben Hummercocktail, Gänseleberterrine und Entenbrust. In der Zubereitung fühlt man sich der Klassik verpflichtet, schielt nicht nach neuen Moden, sondern macht das, was man macht, einfach gut. Ebenso legendär wie das Lokal selbst ist der Weinkeller, in dem man nicht nur die heimischen Spitzengewächse, sondern auch Bordeaux, Burgunder & Co. in beachtlicher Jahrgangstiefe und zu stets fairen Preisen findet.

www.restauranteckel.at


  1. Figlmüller

Wer Figlmüller sagt, der muss auch Schnitzel sagen, denn das Wiener Schnitzel vom Figlmüller ist wohl das bekannteste der Stadt.

Der Figlmüller, ein an sich unspektakuläres Lokal in einem alten „Durchhaus“ im Herzen von Wien, ist das Epizentrum des Wiener Schnitzels und der Beweis dafür, dass man auch mit einem einzigen Gericht berühmt werden kann – sofern es sich dabei um ein Schnitzel handelt. Dieses wird hier vom Schwein zubereitet (wie es sich ja für ein original Wiener Schnitzel gehört!), dünn ausgeklopft und goldgelb ausgebacken. Somit ergibt sich eine beachtliche Größe und das Schnitzel ist nicht nur ein Gaumen-, sondern auch ein Augenschmaus. Zwar stehen die anderen Gerichte des Hauses etwas im Schatten dieses Stars, doch es lohnt sich, hier auch einmal eine glacierte Kalbsleber oder den gekochten Beinschinken mit Erdäpfelpüree zu probieren. Nur einmal um die Ecke wird im „Figlmüller Bäckerstraße“ das identische Konzept genauso erfolgreich umgesetzt. Das dritte Lokal der Familie, „Figls“ genannt, befindet sich in Grinzing, dem Mekka des Wiener Weinbaus. Dennoch spielt hier das Bier eine wichtige Rolle und man lässt sich sogar ein eigenes, naturtrübes Hausbier brauen. Daneben bietet man zu einer abwechslungsreichen und inspirierten Küche – die Bandbreite reicht von der frischen Weißwurst über den Tafelspitz bis zum Steak, das im Sommer am Holzkohlengrill zubereitet wird – auch eine ambitioniert zusammengestellte Auswahl von Wiener Weinen an.

www.figlmueller.at
www.figls.at


  1. Gmoakeller (Wirtshaus)

In diesem rustikalen Wirtshaus, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Hochkultur-Institutionen Akademietheater und Konzerthaus befindet, scheint auf erfreuliche Art die Zeit stehen geblieben zu sein.

Das Lokal selbst ist legendär: 1858 eröffnet, wurde es in der Nachkriegszeit 40 Jahre lang von zwei Schwestern geführt und viele bekannte und weniger bekannte Wiener Künstler gingen hier ein und aus. Als die Wirtin, Grete Novak, im Jahr 1999 verstarb, widmete ihr sogar die New York Times einen Nachruf … Seither wird das Lokal vom jungen Wirt Sebastian Laskovsky geführt – als traditionelles Wiener Wirtshaus mit hohem Qualitätsanspruch. Im nach wie vor original erhaltenen Ambiente werden all jene Köstlichkeiten angeboten, die zur Wiener Küche gehören: von der Tafelspitzsulz über die gebackene Leber mit Mayonnaisesalat und dem Blunz’ngröst’l bis hin zum Wiener Zwiebelrostbraten. Das alles wird in klassischer Manier zubereitet und zu leistbaren Preisen serviert. Daneben trägt man aber auch saisonalen Gegebenheiten Rechnung: Im Mai steht der Spargel auf der Speisekarte und zu Martini das Gansl – natürlich mit dem traditionellen „Staubigen“. Wer lieber schon einen fertigen Wein trinkt, wird auf der tadellos sortierten Weinkarte ebenfalls problemlos fündig.

www.gmoakeller.at


  1. Plachutta (Rindfleischparadies)

Was der Figlmüller beim Schnitzel, ist der Plachutta beim Rindfleisch. In der Tradition legendärer Wiener Rindfleisch-Tempel sind die Plachutta-Lokale inzwischen selbst schon Legende.

