Weinkultur in Österreich. Der Guide für Genussreisende

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Weinbau in Österreich

Weinbau gibt es in Österreich schon seit langer Zeit. Bereits die Kelten beherrschten diese Kunst, wenn auch noch in einer vergleichsweise primitiven Form. Funde von Traubenkernen belegen, dass es im Burgenland und in Niederösterreich bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. Kulturreben gab. So richtig in Schwung kam der österreichische Weinbau dann durch die Römer, die den systematischen Anbau ins Land brachten.

Der Weinbau ist in Österreich nach wie vor sehr kleinteilig strukturiert. Die meisten heutigen Weinbaubetriebe gingen aus einer gemischten Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht hervor und rund die Hälfte von ihnen verfügt über eine Rebfläche von weniger als fünf Hektar – große Mengen werden hier nicht produziert. Im Handel und Export ist das oft ein Nachteil, der aber durch die Gründung von sogenannten „DAC’S“ (Distructus Austriae Controllatus), also geschützten Herkunftsbezeichnungen für einen bestimmten Weintyp, teilweise ausgeglichen wird. Zugleich führt diese Tatsache aber zu einer enormen Vielfalt der Weinszene und Individualität der Weine. Anders gesagt: Wein aus Österreich ist kein Massenprodukt, denn jede Flasche trägt die Handschrift ihres Winzers.

Die Hauptanbaugebiete sind die Bundesländer Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien. Immer mehr Betriebe werden als Bio-Weingärten geführt. Am höchsten ist der Anteil in Wien. Insgesamt gibt es in Österreich rund 45.000 Hektar Weinanbauflächen. Diese Zahl ist seit mehreren Jahren in etwa unverändert.



Österreich ist vor allem für seine Weißweine bekannt. Etwa zwei Drittel des Anbaus entfallen auf Weißwein-Sorten; rund ein Drittel auf Rotwein-Rebsorten. Unter den Weißweinen ist der Grüne Veltliner mit einem Anteil von rund 30 Prozent die beliebteste Rebsorte, gefolgt von Welschriesling, Müller-Thurgau und anderen Weißwein-Rebsorten. Bei den Rotweinen hat der Zweigelt mit 14 Prozent die Nase vorn, gefolgt vom Blaufränkischen und dem Blauen Portugiesen sowie anderen weniger häufigen Rotwein-Rebsorten. Der Österreicher trinkt pro Jahr rund 27 Liter Wein. Das sind um etwa neun Flaschen mehr als der durchschnittliche deutsche Bundesbürger jährlich genießt.

Weitere Infos: www.weinausoesterreich.at

 

Österreich ist vor allem ein Weißwein-Land.  Nicht zuletzt wird der in den USA der Einfachheit halber als „Gruner“ bezeichnete Wein im Ausland geschätzt – spiegelt er doch mit seiner Frische und seiner pfeffrig-würzigen Aromatik wohl wie kein zweiter die Identität des Weinlandes Österreich wider.


Die wichtigsten Weinbauregionen Österreichs im Überblick

 

Weinviertel , Niederösterreich

Das Weinviertel in Niederösterreich ist das größte Weinbaugebiet Österreichs. Und international bereits ein Begriff. Eigentlich nicht wegen der sanft-hügeligen Weinidylle, den vielen pittoresken Kellergassen oder der kleinen Weindörfer. Sondern dank des Grünen Veltliners, der österreichischen Nationalrebsorte schlechthin. Rebe: Der Grüne Veltliner aus dem Weinviertel besticht durch einen speziell würzig- pfeffrigen Geschmack. Die Sorte hat ihren Ursprung in Österreich. Und von hier aus hat die Rebe einen weltweiten Siegeszug hingelegt. Daher ist der österreichische Veltliner mittlerweile weltweit gefragt, ein Exportschlager.

Wachau, Niederösterreich

 Die Wachau ist die wohl schönste Flusslandschaft Europas. Die Weinterrassen aus Gestein ziehen auf den steilen Hängen ihre grafischen Linien durch die Landschaft. Zwischen den imposanten Weinbergen mäandert die Donau. Überall schmiegen sich idyllische Weindörfer in die Hänge, und dazwischen gibt es unzählige Kulturschätze wie Burgen, Kirchen und Schlösser. Kein Wunder, dass die Wachau zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Rebe: In der Wachau gibt es neben dem Grünen Veltliner vor allem Riesling-Weine. Ursprünglich kommt die Sorte aus dem deutschen Oberrhein und wurde im 15. Jahrhundert erstmals genannt. Vom Rhein wurde die Sorte schon früh nach Österreich an die Donau gebracht. Vor allem in der Wachau bringt es der Riesling durch die sehr späte Ernte zu höchster Reife.

