Wien – der kleine Architektur- und Kunstführer



Der kleine Wien-Guide für große Erlebnisse: Tauchen Sie ein in die vielfältige, spannende und noch immer lebendige Historie dieser Stadt! Starten Sie eine Zeitreise: Erleben Sie Wien in der Zeit der Römer, lernen Sie den Wiener Mozart kennen und verfolgen Sie die spannenden Veränderungen in Architektur und städtebaulichen Konzepten!

Mit seiner gelungenen Mischung aus imperialer Tradition und aktueller Kreativität hat sich die österreichische Hauptstadt als einer der Hauptakteure am globalen Tourismusmarkt etabliert. Rund 13 Millionen Übernachtungen verzeichnet die Metropole pro Jahr. Geschichte ist in Wien allgegenwärtig: in den Bauten, in seiner Musik und in seinen Kunstwerken.

 

Eingang zum Schloss Belvedere: Treten Sie ein ins historische Wien!

Von kaiserlicher bis moderner Architektur

Wien verdankt seine universelle Anziehungskraft der spannungsreichen Verbindung von kaiserlich-nostalgischem Flair mit einer sehr kreativen Kulturszene, der verantwortungsvollen Pflege eines kostbaren Erbes und liebenswerter Traditionen im Einklang mit aktuellen Trends. Die Architektur aus der Kaiserzeit hat einen unauslöschlichen Eindruck in der Stadt hinterlassen. Prächtige Bauten, vor allem aus dem Barock, Historismus (“Ringstraße”) und Jugendstil prägen die Stadt. Ein beachtliches Erbe für die Hauptstadt der kleinen Republik Österreich mit nur 8,4 Millionen Einwohnern. In Wien überdauert bis heute die Romantik eines längst verlorenen Reiches.

Doch es ist nicht nur die kaiserliche Architektur der Stadt, die ihre Schönheit ausmacht. Wien bietet auch weltbekannte Museen, Kunstsammlungen und Kunstwerke. Das Kunsthistorische Museum Wien (Museum der Schönen Künste) beherbergt die weltweit größte Sammlung von Gemälden von Bruegel sowie die neu renovierte Kunstkammer, eine einzigartige Sammlung von Artefakten und Kuriositäten, die im Jahr 2013 wiedereröffnet wurde. Zahlreiche Werke von Gustav Klimt und Egon Schiele werden im Belvedere und im Leopold Museum im Museumsquartier ausgestellt.

Das Museumsquartier, eine kulturelle Attraktion von internationalem Rang, befindet sich im Stadtzentrum in der Nähe zu den berühmten Museen und wurde im Jahr 2001 eröffnet. Dieser zentral gelegene Kulturkomplex ist eine architektonisch faszinierende Kombination aus Barock (die ehemaligen Hofstallungen) und einer zukunftsorientierte Gestaltung der Architekten Ortner & Ortner. Mit 60.000 Quadratmetern Nutzfläche auf acht unterschiedlichen Ebenen ist es eines der zehn größten Kulturareale der Welt und bietet eine einzigartige Mischung von Ausstellungsobjekten.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind: das Leopold Museum (wie bereits erwähnt) mit der weltweit größten Sammlung von Schiele-Bildern und Werken von renommierten modernen österreichischen Künstlern wie Klimt, Kokoschka und Gerstl; das mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, das Architekturzentrum Wien und die Kunsthalle Wien. Zwei Festhallen werden für hochkarätige Veranstaltungen wie die Wiener Festwochen, das Tanzfestival Impulstanz und auch für Popkonzerte genutzt. Ein Kindermuseum, ein Kindertheater, ein Informationszentrum für Jugendliche, und eine Reihe von attraktiven Restaurants, Cafés und Geschäfte ergänzen die reiche Auswahl an kulturellen Angeboten.

In der Nähe der Staatsoper beherbergt die Albertina die weltweit größte Sammlung von Grafiken mit etwa 60.000 Zeichnungen, einigen Millionen Drucken und einer umfangreichen Sammlung von Fotomaterial. Für leibliche Genüsse sorgt das gute Essen in Do & Co Restaurant der Albertina nach dem Besuch einer der Ausstellungen.

Die Belvedere-Schlösser und Gärten bilden eine der europaweit schönsten Barockensembles. Das Obere Belvedere beherbergt die weltweit führende Sammlung österreichischer Kunst aus dem Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Zu den absoluten Highlights zählt die weltweit größte Sammlung von Werken von Gustav Klimt – einschließlich seiner bekanntesten Komposition, der Kuss. Das Untere Belvedere und die Orangerie sind Gastgeber ständig wechselnder Saisonausstellungen. Ein kurzes Stück vom Oberen Belvedere entfernt, befindet sich der ehemalige Österreich-Pavillon der Weltausstellung von 1958.

Am 24. April 2004 – 150 Jahre nach der Hochzeit von Kaiserin Elisabeth (1837-1898) und Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) – wurde das Sisi Museum in der Hofburg eröffnet. Die Exponate umfassen eine Reihe von persönlichen Gegenständen Elisabeths einschließlich einer Replik des Kleides, das sie am Vorabend ihrer Hochzeit trug, ihrem Morgenmantel und ihrem Sonnenschirm sowie Fächer und Handschuhe. Auch das luxuriöse Interieur des Eisenbahnwagens, den die Kaiserin auf Reisen benützte, kann besichtigt werden.


Imperial Nostalgie und zeitgenössische Trends

Das Spannungsfeld zwischen Tradition die sich etwa in den Cafés und Weinstuben mit dem typischen Wiener Gemütlichkeit ausdrückt und der Moderne, wie sich sich etwa in Veranstaltungen wie dem Life Ball und dem Festival für elektronische Musik zeigt, vermittelt einen Lebensstil, der Gäste aus der ganzen Welt anspricht.

Der Naschmarkt, Wiens multinationaler Obst-und Gemüsemarkt, bietet auch einen Flohmarkt (jeden Samstag). Der Markt hat in seiner Umgebung die Entstehung einer außerordentlich vielfältige Gastronomieszene gefördert. Die Mariahilfer Straße, eine Straße, die das historische Zentrum mit dem Schloss Schönbrunn verbindet, hat sich seit der Fertigstellung der U-Bahn-Linie U3 zur größten Einkaufsmeile der Stadt entwickelt. Im Sommer drängen sich Wiener und Touristen nicht nur im Prater mit dem berühmten Riesenrad, sondern auch auf der Copa Cagrana auf der Donauinsel – mit dem Donauinselfest, Europas größter kostenloser Open-Air-Party im Juni, als Höhepunkt. Strandatmosphäre bieten auch zahlreiche Badestellen am Fluss entlang des Donaukanals, wo der Sommer mit coolen Drinks gefeiert wird.

Ermäßigungen: die Wien-Karte

Die Wien-Karte gilt als 72-Stunden-Netzkarte für die freie Fahrt auf Wiens öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie bietet aber auch eine Reihe von Ermäßigungen. Erhältlich ist sie in vielen Wiener Hotels, in der Touristinformation, in Reisebüros und in den Verkaufsstellen der öffentlichen Verkehrsmittel (www.wienkarte.at). Die Inhaber der Wien-Karte können die Vorteile von mehr als 210 Preissenkungen und Sonderangeboten nützen. Die Palette reicht vom ermäßigten Museumseintritt bis hin zu Shopping-Angeboten. Details verrät eine Gutschein-Broschüre, die mit jeder Wien-Karte ausgehändigt wird. Alternativ gibt es auch eine etwas günstigere 48-Stunden-Wien-Karte, die die gleichen Vorteile wie das 72-Stunden-Pendant bietet.

Das zentrale Tourist-Informationsbüro von Wientourismus befindet sich direkt hinter der Wiener Staatsoper am Albertinaplatz (Ecke Maysedergasse, 1010 Wien). Neben allgemeinen Informationen und Unterstützung bei der Beschaffung von Hotelunterkünften bietet das Informationszentrum auch Eintrittskarten, Last-minute-Tickets für kulturelle Veranstaltungen und kostenfreiem WLAN, täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr.