Um das Phänomen Plachutta zu verstehen, muss man wissen, dass gekochtes Rindfleisch seit Jahrhunderten in der Wiener Küche eine ausgesprochen wichtige Stellung einnimmt. Dies wird unter anderem dadurch dokumentiert, dass es eine eigene Wiener Schule der Rindfleischzerteilung gibt, die mehr Teile kennt als irgendeine andere auf der Welt. So entstehen unter anderem Stücke wie der Tafelspitz, der Kavalierspitz, das Schulterscherzel oder das Hüferschwanzel. Sie alle werden vorzugsweise mit Gemüse, Markscheiben und Aromaten gekocht und ergeben so ein saftiges Kochfleisch. Meisterkoch Ewald Plachutta, einst einer der Top-Küchenchefs der Stadt, kehrte irgendwann der Haute Cuisine den Rücken und beschloss, sich fortan ganz dem Rindfleisch und der Wiener Küche zu widmen. Inzwischen entstanden nach dem Stammlokal „Hietzinger Bräu“ (inzwischen: Plachutta Hietzing) noch weitere Lokale, wo man es versteht, das Rindfleisch mit seinen klassischen Beilagen von Rösterdäpfeln bis Cremespinat, Schnittlauchsauce oder Apfelkren, perfekt und stilvoll in Kupferpfandln serviert, auf den Tisch zu bringen. In allen Lokalen erhält man auch Ewald Plachuttas Kochbücher, die zu Standardwerken der österreichischen Küche geworden sind.

www.plachutta.at


  1. Huth

Der Huth ist das beste Beispiel für ein zeitgemäßes Wiener Wirtshaus: modern im Erscheinungsbild, aber klassisch in Sachen Gastfreundschaft und Küche.

Eigentlich betreiben Gabi und Robert Huth ja ein kleines Gastro-Imperium mitten in der Stadt, zu dem drei Lokale gehören, denen eines gemeinsam ist: die hohe Qualität des Dargebotenen. Da sind das „da moritz“, ein „Italiener“ mit fantastischer Pizza und einem ebensolchen „Bistecca Fiorentina“, zu dem man unter anderem hausgemachte Pommes frites in der Papiertüte serviert, sowie das „Huth-Beisl“, in dem man Wert auf eine besondere Bierkultur samt dazu passender Küche legt. Im „Stammhaus“ schließlich, der „Huth-Gastwirtschaft“, einem hellen, modern eingerichteten Lokal mit hohen Fensterbögen, ist man küchenmäßig sowohl der Tradition als auch der Qualität verpflichtet. Stets findet man Klassiker wie die Grammelknödel auf Speckkraut, Beef Tatar, ausgelöstes Wiener Backhendl, Tafelspitz oder Powidltascherl auf der Karte. Ergänzt wird dieses Angebot durch monatlich wechselnde, saisonale Schwerpunkte – von Spargel über Wild bis zum Gansl um Martini. Bestens begleitet werden diese Genüsse nicht nur durch ein perfekt gezapftes Bier, sondern auch von größtenteils heimischen Weinen von der tadellos sortierten Weinkarte.

www.zum-huth.at


  1. Weibels Wirtshaus, Wien

Hans Weibel ist ein Pionier der Wiener Weinkultur und darum spielt der Rebensaft in allen seinen Lokalen eine zentrale Rolle – aber der Mensch lebt nicht nur vom Wein allein.

Am Anfang stand das Vis-à-vis, eine winzige Weinbar im Durchgang Bäckerstraße-Wollzeile, mit Weinfreak Hans Weibel hinter der Theke und vielen damals meist noch halbwissenden Weinfreunden davor. Heute umfasst der Weibel‘sche Genuss-Kosmos neben dem Weibel auch noch das „Wein in the City“, ein legeres Lokal mit traditioneller Wiener Küche, von kleinen Happen bis zum ganzen Menü, und das „Weibels Wirtshaus“ für gehobene Ansprüche. Überkreative Eingebungen sind hier jedoch nicht zu befürchten, vielmehr hält man sich an Bewährtes, das da und dort verändert und verfeinert wird, wobei im Vordergrund stets das hochwertige Grundprodukt und eine solide Zubereitung steht. Bei Kalbsrahmbeuscherl, Erdäpfelschaumsuppe mit Eierschwammerln, geschmortem Kalbsschulterscherzel oder Steinpilzravioli kann man schon ganz schön durstig werden, aber das ist hier wie gesagt das geringste Problem: In Hans Weibels Weinfundus findet sich garantiert immer die richtige Flasche, und wenn sie einmal in einem der Lokale nicht vorrätig sein sollte, wird sie einfach flugs über die Straße getragen.