Südsteiermark

Es ist eine Landschaft wie aus dem sprichwörtlichen Bilderbuch – und das ist bestimmt kein Euphemismus: steile Weinhänge, idyllische Weinstraßen, grandiose Panoramen. Keine Frage, es ist eine der reizvollsten Weinlandschaften Europas. Wer hierher kommt, verlässt die Region nicht so schnell. Oder kommt schnell wieder zurück. Aber nicht nur der Landschaft wegen, sondern auch wegen der duftigen, frischen Weine und der herzlichen Winzer.

Rebe: Die Südsteiermark ist ein Treffpunkt Europas – allein schon aufgrund der Weinreben. Die bedeutendste ist nämlich der Sauvignon Blanc. Die Rebe hat ihren Ursprung in Loire, Frankreich. Aber bereits im 19. Jahrhundert wurde die Sorte unter der Bezeichnung Muskat- Sylvaner von Erzherzog Johann eingeführt. Heute gehören die steirischen Sauvignons zu den besten weltweit.

Neusiedlersee, Burgenland

An den Ufern des Neusiedlersees, in dieser malerischen pannonischen Flachebene, reifen herrlich fruchtige Rotweine, allen voran der Zweigelt. Kein Wunder, die Reben können in den weitläufigen, geschlossenen Weingärten Sonne pur speichern.

Rebe: Der Zweigelt ist ein Österreicher – und ist die meistverbreitete Rotweinsorte des Landes. Sie wurde von Friedrich Zweigelt im Jahr 1922 aus den zwei Reben Blaufränkisch und St. Laurent neu gezüchtet.

Leithagebirge , Burgenland

Kaum ein anderes Weinbaugebiet erlaubt eine solche Vielfalt an Weintypen. Wenn man vom lauschigen Burgenland spricht, dann findet man es zweifelsohne hier in den reizvollen Weinorten wie Jois oder Winden. Mit herzlichen Einheimischen, die den Gästen stolz ihren Weißburgunder und Chardonnay servieren.

Rebe: Der blumige Weißburgunder hat im Leithagebirge eine österreichische Heimat gefunden. Die Rebe hat ihren Ursprung in der Region Burgund, Frankreich. Von dort trat sie eine lange Reise an, die sie nach Deutschland, Österreich und Italien geführt hat. Man könnte auch sagen: der Weißburgunder, ein Europäer!

Wien

Wien ist die wohl einzige Millionenmetropole weltweit, die von so prächtiger Natur und Weinbergen umgeben ist. Die Stadt hat sogar ihren „hauseigenen“ Wein. Und faszinierende Plätze, wo sich die Lebenslust der Einheimischen entfaltet. Zum Beispiel im reizvollen Heurigenviertel Grinzing oder auf den Weinhängen des Kahlenbergs mit grandiosem Ausblick auf die Reben.

Rebe: Kaum ein Wiener Winzer verzichtet auf den traditionellen Gemischten Satz. Im Weingarten sind dabei verschiedene Rebsorten gemeinsam ausgepflanzt. Sie werden danach auch gemeinsam geerntet und zu Wein verarbeitet. Der Wiener Gemischte Satz zählt mittlerweile zu den international anerkannten klassischen Weinen Österreichs.

Südburgenland

Das idyllische Südburgenland ist die ursprünglichste Weinlandschaft des Bundeslandes. Das Weinbaugebiet glänzt mit vielen Besonderheiten, nicht nur mit grandiosen Naturlandschaften: Hier arbeiten hauptsächlich Nebenerwerbswinzer. Sie vermarkten einen Großteil der Produktion über die zahlreichen Buschenschenken. Dort kann man mit den einheimischen Winzern die außergewöhnlichen, authentischen Rotweine verkosten, vor allem von der wichtigsten Rebsorte Blaufränkisch. Kein Zweifel: Wenn ein Gebiet die Bezeichnung Weinidylle verdient, dann das Südburgenland.


Tipp 1: Die Weißweine der Steiermark

Die Steiermark ist ein äußerst fruchtbares Land. Nicht zufällig wird sie als der Feinkostladen, oder noch besser der Bauch Österreichs, bezeichnet. Im Süden prägen Weingärten, Kürbisfelder, Obstgärten sowie Mais- und Getreidefelder das Bild. Käferbohnen, Kren (Meerrettich), Schwarzer Holunder, Hopfen, Raps und vieles mehr gedeihen hier vorzüglich. Der alpine Norden wiederum liefert Almo (langsam und länger gereiftes Rinderfleisch aus dem steirischen Almenland) sowie Wild und Saibling.

