Österreichs schönste Themenstraßen



Österreich ist ein kleines Land, aber überaus reich an landschaftlichen Schönheiten. Die Auswahl fällt da oft schwer. Eine wunderbare Orientierung angesichts dieser Vielfalt sind die österreichischen Themenstraßen. Wir haben Österreichs schönste Themenstraßen für Sie zusammengestellt – von der Weinstraßen bis zur Romantikstraße zwischen Salzburg und Wien.

 


Die Märchenschlossstraße in Niederösterreich

Vom Zauber des Erzählens

Es gibt Landschaften, bei denen man sich so recht weiß, ob man sich in einer Märchenwelt oder in der Wirklichkeit befindet. Im mystischen Waldviertel oder in der romantischen Wachau liegen diese Welten oft sehr nah beieinander. Vor allem, wenn man eines der vielen Märchenschlösser besucht.

Die Märchen der Gebrüder Grimm, von Hans Christian Andersen oder Wilhelm Busch, die wir als Kinder gehört haben, begleiten uns ein ganzes Leben. Diesen alten und bedeutungsvollen Geschichten wieder zu begegnen, hat sich die Märchenschlossstraße in Niederösterreich zur Aufgabe gemacht. Auf rund 277 Kilometern führt diese Erlebnisstraße durch eine Landschaft, deren dichte Wälder, Hochmoore und bizarre Steinformationen Gegenstand so mancher Sage sind. Von Perchtoldsdorf bei Wien über die Donaulandschaft der Wachau bis ins nördliche Waldviertel führen die elf Märchenwelten der Märchenschlossstraße.

Einer dieser zauberhaften Schauplätze ist Schloss Rosenau. Mit seiner barock verspielten Turmfassade, den geschwungenen Toren und seinen bemoosten Statuen könnte es genauso gut als Dornröschens Domizil durchgehen. Im Schloss selbst, zwischen Seidenkissen, Duftölen und flackernden Teelichter, wird man regelrecht entführt – etwa im Märchenhaus, wo man die Welt aus der Perspektive von Zwergen und Riesen kennenlernen oder Grimms Märchen wieder begegnen kann. Das Puppenhaus mit seinen vielen farbenprächtigen Kostümpuppen aus dem indischen Raum steht dieser wunderlichen Verführung um nichts nach.

Wildromantisch geht es auf der Burgruine Aggstein zu. Hoch über der Donau auf einem Felsen gelegen, war diese Burg über Jahrhunderte der Sitz von Raubrittern. Die seit dem Jahr 2004 vorbildlich revitalisierte Burg mit ihren drei hintereinander liegenden Burgtoren gibt den Besuchern einen anschaulichen Einblick in das Leben des Mittelalters. In die Welt der Sagen entführen zwei Kellerräume unter dem Rittersaal, wo in der Nibelungenausstellung mit liebevoll gestalteten Holzfiguren das wechselhafte Schicksal von Siegfried, Kriemhild und Hagen erzählt wird. 16 lebensecht gestaltete Szenen aus der Nibelungen-Sage entführen in eine Zeit, als auch auf Burg Aggstein so manch ritterlicher Kampf ausgetragen wurde.

An ganz offizieller Stelle, nämlich im Rathaus von Gföhl, wartet ein Märchenhain mit einer historischen fränkischen Rauchküche, in der sich Teufel und Hexen tummeln. Unter ihnen die schöne assyrische Hexe Lilithu und seltsame Zwerge, die in eine Grotte und Kristallwelt locken. Handfester geht es in Gföhl während der Sommermonate zu, wenn Winnetou und Old Shatterhand bei den Karl-May-Spielen am sagenumwobenen Silbersee, der in einer beeindruckenden Freiluftarena angelegt ist, gegen jede Menge Schurken und Banditen kämpfen.

Der ewige Kampf des Guten gegen das Böse ist auch Gegenstand vieler Erzählungen, die alljährlich im Mai beim Märchen-Erzählfest „Fabelhaft“ an acht Orten im Niederösterreich – darunter die Schlösser Schallaburg und Mailberg – zum Besten gegeben werden. Österreichs bekanntester Märchenerzähler, Folke Tegethoff, widmet dieses Festival der Kunst des Erzählens und des Zuhörens. Und sobald die eingeladenen weltbesten Vortragenden „Es war einmal …“ in den Mund nehmen, herrscht im Auditorium gespannte Aufmerksamkeit. Wie zu Kinderzeiten …

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Die Waldviertler Textilstraße

Auf der Waldviertler Textilstraße erfährt man, wie hart das Leben der Textilarbeiter in früheren Jahrhunderten war und wie fantasievoll hier nach wie vor mit Stoffen umgegangen wird – und was das Wort „obandlt“ bedeutet.

Die Geschichte des Waldviertels ist seit jeher eng mit der Textilindustrie verwoben. Den alten Formen der Textilerzeugung begegnet man hier auf Schritt und Tritt – in Bauernstuben und auf Marktplätzen, in alten Fabriken und Weberzeilen, in Haus-, Gassen- und Flurnamen, in Erzählungen und Erinnerungen. 40 Stationen auf der Waldviertler Textilstraße laden zu Ausflügen und Entdeckungsreisen in Geschichte und Gegenwart der Textilregion Waldviertel ein.

Drei Textilmuseen

Das Herzstück der Textilstraße bilden die drei Textilmuseen in Weitra, Groß Siegharts und Waidhofen/Thaya. Sie präsentieren anschaulich Zeugnisse aus der Industriegeschichte und Arbeitswelt der Waldviertler Textilindustrie. So diente das Textilmuseum in Weitra als Weberei der renommierten k. u. k. Modewarenfabrik Hackl & Söhne, die einstmals mehr als 500 Arbeiter/innen beschäftigte. Das lange, weiße Industriegebäude aus dem Fin de Siècle fällt vor allem durch das pagodenartige Dach des Herrenhauses auf. Heute beherbergt die ehemalige Fabrik eine Vielzahl von alten Stoffdruckmodeln, Textilentwürfen und Webstühlen für Dekorstoffe sowie original erhaltene Stoffkollektionen, die die traditionelle Waldviertler Trachtenerzeugung dokumentieren.

Doch das Textilgewerbe ist im oberen Waldviertel nicht nur Geschichte. In Weitra kreiert Elfi Maisetschläger zeitgemäße Trachtenmode, die von ihrem Studium der alten Literatur und durch Spaziergänge in der Natur inspiriert ist. Im selben Ort befindet sich die Zwirnknopferzeugung von Maria Fiedler, die die einzige ihrer Art in Österreich ist. Der Zwirnknopf, der traditionellerweise vor allem bei Bettwäsche und Trachten verwendet wird, besteht aus einem Aluminium-Ring und reiner Baumwolle und hat gegenüber einem Knopf aus Plastik den Vorteil, quasi ewig zu halten und sich leicht vernähen und bügeln zu lassen. Dass auch Papier zum Textilgewerbe gehört, zeigt die Papiermühle Mörzinger, wo noch handgeschöpftes Büttenpapier hergestellt wird. Besucher können hier selbst ihr stilvolles, schneeweißes Briefpapier herstellen. Für Freunde von schillernden Farben empfiehlt sich ein Besuch in der Frottierfabrik Framsohn in Heidenreichstein, wo man mithilfe eines eigenen Farbsystems Frottee-Bademäntel und Handtücher in seiner individuellen Lieblingsfarbe zusammenstellen kann. Die ökologisch nachhaltige Herstellung – alle Stoffe werden im besonders weichen Urgesteinswasser gefärbt – kann auch mit der weltweit ersten Frottiertrachtenserie aufwarten.

Lebhaft ging es wohl in der ehemaligen Bandweberei in Groß-Siegharts zu. Daher nennt man sie heute auch das „Lebende Textilmuseum“. Angesichts der Webstühle in der kleinen Rauchkuchl mit einer einzigen Feuerstelle, um die mindestens ein Dutzend Menschen arbeiteten, wird klar, unter welch harten Arbeitsbedingungen die Bandweber noch vor hundert Jahren arbeiteten. Alle 20 Minuten mussten sie geistesgegenwärtig die 32 Spulen der Bandwebstühle austauschen, 56 mal 15 Meter Band in einer Schicht weben, ohne dass die Mechanik klemmte, und waren dann am Ende des Tages „obandlt“ – fix und fertig.