www.weibel.at


  1. Zum Schwarzen Kameel (Stadtlokal), Wien

Das Schwarze Kameel ist weit mehr als nur ein Lokal und mit Gründungsjahr 1618 längst eine nicht wegzudenkende Wiener Institution.

Ursprünglich war in dem Haus Bognergasse 5 eine „Gewürzkrämerei“ zu Hause, die der Besitzer, Johan Baptist Cameel, nach dem Erwerb im Jahr 1618 „Zum Schwarzen Kameel“ nannte – was das zweite „e“ im Namen erklärt. Auch wird die Lokalität noch heute „Zum Stiebitz“ genannt, was wiederum an eine Besitzerfamilie erinnert, die hier zwei Jahrhunderte lang wirkte. Wie zu allen Zeiten ist das „Kameel“ auch heute noch ein Treffpunkt für ein ebenso illustres wie buntes Publikum: von Wiener Prominenz und Gesellschaft bis hin zu Touristen, die wenigstens einmal das Flair des wunderschönen und original erhaltenen Jugendstil-Ambientes atmen wollen. Die Besitzerfamilie Friese betreibt ein formidables Restaurant und eine Imbiss- und Feinkostabteilung mit einer Vielzahl eigener Produkte. Legendär ist der handgeschnittene Beinschinken, den man hier gerne mit Kren, Schwarzbrot und einem Glas Wein genießt. Feiner geht es natürlich im Restaurant zu, wo unter der kundigen Leitung von Maître Johann Georg Gensbichler Klassiker der Wiener und internationalen Küche auf höchstem Niveau kredenzt werden. Dazu schöpft man aus einem Weinkeller mit rund 800 verschiedenen Etiketten.

www.kameel.at


  1. Mraz & Sohn, Wien

Warum dieses besondere Restaurant noch als Geheimtipp gilt? Weil es abseits der touristischen Hauptrouten liegt und auch in Sachen Ambiente unkonventionelle Wege geht.

Wirklich erstklassige Adressen brauchen nicht unbedingt wirklich erstklassige Lagen. Das ist auch beim Mraz & Sohn so. Denn die Lage des in Drei-Generationen-Stärke geführten Familienrestaurants im 20. Wiener Gemeindebezirk ist für ein Etablissement dieser Art ziemlich ungewöhnlich. Doch kaum hat man die unscheinbare Eingangstür durchschritten, sind die Reparaturwerkstätten, Supermärkte und Imbissstände da draußen auch schon wieder vergessen. Stattdessen fühlt man sich wie in einer anderen, glamouröseren Welt, in der es Kristalllusterketten von der Decke zu regnen scheint und poppig-bunte Kunstwerke von dunkellila gestrichenen Wänden leuchten. Ähnlich außergewöhnlich – und mindestens ebenso geschmackvoll – präsentiert sich die Speisekarte: „Octopus mit Grammelknödel“ wird hier als Vorspeise gereicht, gefolgt von „Brust & Bries vom Kalb mit Lakritzöl und knusprigem Trüffeleis“ oder „wildgefangenem Steinbutt mit knuspriger Kapernblüte, cremigem Seeigel, Granny Smith und grünem Curry“. Und als Nachtisch darf es dann „gegrillte Melone“ oder einfach nur „Alpenmilchschoko“ – natürlich aufs Raffinierteste verfeinert – sein. Wer es weniger süß mag, wählt stattdessen aus den 60 Käse- sowie zwölf hausgebackenen Brotsorten, die zum krönenden Abschluss auf einem riesigen Wagen an den Tisch gerollt werden.

www.mrazundsohn.at


  1. Glacis Beisl (Stadtlokal), Wien

Auf der alten Wiener Stadtmauer liegt ein wenig versteckt dieses Lokal, das mit seinem romantischen Garten ein beliebter Treffpunkt für ein bunt gemischtes Publikum ist.

