Thonet und mehr: Österreichs Designer entdecken

In Österreich wurden die berühmten Thonet-Stühle erfunden und die Wiener Werkstätte entwarf bereits vor 100 Jahren Stoffe und Möbel, deren Design noch immer zeitlos ist. Heute hat Wien eine junge Designerszene, die vor allem eines ist: bunt und vielfältig.

Mitte des vorletzten Jahrhunderts entwickelte Michael Thonet seine weltbekannten Sitzmöbel aus Bugholz. Designer war er allerdings keiner – er entwickelte seine Stühle aus produktionstechnischen Überlegungen heraus. Sie sollten in großen Mengen herstellbar sein. Immerhin produzierte die Firma Thonet bis zum Jahr 1930 um die 50 Millionen Stück, die in ganz Europa und teils sogar in Übersee vertrieben wurden. Als typische Kaffeehausstühle wurden die Thonet-Stühle schließlich ein Stück öffentliches Design. Heute gelten sie als Klassiker und werden noch immer nachgebaut.



Ganz anders waren die Intentionen der Wiener Werkstätte, die 1903 von Josef Hoffmann und Koloman Moser gegründet wurde. Hoffmann und Moser strebten eine Erneuerung der Kunst auf Basis des Handwerks an und wollten Wien zum Zentrum eines neuen Lifestyles machen. Man wollte nur Gegenstände von besonderer Schönheit aus der Hand geben, deren Verarbeitung durchaus Zeit in Anspruch nehmen durfte. Vor allem, weil sie einfache, geometrisch-abstrakte Stoffmuster und schlichte Formen entwickelten, gelten die Werkstücke der Wiener Werkstätte – ob nun Couch, Lampe oder Tasche – bis heute als Klassiker modernen Designs.

Für die Herstellung der handbemalten oder bedruckten Stoffe der Wiener Werkstätte zeichnete von Anfang an die Firma Backhausen verantwortlich, die bis heute die begehrten Muster vertreibt. Mit ihren Möbel- und Vorhangstoffen ließen sich erst vor kurzem das Hotel Metropol in Moskau und die Suntory Concert Hall in Tokio ausstatten. Im Untergeschoss des Geschäftes von Backhausen in der Wiener Schwarzenbergstraße befindet sich das „Wiener Werkstätte Museum“. Interessierte Besucher können hier 3.500 Originalentwürfe besichtigen.

Ein weiterer österreichischer Herstellername ist inzwischen weltweit bekannt: Swarovski. Gegründet im Jahr 1895, waren die geschliffenen Glaskristalle schon damals das begehrteste Produkt von Swarovski. Bis heute werden daraus imposante Deckenluster und Schmuck hergestellt. Der Vorgang der Glasschmelze ist übrigens eines der bestgehüteten Firmengeheimnisse. Zum hundertjährigen Firmenjubiläum wurde 1995 in Wattens in Tirol das Museum „Kristallwelten“ eröffnet, das seither Besucher aus aller Welt anzieht – glitzernde Welten, multimedial dramatisiert.

Auf eine fast 300-jährige Geschichte in puncto Tischkultur blickt die Porzellanmanufaktur Augarten zurück. Das Wiener Porzellan ist berühmt für filigrane Formen und exquisite Ausarbeitung. Mit genauer Handarbeit und anspruchsvoller künstlerischer Gestaltung – heute entwerfen international anerkannte Designer neue Serien – vereint Augarten Tradition mit zeitgenössischem Kunstverständnis.

Weniger edel, aber nicht weniger bekannt ist die Gmundner Keramik, aus Gmunden am Traunsee. Das mit grünen Linien handverzierte Geschirr wird gerne gesammelt und jedes Jahr um neue Teile ergänzt. Auch Gmundner Keramik geht beim Design mit der Zeit, beispielsweise mit der Serie „Grüner Hirsch“.

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