Wiens Geschichte und seine Architektur

Wiens 2000-jährige Geschichte ist eng mit der Stadt in ihrer gegenwärtigen Form verbunden. Das Design der Innenstadt geht auf eine römische Siedlung und das Straßennetz des Mittelalters zurück. Romanische und gotische Kirchen prägen den Charakter der Straßen und Plätze; ebenso zahlreiche Paläste und Stadthäuser aus der Barockzeit.

Die Ringstraße war der ultimative Ausdruck einer modernen Metropole im neunzehnten Jahrhundert; ausgedehnte Wohnanlagen in den Außenbezirken bestimmen den Ton des Zwanzigsten Jahrhunderts. Derzeit werden eine Reihe von Großplanungen umgesetzt. Stararchitekten arbeiten daran, die Skyline Wiens neu zu definieren.

Wegen seiner Rolle als Kaiserresidenz und als ein Zentrum der Macht in Europa war die österreichische Hauptstadt über Jahrhunderte im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. Dies förderte die Entwicklung wertvoller Architektur, wie sie heute in einem ähnlichen Ausmaß wohl nur wenige andere Städte bieten.

Im Laufe der Jahre hat sich die Stadt konsequent darum bemüht, diese historischen Highlights zu integrieren sowie den Weg für einige spektakuläre Neubauten freizumachen. Als die am schnellsten wachsende Großstadt im deutschsprachigen Raum setzt Wien heute weltweit neue Maßstäbe, vor allem im Wohnungsbau. Die Erhaltung der gewachsenen Strukturen und der Dialog zwischen Alt und Neu sind in der Wiener Architektur Konstanten.

Architektur-Highlight des Mittelalters: der Stephansdom

Die älteste architektonische Sehenswürdigkeit in Wien ist der Stephansdom. Unter den Habsburgern, die prägend auf das Erscheinungsbild der Stadt vom späten dreizehnten Jahrhundert bis 1918 wirkten, wurde der Dom nach und nach als ein Denkmal für die Ambitionen der herrschenden Dynastie erweitert. Der von den Wienern liebevoll “Steffl” genannte Dom mit seinem 137 Meter hohe Südturm wurde 1433 fertiggestellt. Er gilt als ein Meisterwerk der europäischen Spätgotik. Über lange Zeit war er das höchste Gebäude aus Stein in Europa und ist bis heute der unbestrittene Mittelpunkt der Stadt.

Kaiserliche Hauptstadt des Barock

Wiens Aufstieg in die Reihen der großen europäischen Hauptstädte begann in der Barockzeit. Zu den wichtigsten Architekten dieser Zeit zählen Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lucas von Hildebrandt. Eine Reihe von Sommerpalästen entstand außerhalb der Stadtmauern. Das Gartenpalais Schwarzenberg (1697-1704), Prinz Eugens Winterpalais (1695-1724, heute eine Außenstelle des Belvedere) und das Palais Daun-Kinsky (1713-1719, heute das Auktionshaus im Kinsky) gehören zu den wichtigsten Stadtpalästen.

Der Kaiser erweiterte die Hofburg mit dem Bau der Hofbibliothek (1722-1726) und der Winterreitschule (1729 bis 1734). Auch Kirchen und Klöster prägten in der Zeit der Habsburger die Stadt. Etwa Fischer von Erlachs Karlskirche, die außerhalb der Stadtmauern zwischen 1714 und 1739 errichtet wurde. Sie ist eines der wichtigsten Werke des europäischen Barock mit einer wunderschön ausgeführten Fassade. Die farbenfrohen Innenräume der Kirchen wie etwa jener der Peterskirche (1701-1722) zeugen von Ehrgeiz der Architektur dieser Periode, Malerei und Skulptur in einem harmonischen Einklang zu bringen.

 

Ein barockes Juwel: die Karlskirche. Im Sommer stellt das Wiener Stadtgartenamt vor der Kirche Palmen und Oleander auf.

Eine Stadt wird zur Metropole

Pläne, die hoffnungslos überfüllte Stadt zu erweitern, führten 1857 dazu, dass Kaiser Franz Joseph die Befestigungsanlagen der Stadtmauern abreißen ließ, sodass das historische Zentrum mit den Vorstädten verbunden werden konnte. 1865 eröffnet, ist die Ringstraße der wichtigste Vorzeigeboulevard in Europa. Die Gebäude sind fast alle in ihrer ursprünglichen Pracht erhalten. Sie bieten einen authentischen Eindruck von einer Metropole des Neunzehnten Jahrhunderts. Die Architektur der offiziellen öffentlichen Gebäude an der Ringstraße spiegelt ihren Zweck wider: die klassischen griechischen Formen von Theophil Hansen für das Parlament (1871-1883) beziehen sich auf die Demokratie, der Stil von Heinrich Ferstels Universitäts-Renaissance-Gebäudes (1873-1884) auf die Blüte des Humanismus, und Friedrich Schmidts gotisches Rathaus (1872-1883) steht für den Bürgerstolz des Mittelalters.

Das Parlament

Die Bauten des Kaiserhauses dominieren den Ring bis heute: Eduard van der Nülls und August Sicardsburgs Staatsoper (1863-1869), Gottfried Sempers und Carl Hasenauers Burgtheater (1874-1888), das Kunsthistorische Museum, das Naturhistorische Museum (1871-91) und die Neue Hofburg (1881-1918). Zur gleichen Zeit war die Ringstraße der bevorzugte Aufenthaltsort für die meist jüdische Oberschicht. Familien wie die Ephrussis, die Epsteins und die Todescos errichteten luxuriöse Paläste und betonten so die  kulturelle Führung in der Wiener Gesellschaft. Die Weltausstellung 1873 gab Wien schließlich die Möglichkeit, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren. Viele Hotels eröffneten an der Ringstraße einschließlich dem Hotel Imperial und dem heutigen Palais Hansen Kempinski.

Fin de Siècle in Wien

Eines der letzten Gebäude, das an der Ringstraße fertiggestellt wurde, war Otto Wagners Postsparkasse (1903-1906). Mit seiner schmucklosen Fassade und der gläsernen Kassenhalle ist es bis heute eine Ikone der modernen Architektur. Otto Wagner vertrat den Geist der Veränderung an der Wende des Jahrhunderts wie kein anderer. Seine S-Bahn-Stationen brachten architektonische Schönheit in das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt, und seine Kirche am psychiatrischen Krankenhaus Steinhof gilt als erste moderne Kirche (1904-1907).

Die U-Bahn-Station Karlsplatz ist eine architektonische Besonderheit: Die Station besteht aus zwei mit Ornamenten üppig verzierten, einander gegenüberliegenden Pavillons. Ausgeführt wurden sie von Otto Wagner als Stahlskelettbau mit vorgehängten Marmorplatten im Dekor des Jugendstils.

Otto Wagners Kirche am Steinhof

Wagners unbeirrbarer Fokus auf die Funktion eines Gebäudes beeinflusste eine ganze Generation von Architekten. Etwa Joseph Maria Olbrich, der die Secession (1897-1898) plante und Josef Hoffmann, Architekt des Sanatoriums Purkersdorf (1904) am westlichen Stadtrand der Stadt. Hoffmann gilt auch als Gründer der Wiener Werkstätte (1903).

Der wichtigste unter ihnen war Adolf Loos – das Looshaus am Michaelerplatz schrieb bei seiner Enthüllung Architekturgeschichte (1909 -1911). Die Geschäftsebene ist aufwendig mit Marmor verkleidet und steht in absolutem Gegensatz zu der schlichten Fassade im oberen Teil, sodass die “Nacktheit” der oberen Etagen noch deutlicher hervortritt. Diese funktionell motivierte Aussage war so provokativ wie Loos kulturkritische Texte („Ornament und Verbrechen“), mit denen er großen Einfluss auf die Architektur des 20. Jahrhunderts nahm.

Loos wurde von der öffentlichen Auftragsvergabe auf die schwarze Liste gesetzt. Seine wichtigsten Werke sind daher Villen, Wohnprojekte und Läden wie der Schneidersalon Knize am Graben (1910-1913), der in seinem ursprünglichen Zustand bis heute erhalten ist, und der restaurierten Loos Bar (1908-1909) unweit der Kärntnerstraße.

Moderner und sozialer Wohnungsbau

Mit dem Zusammenbruch der Monarchie im Jahre 1918 wurde Wien zur Hauptstadt des neuen Rumpfstaates von Österreich. Im Herzen der Innenstadt erbauten die Architekten Theiss & Jaksch das erste Hochhaus der Stadt, ein exklusives Wohnhaus in der Herrengasse 6-8 (1931-1932). Um dem großen öffentlichen Bedarf an Wohnraum zu genügen, begann die sozialdemokratische Stadtregierung ein Aufbauprogramm, das weltweit einzigartig war. Es erlaubte die Schaffung von 60.000 Wohnungen in hunderten von Wohnanlagen in der ganzen Stadt innerhalb von nur wenigen Jahren. Darunter ist auch der bekannte Karl-Marx-Hof (1925-1930), von Karl Ehn entworfen.

Die internationale Werkbundsiedlung, eine Alternative zu den mehrstöckigen Wohngebäuden, eröffnete im Jahr 1932. 31 Architekten aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Holland und den USA waren in das Projekt, das Modelle für bezahlbaren Wohnbau präsentierte, eingebunden. Darunter Adolf Loos, André Lurçat, Richard Neutra und Gerrit Rietveld. Damit zählt die Werkbundsiedlung, die umfangreich renoviert wurde, zu den wichtigsten Dokumenten der modernen Architektur in Österreich.

Die Moderne fand auch Ausdruck in einer Reihe von Villen, die in dieser Zeit gebaut wurden. Bemerkenswert ist etwa das strenge Design und die radikale Ästhetik des Stonborough-Wittgenstein Hauses (1926-1928, heute bulgarisches Kulturinstitut), das vom Architekten Paul Engelmann und dem Philosophen Ludwig Wittgenstein für Wittgensteins Schwester Margarete entwickelt wurde.

Kriegswirren und Wiederaufbau

Nach der Annexion Österreich an das Deutsche Reich im Jahr 1938 wurden viele jüdische Bauherren und Architekten, die in der Wiener Architektur eine wichtige und äußerst positive Rolle gespielt hatten, aus dem Land vertrieben. Wien wurde im Wesentlichen von Bauprojekten der Nazi-Ära verschont, mit Ausnahme der sechs Stahlbeton-Flaktürme von Friedrich Tamms, die zwischen 1942 und 1945 gebaut, immer noch ihre Spuren in der städtischen Skyline hinterlassen.

Die Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden von Wiederaufbaumaßnahmen in der stark bombengeschädigten Stadt geprägt. Ästhetisch war Pragmatismus das bestimmende Merkmal der Architektur dieser Zeit, obwohl Versuche unternommen wurden, um an die großen Leistungen der Zeit vor 1938 anzuknüpfen und internationale Beachtung zu finden. Roland Rainers Stadthalle (1952-1958), Das Wien Museum am Karlsplatz von Oswald Haerdtl (1954-1959) und das 21er Haus (1958-1962) von Karl Schwanzer gehören zu den wichtigsten Bauten der 1950er Jahre.

Visionäre Entwürfe der 1960er Jahre

In den 1960er Jahren suchte eine neue Generation nach Alternativen zu den architektonischen Entwürfen der Wiederaufbaujahre. Mit ihren visionären Ideen verschafften sich Raimund Abraham, Günther Domenig, Eilfried Huth, Hans Hollein, Walter Pichler, und die Gruppen Coop Himmelb(l)au, Haus-Rucker-Co, Missing Link und schnell internationale Aufmerksamkeit.

Wien hatte einen großen Einfluss auf die internationalen postmodernen und dekonstruktivistischen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre. Holleins futuristisches Kerzengeschäft Retti (1964-1965) am Kohlmarkt und Domenigs biomorphes Gebäude der Zentralsparkasse (1975-1979) in Favoriten gehören zu den frühesten Beispielen, die später ergänzt wurden von Holleins Haas-Haus (1985-1990), dem Dachausbau Falkestraße (1987) oder von Coop Himmelb(l)aus und Domenigs T-Center (2002-04). Ausländische Aufträge ergingen an Domenig, Hollein, Coop Himmelb(l)au und die Architekten Ortner & Ortner und verschafften der neue österreichischen und Wiener Architektur eine internationale Stimme.

Museumsquartier und Gasometer

Seit den 1980er Jahren war ein wichtiger Schwerpunkt der Architektur in Wien der Neubau im historischen Kontext. Zu den besten international bekannten Projekten zählt das Museumsquartier (Wettbewerb 1987, erbaut 1998 – 2001) an den ehemaligen kaiserlichen Hofstallungen,  das von Ortner & Ortner konzipiert wurde. Dabei handelt es sich um eines der größten Kulturareale der Welt mit einer Reihe von Institutionen, einschließlich des mumok – Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, dem Leopold Museum, der Kunsthalle Wien, dem Architekturzentrum Wien und dem Zoom Kindermuseum. Nach einer langwierigen und kontroversen Planungsphase wurde ein architektonischer Kompromiss zwischen alt und neu erreicht. Das Museumsquartier hat sich erfolgreich als städtischer Kulturbetrieb etabliert und zieht Jahr für Jahr Millionen Besucher an.

In einer Stadt, die so stark mit der Geschichte verwoben ist, wie Wien prägt der Dialog zwischen Altem und Neuem immer auch die Architektur. Eine gestalterische Herausforderung war etwa die Umwandlung der Gasometer in Simmering (1999 – 2001) durch Coop Himmelb(l)au, Wilhelm Holzbauer, Jean Nouvel und Manfred Wehdorn. Mit diesem Projekt wurde neuer Wohnraum geschaffen und zugleich eine Neuinterpretation eines historischen Denkmals der industriellen Vergangenheit geschaffen.

Neue Stadteile entstehen

In den letzten Jahren hat sich die Planung auf die großen Bahnhöfe Wiens konzentriert und die Bereiche um sie herum. Im Prater, eine der großen Wiener Grünflächen, entstand der neue Campus für Europas größte Wirtschaftsuniversität, der 2013 eröffnet wurde. Die spektakulären Gebäude rund um den zentralen Platz des Campus WU haben hitzige Debatte über den Status quo in der zeitgenössischen Architektur ausgelöst. Entworfen wurde sie von einer internationalen Gruppe von Architekten (Hitoshi Abe, BUSarchitektur, Peter Cook, Zaha Hadid, NO MAD Arquitectos und Carme Pinós).

Hochhäuser verändern die Skyline

Massimiliano Fuksas hat den Twin Tower-Komplex im Stadtteil Wienerberg mit seinen 138-Meter-und 127-Meter-Türmen konzipiert. Ein architektonischer Hingucker, der kilometerweit sichtbar ist. Jean Nouvels monolithisches 75-Meter-Hotel Sofitel am Donaukanal (2007 – 10) ist eine Reaktion auf die Besonderheiten der städtischen Umwelt. Die oberste Etage bietet neue Perspektiven auf das historische Stadtzentrum.

Dominique Perraults DC Tower 1 (2010-13) in der Donau City dominiert das Hochhausviertel nördlich der Donau. Besucher können in der Sky Bar auf der obersten Etage einen atemberaubenden Blick über Wien genießen. Der DC Tower 1 ist das höchste Gebäude in Österreich und fast doppelt so hoch wie der Stephansdom.

 

 




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