An die 300 Jahre sind die Gemäuer alt und was heute das bestens frequentierte „MuseumsQuartier“ ist, wurde in der Kaiserzeit für die Hofstallungen und militärische Einrichtungen genutzt. Benannt ist das Lokal, das schon seit der Nachkriegszeit als Stadtheuriger bestand, nach dem „Glacis“, einer freien Fläche vor den historischen Stadtmauern. Heute hat hier eine moderne Gastronomie Einzug gehalten, in der man auf eine gut durchlüftete und da und dort erneuerte Wiener Küche setzt. Da darf natürlich das klassische Gulasch ebenso wenig fehlen wie das Kalbsbutterschnitzel oder das gemischte Gekochte vom Biorind mit seinen Beilagen. Firm ist man aber auch bei allen angenehmen Nebengeräuschen der Kulinarik – vom sauber gezapften Bier über eine feine Edelbrandauswahl bis hin zur ambitioniert zusammengestellten Weinkarte.

www.glacisbeisl.at


  1. Zu den drei Hacken/Drei Hacken Magazin (Wirtshaus/Weinlokal), Wien

Das Gasthaus „Zu den drei Hacken“ ist eines der ältesten in der Stadt: Ein Juwel, das sorgsam gepflegt und mit zeitgemäßem kulinarischem und önophilem Leben erfüllt wird.

Bekannte Künstler wie Franz Schubert, Johann Nestroy oder Moritz von Schwind haben hier schon getafelt, gezecht, komponiert oder skizziert … Und sie wussten offensichtlich, dass in den „Drei Hacken“ gut sitzen und essen ist. Wenig hat sich seither am Erscheinungsbild dieses traditionsreichen Hauses mit seinen schönen Gewölben verändert. Und auch die Küche ist klassisch, dabei aber von hoher Qualität und mustergültiger Umsetzung: Was soll man denn auch noch besser machen an einem knusprigen Schweinsbraten mit Kraut und Knödel, gerösteten Nierndln mit Petersilerdäpfeln oder dem typischen Fiakergulasch mit Semmelknödel, Spiegelei, Würstel und Gurkerl? Ja, man kann hier wirklich fast so speisen wie zu Schuberts Zeiten – nur die Weine sind sicherlich wesentlich besser geworden und hier in reicher Auswahl vorhanden. Dafür sorgt Patronne Josefine Zawadil, die außerdem im Weinhandel tätig ist, was sich im unweit vom Stammhaus gelegenen „Drei Hacken Magazin“ noch deutlicher erkennen lässt. Da schlendert man durch die Weinregale, sucht sich den passenden Tropfen selbst aus und genießt ihn im Lokal zu einer feinen Wiener Küche mit Pfiff.

www.vinum-wien.at


Literaturtipp: ungewöhnliche Orte, überraschend, verstörend, amüsant und schön

 

111 Einblicke und Einsichten in ungewöhnliche Orte, überraschend, verstörend, amüsant und schön verspricht der etwas andere Wien-Reiseführer: „hinter den diskret versteckten Tapetentüren der alten Monarchie ebenso wie in den schrill erleuchteten Entrees des New Vienna, in postmodernen Kaffeehäusern, musealen Beisln, politischen Waschsalons und längst vergessenen Hinterhöfen“.

Lesen Sie nach, wo sich Wien richtig böse, und wo ist es richtig gemütlich ist, wo sich das schönste Stundenhotel der Stadt befindet und wo der Kopf eines Mörders hinter Glas liegt …

Dieses Buch ist ein wahrer Lesegenuss für all jene, die bei ihrem Besuch nicht nur das übliche Standard-Touristenprogramm abspulen möchten.

Beitragsbild: Restaurant des Do & Co am Stephansplatz © WienTourismus/Peter Rigaud

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial