Nationalparks, Biosphärenparks und Naturschutzgebiete in Österreich




Im Gegensatz zu den amerikanischen Nationalparks, die weit über 100 Jahre alt sind, wurden die österreichischen Nationalparks erst vor relativ kurzer Zeit zu Naturschutzgebieten erklärt, nehmen aber immerhin drei Prozent der Gesamtfläche Österreichs ein. Dabei war der Weg zur ökologischen Schutzzone aber nicht immer leicht, weil die Gebiete oft mühsam einer bereits geplanten anderweitigen Nutzung abgerungen werden mussten. Manchmal waren sogar Großprojekte in Vorbereitung, wie ein riesiger Wasserspeicher in den Hohen Tauern oder ein Wasserkraftwerk in der Hainburger Au. Nur der Hartnäckigkeit einiger Bürgerinitiativen ist es zu verdanken, dass dies verhindert werden konnte.

Die meisten Nationalparks befinden sich in wenig besiedelten Gebieten und beheimaten außergewöhnlich viele verschiedene heimische, teilweise vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Diesen soll nun ein Ökosystem erhalten werden, das ihnen ein langfristiges Überleben ermöglicht. Doch nicht nur für Pflanzen und Tiere stellen die Nationalparks ein Stück natürlichen Lebensraums dar, sie sollen auch zur Erholung dienen. Dabei ist es allerdings Voraussetzung, dass sich die Besucher auf markierten Wegen bewegen oder das sensible Ökosystem nur mit speziellen Nationalpark-Rangern betreten.

Nationalpark-und Biosphärenparks sowie Naturschutzgebiete nach Bundesländern

Nationalpark Hohe Tauern (T/K/S)
In Österreichs erstem Nationalpark leben mehr als 10.000 Tierarten auf mehr als 1.800 Quadratkilometern. www.hohetauern.at

Nationalpark Gesäuse (Stmk)
Steile Berge und ein schluchtartiges Tal, durch das die Enns fließt, prägen diesen Nationalpark. www.nationalpark.co.at

Nationalpark Kalkalpen (OÖ)
Tief beeindruckend sind hier die in Fels eingegrabenen Klammen, Schluchten, Wasserfälle und Seen. www.kalkalpen.at

Nationalpark Neusiedler See (BGLD.)
Der Steppen-Nationalpark beeindruckt mit Wasser, Schilfflächen, Wiesen und Salzlacken. www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at

Nationalpark Thayatal (NÖ)
Rund um die Thaya wächst nahezu die Hälfte aller in Österreich heimischen Pflanzen. www.np-thayatal.at

Nationalpark Donau-Auen (NÖ)
Das Gebiet zwischen Wien und Bratislava zählt zu den letzten erhaltenen Flussauenlandschaften Mitteleuropas. www.donauauen.at

Biosphärenpark Nockberge (K)
Seit mehreren Jahren wird intensiv an einer Umgestaltung in einen „Biosphärenpark Nockberge“ gearbeitet. www.nationalparknockberge.at

Naturparks in Österreich
www.naturparke.at

Alpenpark Karwendel (T)
Er ist das größte Naturschutzgebiet der Nördlichen Kalkalpen, das sich auf über 900 km2 erstreckt. www.karwendel.org


3 Nationaparks im Porträt

Nationalpark Hohe Tauern (T/K/S)

In Österreichs erstem Nationalpark leben mehr als 10.000 Tierarten auf mehr als 1.800 Quadratkilometern. Die Schmetterlinge zählen zu den gut untersuchten Artengruppen in den Hohen Tauern, insgesamt kommen hier fast 1.300 verschiedene Arten vor. Die Schmetterlingsarten in den Hochlagen des Nationalparks sind wenig gefährdet, hier bietet das Schutzgebiet weitgehend ungestörte Lebensräume. Hochmoor-Bläuling und Hochmoor-Gelbling sind aufgrund des Lebensraumverlustes im Alpenvorland beinahe ausgestorben, die Zwergstrauchstufe der Hohen Tauern ist nun ihr Rückzugsgebiet. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die stark gefährdeten Arten in den Talbereichen vorkommen.