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Die Mühlviertler Weberstraße

Obwohl die goldenen Zeiten des Weberhandwerks schon lange vorbei sind, im Mühlviertel ist diese Tradition noch überall präsent. Bei einer Reise auf der Mühlviertler Weberstraße folgt man dem Weg der Naturfaser Flachs– vom Anbau bis zur industriellen Verarbeitung von eleganten, feinen Leinenstoffen.

Jahrhundertelang wurde im Mühlviertel Flachs angebaut. Die daraus verarbeiteten Leinenstoffe und Webprodukte wurden ab dem 17. Jahrhundert in alle Welt exportiert. Der Niedergang der Webindustrie erfolgte erst im 20. Jahrhundert – zuerst durch den Bau des gigantischen Moldau-Staudamms auf der tschechischen Seite des Böhmerwaldes, der das Klima im Mühlviertel veränderte und dadurch den Flachs nicht mehr so gut gedeihen ließ. Dann kam die billige Textilkonkurrenz aus Fernost, die vielen Webereien, die ganze Orte im Mühlviertel ernährten, den Garaus machte. Doch es gibt sie noch – die kleinen, feinen Familienbetriebe, die wunderschöne Unikate aus Leinen herstellen.

Photo by N-AH

In Haslach, dem einstigen Zentrum der Leinenweberei, begegnet einem die glorreiche Vergangenheit auch heute noch auf Schritt und Tritt. Am eindrucksvollsten im Webereimuseum, das auf zwei Stockwerken die Verarbeitung des Flachses und die Technik des Webens veranschaulicht. Staunende Besucher erfahren hier, dass vom Flachsanbau bis zum fertigen Leinenstoff ein Jahr vergeht und dafür nicht weniger als 64 Verarbeitungsschritte notwendig sind: vom Trocknen, Riffeln, Brechen des Flachses über das Ausziehen der Fäden, dem Spinnen und schließlich dem Weben, Bleichen und Pressen des edlen Stoffes. Wer „Kette“ und „Schuss“ bis zu diesem Zeitpunkt eher für martialische Ausdrücke gehalten hat, wird angesichts der alten Webmaschinen eines Besseren belehrt, bedeuten in der Webersprache doch „Kette“ die senkrecht gewobenen Fäden, während der „Schuss“ die waagrecht verlaufenden Fäden bezeichnet, die von der Webschützen-Spindel blitzschnell – wie ein Schuss eben – in den Stoff laufen.

Das Webereimuseum

Bei einem Besuch des Webereimuseums sollte man eine Führung mit Josef Eckerstorfer nicht versäumen. Ursprünglich Postler, lernte „der Sepp“ als Spätberufener das Weben und pflegt und wartet seither die historischen Webmaschinen, darunter einige mehr als 150 Jahre alte Jacquard-Webmaschinen, die als Erste mit Lochkartentechnik funktionierten. Seit er Kustor des Museums ist, webt Sepp Eckerstorfer auch selbst – und er lässt jeden interessierten Laien selbst Hand an den Webstuhl anlegen, um sein eigenes Stück herzustellen.

Auch wenn die hellblau leuchtenden Flachsfelder im Mühlviertel weitgehend verschwunden sind, in den bis heute bestehenden Webereien erlebt man nach wie vor die zeitlose Schönheit der Leinenproduktion. Etwa bei der Firma Leitner in Ulrichsberg, wo Haute Couture, Decken, Pölster und Tischwäsche in originärem Design hergestellt werden. Selbiges gilt für die Firma Vieböck in Helfenberg, wo auch die betriebsame Produktionshalle mit acht Webmaschinen besucht werden kann. „Unser Gebäude hat Charakter“, sagt Geschäftsführer Johann Kobler, der mit Stolz darauf verweist, dass seine Leinen-Manufaktur bereits seit 1832 besteht. Ganz heutig sind die feinen Leinenstoffe im Verkaufsraum – vom Bademantel bis zum farbenprächtigen Dirndl in modernem Design lassen sich die Kollektionen anfühlen, probieren und erstehen.

Und wer im Juli im Mühlviertel weilt, sollte keinesfalls den berühmten Webermarkt in Haslach versäumen, denn dann verwandeln tausende Besucher und Aussteller aus aller Welt die verwinkelten Gassen des beschaulichen Orts in ein kunterbuntes Potpourri aus feinen Stoffen.

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Die Mühlviertler Gotikstraße

Das Mühlviertel hat seine mystischen Seiten. Hügel, die oft nebelverhangen sind, und tief eingeschnittene, dicht bewaldete Täler prägen das Geheimnisvolle dieser Landschaft. In den Dörfern dominieren gotische Kirchen mit Schätzen spätmittelalterlicher sakraler Kunst – die sich auf der Mühlviertler Gotikstraße entdecken lassen.

Das Mühlviertel, die nördlichste Region Oberösterreichs, die an Bayern und Südböhmen grenzt, hat viele alte Geschichten und ewige Wahrheiten zu erzählen – von Märtyrern, Heiligen, Verfolgten, Leidenden und Erlösten … Insgesamt 30 Bauwerke auf der Mühlviertler Gotikstraße legen darüber Zeugnis ab. Bei einigen sakralen Meisterwerken muss der kunstsinnige Besucher mitunter zwar den Mesner herausläuten, aber die Kirchenpforten öffnen sich für jeden – ob für Pilger oder Kunstinteressierte. Schließlich sind die Mühlviertler auf ihr gotisches Erbe stolz und geben, gewürzt mit kleinen Geschichten, gerne Auskunft darüber.

Anderswo in Österreich fielen viele gotische Kunstwerke den Türkenkriegen zum Opfer. Oder sie wurden im Zuge der Barockisierung im Laufe des 17. und 18. Jahrhundert schlichtweg weggeworfen oder verbrannt. Zu jener Zeit sah man doch tatsächlich die strenge Formensprache der Gotik als eine Geschmacksverirrung der Kunstgeschichte an und überzog viele Kirchen mit der opulenten Ästhetik des Barock. Anders im Mühlviertel. Hier hat man sich offensichtlich schon immer auf das gute Alte besonnen und das kulturelle Erbe gehegt und gepflegt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der weltberühmte Flügelaltar von Kefermarkt. Dieses Juwel der Mühlviertler Gotikstraße ist eines der herausragendsten Beispiele spätgotischer Holzschnitzkunst. Dabei ist der Künstler der dreiteiligen Altarskulptur bis heute unbekannt! Der aus Lindenholz gefertigte Flügelaltar zeigt in der Mitte die drei Heiligen Petrus, Wolfgang (dem die Kirche geweiht ist) und Christophorus, dessen auf den Stock gestützte Haltung besonders ergreifend wirkt. Seit mehr als 500 Jahren befindet sich der Altar unter dem Netzrippengewölbe der Kefermarkter Pfarrkirche. Reformation, Kriege und Unruhen konnten ihm nichts anhaben – einzig der Holzwurm hat seine Existenz ernstlich bedroht. Es ist dem Dichter Adalbert Stifter in seiner Funktion als Landeskonservator von Oberösterreich zu verdanken, dass der bereits stark mitgenommene Altar in den Jahren 1852–55 restauriert und so der Nachwelt erhalten werden konnte.

Flügelaltar von Kefermarkt
Photo by Herbert_Alg

Ähnliches gilt für viele andere Kunstschätze im Mühlviertel: Kirchen, Kapellen und Flügelaltäre im gesamten Mühlviertler Kernland zeugen vom ausgeprägten Kunstsinn und von der tiefen Frömmigkeit seiner Bewohner. Besonders beeindruckende Bauten sind das imposante Kreuzrippengewölbe der Pfarrkirche von Gutau, die Pfarrkirche von Pabneukirchen mit ihrem romanischen Baucharakter oder die ausschließlich aus Granitsteinen erbaute Dorfkapelle von Wienau. Aber nicht nur Kirchen liegen auf der Gotikstraße. Die „Hauptstadt“ des Mühlviertels, Freistadt, ist ein einzigartiges Ensemble spätgotischer Baukunst. Die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Befestigungsanlage, die fürstliche Burg mit ihrem profilierten gotischen Turm sowie stattliche Bürgerhäuser und wehrhafte Türme lassen bei einem Rundgang die Zeit stillstehen – und erzählen den Besuchern manch mystische Geschichte aus dem Mittelalter.

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Die Mühlviertler Museumsstraße

Im Mühlviertel, so heißt es oft, sei die Zeit stehengeblieben. Vielleicht konnte gerade deshalb so viel aus der alten Zeit erhalten bleiben. Auf der Mühlviertler Museumsstraße laden mehr als 30 Museen und Ausstellungen den Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit ein.

Schon Aristoteles und Caesar kannten den Böhmerwald. Allerdings bezeichneten sie ihn mit dem Namen „Hercynia silva“. Der Wald und die Holzwirtschaft bestimmten denn auch über Jahrhunderte die hügelige Mühlviertler Landschaft. Noch heute findet man an zahlreichen Bächen kleine Sägemühlen, die gemeinsam mit den vielen Mehl- und Leinölmühlen dem Mühlviertel ihren Namen gaben. Freilichtmuseen wie die Venetianersäge in Windhaag bei Freistadt halten dieses Erbe wach. Wenn hier das Mühlrad von Wasser angetrieben wird, Zahnräder über Riemen eine Einblattsäge in Betrieb setzen, die dann ganz ohne Strom ein Baumstamm durchsägt, versetzt dieser jahrhundertealte, wohl durchdachte Mechanismus viele Besucher in fasziniertes Staunen.

Respekt vor der Vergangenheit gebietet auch das Freistädter Schlossmuseum, das im wehrhaften gotischen Turm des Schlosses untergebracht ist. Nicht weniger als acht Stockwerke steigt man hier über steile Treppen hinauf, und in jedem Stock erwartet den Besucher eine andere Facette aus dem alltäglichen Leben der Region. Brauchtum des Jahres- und Lebenslaufs, bäuerliche Wirtschaftsgeräte, alte Uhren und ewige Kalender und vieles mehr erwarten die wissenshungrigen Besucher. Werke der Volksandacht finden hier ebenso Platz wie Belege für den Aberglauben der bäuerlichen Bevölkerung. So finden sich unter den Talismanen und Glückssteinen gar seltsame Stücke wie die „Verschreifeige“, die verhindern sollte, dass einem Lob allzu sehr zu Kopfe stieg … Der luftige Höhepunkt und zugleich Abschluss des Schlossmuseums ist schließlich auf der Turmbrüstung erreicht, wo man mit einem fantastischen Rundblick auf die mittelalterliche Stadt Freistadt und das hügelige Umland belohnt wird.

Die beste Reisezeit für die Mühlviertler Museumsstraße ist von April bis Oktober, denn über den Winter sind viele kleine Museen und die meisten Freilichtmuseen geschlossen. Der Sommer ist auch wohl auch die beste Zeit, um die Tradition der Leinenweberei kennenzulernen – schließlich trägt sich der feine Stoff zur warmen Jahreszeit besonders gut. Einen umfassenden Blick auf das Textilgewerbe gewinnt man etwa im reich ausgestatteten Webereimuseum in Haslach oder im Färbermuseum in Gutau, wo anhand alter Arbeitsgeräte wie den tiefen Farbbottichen aus Eichenholz oder der gewaltigen Mangel zum Plätten der Leinenstoffe die Mühsal der Stoffbearbeitung nachvollziehbar wird.

Ebenso alt wie die Weberei ist im Mühlviertel das Schmiedehandwerk. Lasberg bei Freistadt war früher so etwas wie ein Zentrum dieser Zunft. In einem der ältesten Häuser des kleinen Orts befindet sich die 1526 errichtete Huf- und Wagenschmiede, nur unweit befindet sich die ehemalige Spiralschmiede, die unter anderem die Hufeisen für die Mühlviertler Pferdeeisenbahn schmiedete. Und in der Lasberger Fürstenhammer Hammerschmiede wurden seit dem 16. Jahrhundert Sensen erzeugt. Alle diese alten Handwerksbetriebe sind noch im Urzustand erhalten, und als Erinnerung können sich Besucher in der Hammerschmiede auf einem Münzprägestock den Lasberger Glücksheller selbst schlagen.

Dass die Mühlviertler aber nicht nur hart und fleißig arbeiteten, sondern sich auch gerne dem Genuss hingaben, lässt sich etwa im 1. Oberösterreichischen gerne dem Genuss hingaben, lässt sich etwa im 1. Oberösterreichischen Schnapsmuseum in St. Oswald bei Freistadt oder im Mostmuseum in Neumarkt im Mühlkreis nachvollziehen. Nach einem langen Museumstag lässt eine Verkostung der edlen Tropfen schließlich auch den Gaumen auf seine Rechnung kommen.

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Die Südsteirische Weinstraße

Steil fallen in der Südsteiermark die Weinhänge herab, erhaben thronen die einfachen Weingüter auf den Kuppen der Hügel. Wer von ihnen die fantastische Rundsicht über die Landschaft genießt, begleitet dies am besten mit Weißwein und steirischer Kost. Willkommen in der „steirischen Toskana“!

„Steirerblut ist kein Himbeersaft“ lautet eine beliebte Redewendung in der Steiermark. Auf der Südsteirischen Weinstraße kann man sich davon überzeugen, dass hier tatsächlich nur der Rebensaft zählt. Die rund 25 Kilometer lange Straße zwischen Ehrenhausen und Leutschach führt durch die größte Weinbauregion der Steiermark, in der einige der besten Weißweine gedeihen: Welschriesling, Sauvignon blanc und Muskateller etwa, aber auch Chardonnay, der hier in der Steiermark Morillon genannt wird.

Der Begriff Weinstraße ist tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn entlang einer schmalen Landstraße liegen so idyllische Weinbauorte wie Ratsch, Glanz, Langegg, Schlossberg oder Eichberg-Trautenburg. Teilweise verläuft die Straße entlang der slowenischen Grenze, und mitunter wird man darauf hingewiesen, dass die Staatsgrenze in der Straßenmitte verläuft. Das heißt nun nicht, dass überholen verboten sei, aber angesichts der kurvigen Strecke ist eine Tour de force ohnehin nicht angeraten. Eher sollte man sich treiben lassen, stehenbleiben, wo der Blick besonders schön ist oder ein Weingut besonders einladend wirkt. Denn bewirtet wird man überall – und der Wein genügt immer höchsten Qualitätsansprüchen. Regelmäßig holen die südsteirischen Winzer Preise und Medaillen für ihre edlen Weißweine heim. Aber auch Käsespezialitäten, Bauernmehlspeisen oder steirische Hausmannskost kommen nicht zu kurz, ebenso wenig wie regionale Marmeladen, Edelbrände und selbstverständlich das Kernöl, das aus Kürbiskernen hergestellte Salatöl, das in der Steiermark auch gerne das „grüne Gold“ genannt wird.

Die Glanzer Hoftour

Ein echtes Glanzstück des südsteirischen Hügellandes ist die Gemeinde Glanz. Hier lädt eine leichte Wanderung – die Glanzer Hoftour – dazu ein, die Köstlichkeiten der lokalen Betriebe zu Fuß zu entdecken. Besonders reizvoll ist die Glanzer Kellerstraße, die sich durch die Weingärten schlängelt. Das Klapotetz, das Windrad, das unliebsame Vögel von den Reben fernhalten soll, ist hier gegenwärtig. Und wer den Eorykogel besteigt, wird nicht nur mit einem fantastischen Rundblick belohnt, sondern auch der größten Weintraube der Welt ansichtig. Die von Willibald Trojan aus Glas gefertigte Riesenweintraube hat es sogar ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.

Ein Kommentar

  1. Hallo und vielen Dank für den umfangreichen Artikel. Das Aquarellness in Puch bei Weiz kann ich guten Gewissens empfehlen. Die Apfelstraße in der Oststeiermark natürlich auch sehr schön.

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