Dies alles wird oft noch natürlich verarbeitet, auf kurzen Wegen zugestellt und dann ideenreich zubereitet. Wein, Kürbis und Apfel spielen dabei die kulinarische Hauptrolle. Die Region ist aber auch für ihre Schinken wie den Vulcano, oder seine große Käsevielfalt und seine zahlreichen kleinen Käsereien bekannt. Essig, Schnäpse und ungewöhnliche Schokoladenvariationen gibt es hier ebenfalls in guter Qualität.

Auch wenn der Steiermark-Anteil an der Gesamt-Weinbaufläche Österreichs nur neun Prozent beträgt, haben sich die leichten, trockenen steirischen Weißweine doch international einen guten Namen gemacht. In keinem anderen europäischen Weinbaugebiet Europas werden so viele Weinsorten angebaut. Der leicht grasig bis würzige anmutende Sauvignon Blanc ist ein Aushängeschild der Südsteiermark. Der hellrote bis rubinrote Schilcher ist durch das Weingesetz geschützt und darf nur aus der Blauen Wildbacher Rebe  erzeugt werden. Haupt-Anbaugebiet für den Schilcher ist die Weststeiermark.

Die Weißweine sind in der Überzahl (weitere Sorten sind Welschriesling, Pinot blanc, Riesling Sylvaner, Chardonnay, u.v.a.) und zeichnen sich durch einen sortentypischen, fruchtig-trockenen Charakter aus. Auch die Rotweine wie Blauer Zweigelt, Blauburger und St. Laurent sind Spitzenprodukte. Insgesamt gibt es in der Region vier Weinstraßen (zum Beispiel  www.suedsteirischeweinstrasse.at) mit vielen Buschenschänken und Weingasthöfen, wo man hausgemachte Jausen und die besten Weine aus den Kellern genießen kann. Im Norden des Landes prägen Pfandlgerichte, der typische Steirerkas’ und eine jahrhundertealte Bierbrautradition die Küche. Zu den steirischen Spezialitäten zählen Kürbiscreme- oder Schilcherrahmsuppe, Schwammerlsuppe mit Heidensterz, Vogerlsalat mit Erdäpfeln und geräucherter Wildschinken.



So etwas wie das Nationalgericht der Steirer ist das Backhendl. Beliebt sind auch das steirische Wurzelfleisch, Kürbisstrudel und als Dessert Spagatkrapfen mit Schlag, Strauben, üppige gefüllte Potizen, Krapfen, Obst-Strudel oder -knödel. Eine Besonderheit ist die steirische Brettljause.


Tipp 2: Die interessantesten Ziele in der Wachau

Die Wachau, der 36 Kilometer langer Abschnitt des Donautals zwischen Krems und Melk, zählt wohl mit zum Schönsten, das Österreich zu bieten hat. Hier trifft intakte Natur auf vielfältige Kultur und Genuss. Die Region knapp 80 Kilometer westlich von Wien bietet hochwertige Weine und die über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Wachauer Marille. Sie gedeihen hier dank besonderer klimatischer Bedingungen des schmalen Tales mit seinen für den Wein- und Obstbau ideal geeigneten Steinterrassen besonders gut.

Reizvolle, romantische Ziele sind die vielen sehenswerten Gemeinden, Burgen, Ruinen und kirchlichen Bauten der Region. Vor allem das auf einer Anhöhe thronende Stift Göttweig ist einen Besuch wert; ebenso das Stift Melk oder die Ruinen Aggstein und Dürnstein. Ein kulturelles Zentrum ist Krems an der Donau mit seiner lebhaften Altstadt und seinen spannenden Museen.

Ein besonderes Erlebnis ist eine Schifffahrt entlang der Flusslandschaft der Wachau. Aber auch zu Fuß lässt sich diese besondere Kulturlandschaft aufs Beste erkunden. Etwa auf den Pfaden des „Welterbesteigs Wachau“. Hier kann man wunderbar von Ort zu Ort wandern, durch malerische Winzerdörfer, Weingärten und beschauliche Renaissancestädte. All das lässt sich aber nicht nur auf gut gepflegten Wanderwegen erkunden. Auch Radfahrer und Mountainbiker schätzen die Region.

Immer wieder lockt dabei Kulinarisches. Die Wachau ist eines der wichtigsten Weinanbaugebiete Österreichs und bietet zudem eine Fülle von mit Sternen ausgezeichneten Restaurants sowie urige Gasthäuser und Heurigenlokale.

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