Der Nationalpark Hohe Tauern bietet zudem Flechten eine große Vielfalt an Standorten unter anderem bedingt durch die Höhenstufen, die Geologie und die Luftgüte. Eine Zirbe gewährt – vom Keimling bis zum Totholz – Lebensraum für verschiedene Flechtenarten über einen Zeitraum von zweitausend Jahren. Durch das Einrichten von Naturwaldreservaten, in denen die menschliche Nutzung auf ein Minimum beschränkt ist, wird sich auch in Zukunft ein reichhaltiger Flechtenbewuchs entwickeln können.

Wie bei den Flechten ist der Nationalpark Hohe Tauern aufgrund der guten Luftqualität auch bei den Pilzen ein wertvoller Rückzugsraum. Das Einzäunen von Mooren und Feuchtflächen, das Zulassen von Altholz und keine Beweidung in den Wäldern sind wichtige Maßnahmen für die Förderung der Pilzvielfalt im Nationalpark.

Im Nationalpark Hohe Tauern sind durchschnittlich 2000 Arten pro Tal nachgewiesen sind. Die größte Herausforderung, gemäß den internationalen Kriterien für Nationalparks, ist die Schaffung und langfristige Sicherung von nutzungsfreien – also weitgehend vom Menschen unbeeinflussten -Bereichen in den Hohen Tauern.

www.hohetauern.at


Nationalpark Neusiedler See

Dieser nach Ungarn grenzüberschreitende Steppennationalpark wurde 1993 eröffnet. Er zählt mit Wasser- und Schilfflächen, seenahen Wiesen und salzhaltigen, periodisch austrocknenden Lacken zu den Naturräumen Europas. Der Schilfgürtel um den Neusiedler See ist – nach dem Donaudelta – der zweitgrößte zusammenhängende Schilfbestand Europas. Hier führt das Aufeinandertreffen ost- und westeuropäischer Tier- und Pflanzenarten zu einer außergewöhnlichen Vielfalt. Arten aus alpinen, pannonischen, asiatischen, mediterranen und nordischen Gebieten treffen im Steppennationalpark aufeinander: Hier quäkt der Balkanfrosch, sucht der Donaukammmolch nach Regenwürmern und Nacktschnecken. Hier wächst der österreichische Beifuß neben dem ungarischen Tragant. Außerdem ist der Seewinkel eines der berühmtesten und bedeutendsten Vogelparadiese Europas: ein Eldorado für Ornithologen.

Vogelkundler freuen sich im Seewinkel nicht nur über Amsel, Drossel, Fink und Star, sondern auch über seltene Exemplare wie Kiebitzregenpfeifer, Sanderling, Zwergstrandläufer, Sichelstrandläufer, Alpenstrandläufer, den dunklen Wasserläufer und noch viele mehr.

www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at


Nationalpark Thayatal

Aufgrund des „Eisernen Vorhangs“ blieb dieses Tal an der Grenze zu Tschechien nahezu unberührt. Aufgrund der Grenzlage aber auch der Unzugänglichkeit wurden die 90 % Waldflächen des Nationalparks Thayatal und des Tales von forstlichen Eingriffen weitgehend verschont. Hier wächst fast die Hälfte aller in Österreich heimischen Pflanzen auf relativ kleinem Raum. In anderen Landschaften Österreichs muss eine größere Distanz zurückgelegt werden, damit sich das Waldbild wesentlich ändert – im Thayatal reicht es manchmal, einfach den Flussschlingen zu folgen, und schon sieht der Wald ganz anders aus. Einige überwachsene Ruinen und Burgen erinnern daran, dass die Zeiten nicht immer so friedlich waren wie heute. Und was vor wenigen Jahren noch undenkbar war, ist heute ganz leicht: Ein Teil des Nationalparks liegt in Tschechien und kann grenzüberschreitend auf einer Wanderung oder Radtour entdeckt werden.

