Reiseführer Tirol

Tirol – ein erster Überblick

 „Tirol isch lei oans“, heißt es in einem Mundart-Lied, „isch a Landl, a kloans.“ Wer das bergige österreichische Bundesland kennenlernt, weiß bald, dass nur der zweite Teil des Satzes stimmt. Denn Tirol ist vielfältig: Da gibt es das Unterland zwischen der Sportstadt Kitzbühel und der mittelalterlichen Salzstadt Hall, in dem der Dialekt weicher, das Inntal weiter und die Bergrücken nicht so steil sind. Und es gibt das engere, steilere Oberland mit den harten K-Lauten, die ganz hinten in der Kehle gebildet werden.

Aber so facettenreich Tirol ist, so verschieden sind auch die Bräuche und Dialekte in den Tälern von Ober- und Unterland und Osttirol. Nur die sanften, schroffen oder steilen, aber immer imposanten Berge prägen und verbinden das Land. Kenner lassen schon allein die Namen der Gletscher – Pitztal, Kaunertal, Hintertux, Ötztal und Stubai – an immerwährenden Winter denken. Aber ob ewiger Schnee in den Höhen, noble und große Skigebiete bei Kitzbühel, Ischgl und St. Anton am Arlberg oder die gerade zum „Besten Skigebiet der Welt“ gewählte Region Wilder Kaiser- Brixental im Bezirk Kitzbühel: Tirol ist ein Muss für Skifahrer und Snowboarder. Und natürlich auch für Rodler, Skitouren-Geher oder Langläufer.

Wer Tirol nur im Winter besucht, verpasst viel, denn in der wärmeren Jahreszeit wird hier gewandert. Das Gehen auf den und am Berg gilt in Tirol als Kulturgut. Warum, das versteht man, wenn man es erlebt: Über die grünen Wiesen oberhalb von Maurach am Achensee, hinter denen das Rofan-, das Karwendelgebirge und die Alpen aufragen, mit Blick hinunter auf den See. Dazu viel frische Luft und Ruhe, durchbrochen nur von Kuhglockengeläut. Wenn man das erlebt, kann man verstehen, warum Tirol so oft als Filmkulisse dient.



Blick über den windstillen Achensee in Tirol. © Österreich Werbung, Fotograf: H.Wiesenhofer

„Heiliges Land“ wird Tirol auch genannt. Diesem Ruf wird es mit seinen Wallfahrtskirchen gerecht. Eine besonders schöne, Maria Brettfall im Zillertal, passiert man auf einer Etappe des Jakobswegs, der durch Tirol führt. Beeindruckend auch die auf einem 14 Meter hohen Felsen stehende Wallfahrtskirche Mariastein bei Wörgl, deren gotische Kapelle eine aus Stein gemeißelte Marienstatue birgt.

Wer lieber wandert, als pilgert, ist auf dem Adlerweg, dem Tiroler Weitwanderweg, richtig. Die Hauptroute führt quer durchs Land von St. Anton am Arlberg bis nach St. Johann in Tirol – ganze 280 Kilometer. Kürzere Etappen führen auch ins Zillertal, durch die Kitzbühler oder in die Lechtaler Alpen. Den Namen hat der Adlerweg übrigens von der Form der Routen, die an die Schwingen des edlen Tieres erinnern. Und wenn man beim Wandern den Blick auch mal in die Weite schweifen lässt, sieht man vielleicht sogar den einen oder anderen Adler durch die Luft gleiten.

Der Adlerweg führt auch nach Osttirol. Wer sein Glück auf den Gipfeln sucht, ist hier, wo es 241 Dreitausender gibt, richtig. „Griaß di“ sagt man, wenn man sich am Berg trifft, denn das vornehme „Sie“ gibt es über 1000 Metern Meereshöhe nicht. Reines Naturerlebnis bietet der Nationalpark Hohe Tauern. Und, was heute kaum noch zu finden ist, „alpines Urland“. In dem mächtigen Gebirge, überragt von Großvenediger und Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner, ist der Mensch nur Besucher. Zuhause sind hier Gämsen, Murmeltiere, Steinböcke und Bartgeier. Hier zweigt sogar ein Weg ins Paradies ab: „Zedlacher Paradies“ nennt sich ein Rundwanderweg unter jahrhundertealten Lärchen. Los geht es beim Nationalparkhaus in Matrei über Prosegg und Hinteregg. Auslassen sollte man keinesfalls den Strumerhof auf 1451 Metern Seehöhe. Hier warten Gerichte wie eine „Unkrautsuppe“, die man mit Blick über schier endlose Almwiesen genießt.

Bäuerliches Leben im Einklang mit Natur und Traditionen erlebt man im Osttiroler Villgratental. Schafherden grasen auf steilen Hängen, die Bauernhäuser sind aus Holz – Entschleunigung muss hier nicht erst erfunden werden.

Ein weiteres Naturjuwel ist das Kaisertal bei Kufstein, in das man nur zu Fuß gelangt. Bis vor wenigen Jahren waren die rund 35 Bewohner des Naturschutzgebiets vom Rest Tirols abgeschnitten, keine Straße führte hinein. Heute gibt es einen Tunnel, durch den jedoch nur die Einheimischen fahren dürfen. Besucher, die beim Gasthof Pfandlhof einkehren und das Panorama mit dem Wilden Kaiser genießen wollen, müssen noch immer zu Fuß ins Kaisertal gehen.

Kaisertal bei Kufstein. © Österreich Werbung, Fotograf: Federer

Tirol riecht nach frisch gemähten Almwiesen, nach Heu oder auch Schnee und kalter Luft im Winter. Tirol kann man aber auch schmecken. Auf den Almen servieren die Hüttenwirte Selbstgemachtes. Und in der Höhe schmecken die Brettljause, Kasknödel und Kaiserschmarrn besonders gut. Eine Spezialität des Zillertales ist das Melchermuas. Aus Butter, Mehl, Milch und Salz gemacht, gilt das einstige Arme-Leute-Essen heute als Spezialität. Gekocht wird es noch im Goglhof in Fügenberg. Und, weil es nach einem deftigen Essen einen Schnaps braucht, wird der beste des Landes aus den süßesten Zwetschgen gemacht. In Stanz bei Landeck werden diese zu einem ganz besonderen Destillat gebraut. Eine weitere flüssige Spezialität und der meistprämierte Gerstensaft Österreichs ist das Starkenberg Bier, das in Tarrenz auf Schloss Starkenberg gebraut wird.

Nur wenige Kilometer von Innsbruck entfernt, im Mittelalter-Städtchen Hall in Tirol, gibt es auch einen Adventmarkt, den man nicht auslassen sollte. Eine Vorweihnachtszeit ganz ohne Weihnachts-Beschallung und Lichterketten, dafür mit viel Tradition, wird in Rattenberg zelebriert.

Burg Hasegg mit Münzturm / in Hall in Tirol. © Österreich Werbung, Fotograf: Trumler

So eng die Täler Tirols auch sein mögen, das Denken der Tiroler ist dies nicht. Der Lebensmittelhändler M-Preis brachte moderne Baukunst sogar in kleine Tiroler Dörfer: Alle Filialen des Nahversorgers wurden von namhaften Architekten geplant. Ein besonders gelungener Supermarkt steht in Wattens, geplant von Dominique Perrault, dem Architekten der französischen Nationalgalerie und der Innsbrucker Rathausgalerien.

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