www.np-thayatal.at

Ruine Kaja bei Merkersdorf

Ruine Kaja bei Merkersdorf. Nationalpark Thayatal. © Österreich Werbung, Fotograf: Hahn F

 

Und schon haben der WWF und die Österreichischen Bundesforste weitere Wildnisgebiet-Kandidaten ausgemacht: nämlich die raue Bergwelt der Ötztaler Alpenin Tirol sowie die unwirklich anmutende Steinwüste des Toten Gebirges, einem der bizarrsten, zugleich besonders unberührt gebliebenen Gebiete des gesamten Alpenraums. In Summe könnten so 15.000 Hektar ursprünglicher Gebirgslandschaft unter Schutz gestellt werden – eine mögliche Fortsetzung jener Erfolgsgeschichte, die zuletzt etwa in Tirol geschrieben wurde. Schließlich durfte im Nordwesten Tirols, im Lechtal, ein vorübergehend begradigter Wildfluss allmählich sein Tal zurückerobern. Dass es sich auch hier um ein schützenswertes Stück Urnatur handelt, erkennen selbst Laien auf den ersten Blick: Türkise Wasserfinger, die weiße Kiesinseln umspielen. Lichte deutsche Tamarisken und Wacholderbäume, hinter denen die einzigartigen Augebiete des Außerfern mit 1160 Blütenpflanzen bei Hobby-Botanikern für Begeisterung sorgen.

Kleiner, zu klein, um nach strengen IUNC-Kriterien als Wildnisgebiet durchzugehen, sind indes die vielfältigen Moorgebiete, die sich über das nördliche Waldviertel, das Klagenfurter Becken im südlichen Bundesland Kärnten, den Salzburger Lungau und vor allem den westlichsten Teil des österreichischen Alpenvorlandes, nämlich der Grenzregion der Bundesländer Oberösterreich und Salzburg, erstrecken. Dort, auf halbem Wege zwischen den Städten Salzburg und Braunau, dehnt sich auch der größte Moorkomplex Österreichs aus: das 2.000 Hektar umfassende Ibmer Moor. Hobbybotaniker können hier diverse Orchidee-Arten ausfindig machen, aber auch die langsam regenerierten Flächen früherer Torfstiche.

Was Sekundär-Moorwäldchen ist und was als gänzlich unberührt eingestuft werden kann – diese Grenzen verschwimmen nicht nur bei Österreichs kleinen Mooren. So unberührt wie der – auch im europäischen Vergleich – einzigartige Rothwald sind die meisten Urlandschaften nicht. Mitunter liegt die Beeinflussung durch den Menschen bereits viele Jahrhunderte zurück. Die „urige“ Steppenlandschaft östlich des Neusiedlersees, heute Kernstück des am Schnittpunkt von pannonischem und alpinem Raum gelegenen Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel, entstand etwa schon vor Jahrtausenden, als Kelten die Flaumeichen-Hainbuchenwälder gerodet hatten; der angrenzende Schilfdschungel mag einem Labyrinth gleichen – und ist doch keine 120 Jahre alt.

Ähnliche Überraschungen birgt auch der Blick auf die eindrucksvolle Urlandschaft der Donauauen, eine der größten intakten Au-Landschaften Mitteleuropas, die sich als 9.300 Hektar großer Nationalpark Donau-Auen von Wien bis zur niederösterreichischen March-Mündung erstreckt. Man fühlt sich auf Anhieb an tropische Urwälder erinnert – auch wenn Landschaftsökologen das ganz anders sehen. Als „echte“, weil vom Menschen gänzlich unberührte Urwälder gelten hier vor allem die jungen, erst während der letzten hundertfünfzig Jahre vom Flusswasser angetragenen Auwaldflächen. Auf das restliche Gewirr der Lianen und siebenhundert Pflanzenarten, in denen hundert Brutvogelarten leben, trifft das nur mehr eingeschränkt zu.

LINKTIPPS:

Innviertel / Flachgau
www.seelentium.at

Nationalparks Österreich
www.nationalparksaustria.at

Donauregion Auland-Carnuntum
www.carnuntum.com

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere